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Schizophrenie: "Pippi" ist stark - bis die Polizei kommt

Schizophrene Frauen berichten
Maren fühlte sich nicht nur so stark wie Pippi Langstrumpf, sie war Pippi. In der Klinik gab es das große Erwachen. (Fot

Eine Störung, bei der die Symptome einer Schizophrenie und einer manisch-depressiven Erkrankungen zusammen auftreten.  Das Gespräch strengt Maren an.  Sie sitzt  angespannt im Stuhl, holt zwischendurch immer wieder tief Luft. Sich konzentrieren, ist anstrengend. Die speziellen Medikamente haben sie aus dem Griff der Psychose befreit aber zeitweise auch Nebenwirkungen produziert.  "Ich fühlte mich wie ein Roboter, mein Körper war  so  steif. Das war schlimm, nicht mehr Herr der Lage zu sein." Dabei ist sie blitzgescheit. Ein junges Mädchen, das ihren Weg sucht Englisch und Philosophie sind ihre Steckenpferde, das will sie in Mainz Studieren.
Doch da ist diese miese Krankheit, die bei Maren mit 17 begann. Die Oma war schon betroffen. Jetzt sie. "Ich habe das am Anfang gar nicht gemerkt", sagt Maren. Die Stimmung hat sich gut angefühlt. "Ich kannte keine Probleme, fühlte mich unbezwingbar." Doch dann wurde das wirre Reden, so als würde man im Radio  zwischen den Sendern hin und her drehen. Für sie selbst war alles noch verständlich. Ihre Freundinnen und ihre Familie waren ratlos.  "Aber sie standen hinter mir. Das war mir eine große Hilfe, und ist es jetzt noch. Sie haben gesagt, du musst was machen."
Sie war gereizt. Hat nichts eingesehen. Bis zuletzt die Polizei und die Mediziner eingriffen.  Alles war im Sturm, Vorstellungen fuhren Achterbahn.  "Wir haben uns viele Beschimpfungen abgeholt. Da mussten wir drüberstehen", sagt Marens Mutter. Sie kriegt heute noch eine Gänsehaut, dass die Schizophrenie in NS-Zeiten in Hadamar ein Todesurteil bedeutete.  Misstrauen war da in der Klinik. "Wollte das Pflegepersonal mir etwas Böses?", überall war die Frage: Was steckt eigentlich hinter den Dingen? Etwas Diabolisches?
Ein Klassiker, sagt Matthias Bender, Psychiater in Hadamar. "Für Menschen mit Schizophrenie steht die Welt auf der Kippe.  Plötzlich bezieht der Kranke alles auf sich. Er kann nicht mehr unterscheiden, nicht mehr filtern, was wichtig ist, was unwichtig. Auch das Unterscheiden hört auf, was zu mir gehört, was nicht. Das Ich und die Welt, sie gehen eine gefährliche Verbindung  ein", so Bender.
Nicht selten kommen  Wahngedanken dazu. Negative Gedanken, Verfolgungsideen. Stimmen im Dialog, die schlecht über die Person reden. Menschen zum Selbstmord auffordern.  "Alles ist so dicht an der Realität, und je intelligenter die Menschen sind, desto geschlossener werden die Wahnvorstellungen." Der Versuch, Ordnung in die Innenwelt zu bringen, geht völlig zu Bruch.

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