Verhaltenstherapie, Psychoanalyse, humanistische Psychotherapie - je nach Zählweise können die bis zu 300 Verfahren die so genannten Klienten ganz schön verwirren (eine Übersicht im Infokasten).
"Seit den 90er Jahren ist das Denken in speziellen Therapieschulen von einem integrierten Ansatz abgelöst worden", erklärt Müller. Parallel dazu habe allerdings die Spezialisierung unter den Therapeuten deutlich zugenommen: Ob es nun um Störungen bei Kindern und Jugendlichen geht oder um die Bewältigung von traumatischen Erlebnissen - mittlerweile gibt es im Landkreis Limburg-Weilburg eine umfangreiche Liste von Psycho- und Verhaltenstherapeuten, die im speziellen Fall weiterhelfen können.

Der Bedarf steigt: KV Hessen lässt 1 16 weitere Therapeuten zu
Und die Liste immer länger. Erst im vergangenen Jahr hat die Kassenärztliche Vereinigung in Hessen 16 weitere Zulassungen für Psychotherapeuten im Kinder- und Jugendbereich genehmigt und damit auf den wachsenden Bedarf reagiert, zwei der Stellen davon sind im Landkreis Limburg-Weilburg angesiedelt, in der Landeshauptstadt Wiesbaden sind es allein neun. "Engpässe gibt es insgesamt nicht mehr, wohl aber bei der Terminvergabe", weiß Müller. Durchschnittlich betragen die Wartezeiten auf einen Behandlungsplatz bei einem niedergelassenen Psychotherapeuten durchschnittlich 80 Tage, auf dem Lande kann das auch schon mal mehr sein. Müller: "Ein halbes Jahr Wartezeit ist unzumutbar".
Das ist aber sicher nicht das einzige Defizit, das es zu beheben gilt. Ein weiteres ist die immer noch verbesserungsbedürftige Vernetzung mit den Allgemeinmedizinern. "Die Kinderärzte im Landkreis Limburg-Weilburg sind schon sehr offen", lobt Müller. Eine Qualifizierung und Sensibilisierung der Hausärzte für psychische Themen hält der Limburger für ausgesprochen wichtig. "Früherkennung ist das A und O. Es ist gut einzugreifen, bevor eine Chronifizierung stattfindet. Aber wir wissen auch, Hausärzte haben ihre eigenen Fragen".

Statistiken der Psychotherapeutenkammer belegen: Jeder vierte Patient geht inzwischen direkt und aufgrund seines eigenen Entschlusses zum Therapeuten. Noch einmal 15 Prozent kommen aufgrund der Empfehlung von Freunden und Bekannten. Nur jeder zweite hat eine Überweisung durch seinen Arzt in der Tasche. "Eine Vernetzung im medizinischen System könnte die Versorgung der Betroffenen deutlich verbessern", so Müller. Die 2007 gegründete Ärzte- und Therapeuten-Genossenschaft "Piano" - die Abkürzung steht für "Präventions- und Innovations-Ärztenetz Nassau-Oranien" - ist ein Anfang.
Auf einer zweiten Ebene wünscht sich Müller eine weitergehende Zusammenarbeit: mit den Schulen. Dorthin gehen, wo die Kinder sind - und wo auch viele ihrer Probleme beheimatet sind, das ist die Devise.
Bei der Finanzierung machen die Kassen im Regelfall mit
"Zu oft wird in die falsche Richtung diagnostiziert", sagt auch der Sprecher der DAK Claus Uebel gegenüber dem TAGEBLATT. Zu oft würden nur die Rückenschmerzen oder Magenbeschwerden gesehen und nicht die eigentlichen Ursachen. Claus sieht für die Zukunft integrierte Versorgungswege als Gebot der Stunde an. "Die Wege müssen kürzer werden." Seine Bilanz ist dennoch positiv: "Keiner schwebt in der Luft." Gerade die ambulante Versorgung wie auch die Arbeit der Selbsthilfegruppen spielten eine wichtige Rolle.
Bei der Finanzierung der Therapien machen die gesetzlichen Krankenkassen vieles mit, so Uebel. Besonders bei den bewährten Verfahren der Verhaltenstherapie und der Psychoanalyse werden die Kosten auch bei ambulanten Behandlungen übernommen. Dies gilt auch in der Trauma-Behandlung und anteilig auch bei Vorsorge-Kursen (Progressive Muskelentspannung, autogenes Training). "Voraussetzung ist immer, dass der Therapeut eine Zulassung hat", sagt Uebel. Bei stationärer Behandlung kommen weitere Verfahren dazu (siehe Grafik).







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