Der Winter der Raubwürger

Vogel des Monats Dezember/Ungewöhnlich viele Beobachtungen in Mittelhessen
Raubwürger (Lanius excubitor)
Raubwürger (Lanius excubitor) | Foto: mittelhessen.de

Und dies trifft im Winter 2011 in besonderem Maße zu. Selten wurden in Hessen so viele Beobachtungen des Raubwürgers gemeldet, wie in diesem Jahr. "Schon seit Anfang Oktober haben Ornithologen im nördlich von uns gelegenen Landkreis Waldeck-Frankenberg auffällig viele der seltenen Vögel beobachtet. Nahezu 60 Winterreviere des Vogels waren dort bezogen worden", berichtet Kraft. Und auch im Hinterland, in Dautphetal, Biedenkopf und Breidenbach sowie rund um Marburg häufen sich die Beobachtungen.

"Wir nehmen an, dass der winterliche Einflug des hübschen, etwa amselgroßen Vogels mit der charakteristischen Räubermaske mit einem außergewöhnlich guten Brutjahr in Skandinavien zusammenhängt", sagt Kraft. Dort nämlich hat es 2011 besonders viele Lemminge gegeben. Und die stehen auf dem Speisezettel des Raubwürgers, der in Nordeuropa, im Taigagürtel und dem Übergang von Taiga zu Tundra seinen europäischen Verbreitungsschwerpunkt hat. Dort liebt er die Flächen mit lockerem Baum- oder Buschbestand und niedrigem Bodenbewuchs, der ihm das Jagen erleichtert.

Stimmt das Nahrungsangebot so wie in diesem Jahr, können mehr Jungvögel aufgezogen werden, als in ungünstigeren Jahren. "Diese nördlichen Vögel ziehen dann wie jedes Jahr gen Süden, um bei uns die Wintermonate zu verbringen", berichtet Kraft und hat ein weiteres Beispiel für dieses Verhalten parat: "Auch die jungen Raufußbussarde, ebenfalls eine in Nordeuropa brütende Art, sind in diesem Winter in deutlich höheren Zahlen als üblich gen Süden gezogen. Auch die Greifvögel haben von der Lemming-Schwemme profitiert."

Raubwürger sind "Fleischer" und "Wächter"

"Lanius excubitor" heißt der Raubwürger mit wissenschaftlichem Namen. Und dieser beschreibt zwei wesentliche Merkmale des Vogels: Der Gattungsname Lanius bedeutet übersetzt "Fleischer". Und von tierischer Nahrung ernährt sich der Raubwürger ganz überwiegend. Wühlmäuse, echte Mäuse und Spitzmäuse machen den Löwenanteil seiner Beute aus. Aber auch Kleinvögel verschmäht er nicht. Im Winter, wenn die kleinen Pelztiere unter der Schneedecke verborgen bleiben und schwer erreichbar sind, können Goldammer, Sperling und Co. sogar zur Hauptbeute werden. Dann verlegt sich der grau-schwarz-weiß wirkende Vogel auf die Verfolgungsjagd im Fluge, er ist auch in der Lage kurz wie ein Turmfalke zu rütteln, bevor er die Beute schlägt. Ein gezielter Hieb mit dem kräftigen, schwarzen Hakenschnabel, ein todbringender Biss ins Genick, aus ists mit dem schönen Leben des Einen, gesichert die Existenz des Anderen. Jäger und Beute, fressen und gefressen werden - das uralte Spiel der Natur.

Bis zur Größe einer Drossel oder eben eins Lemmings kann der Raubwürger schlagen und Beute wegschleppen, die seinem eigenen Gewicht nahe kommt. Während der Jungenaufzucht stehen auch Insekten auf seinem Essensplan. Eine Spezialität der Würger beherrscht Lanius excubitor dabei auch: Er spießt Beute auf oder klemmt sie in Astgabeln ein, um größere Portionen so bearbeiten zu können oder als Vorrat aufzubewahren.

Der Raubwürger schlägt seine Beute ganz überwiegend am Boden. Und hier kommt der zweite Namensteil zum Tragen: "excubitor" ist der Wächter. Wie ein solcher späht der Raubwürger von einer exponierten Warte aus nach möglichen Opfern. Blitzschnell stößt er von oben herab auf sie nieder.

Von seinem Ansitz aus bewacht er gleichzeitig auch sein Revier, dessen Grenzen er regelmäßig mit Kontrollflügen abfliegt.

Wer den Vogel auf dem Weg von einer Sitzwarte zur anderen beobachtet, dem wird der bogenförmige Flug auffallen, mit dem er sein Ziel ansteuert. Eindringlinge, wie Konkurrenten oder Feinde, werden mit ärgerlichem Tschackern energisch vertrieben.

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Dokument erstellt am 02.01.2012 um 15:47:07 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 13:06:46 Uhr
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