Unterwegs auf weiten Schwingen

Rotmilan gilt als "deutschester" der Greifvögel
Die Flügel leicht V-förmig aufgestellt und den typischen, tief gegabelten Schwanz  als Steuer benutzend: So fliegt ein R
Die Flügel leicht V-förmig ... | Foto: mittelhessen.de

Kraft: Der Rotmilan ist wahrlich eine imposante Erscheinung und gehört sicherlich zu unseren schönsten heimischen Greifvögeln. Im Vergleich zum Mäusebussard ist er deutlich größer und schlanker, wobei sein langer, gegabelter und bei Altvögeln schön rostrot gefärbter Schwanz sofort auffällt. Er fliegt mit deutlich langsameren Flügelschlägen als der Mäusebussard, und mit etwa 1,70 Meter Spannweite klaftern seine Schwingen deutlich weiter als bei diesem. Wie der Name schon verrät, so überwiegen bei ihm rostrote Federanteile, während man auf der Flügelunterseite auch weiße Partien erkennen kann. Die dunklen Handschwingen zeigen immer fünf frei sichtbare "Finger". Während der Wintermonate sieht man die Vögel bei uns nicht. Wann ziehen sie weg und wo ist ihr Winterquartier?

Kraft: Der Wegzug der Altvögel findet in der Regel von Ende September bis Ende Oktober statt. Nachzügler kann man noch bis in den Winter hinein ziehen sehen. Das Überwinterungsgebiet erstreckt sich von Mittelfrankreich bis nach Südspanien. Manchmal überqueren ein paar Rotmilane auch die Straße von Gibraltar und fliegen nach Marokko oder Tunesien. Die meisten findet man aber im Winter in Zentral- und Südspanien. Wann tauchen die ersten Rotmilane nach dem Winter in der Regel wieder im Landkreis auf?

Kraft: Nach normalen Wintern kommen die ersten Rotmilane manchmal schon Anfang Februar. Nicht selten ziehen sie in großen Trupps, so konnten wir einmal bei Argenstein 296 Rotmilane in einem einzigen Zugtrupp zählen. Der Zug erstreckt sich je nach Witterung bis in den April hinein. Dann sind aber nur noch vorjährige Jungvögel unterwegs. Rotmilane besetzen häufig schon Mitte Februar ihre Brutreviere.

Welchen Lebensraum bevorzugen sie und was steht auf ihrem Speiseplan?

Kraft: Rotmilane brüten überwiegend in großen Laub-Mischwäldern, die an offene Kulturlandschaften grenzen. Derartige Lebensräume gibt es bei uns ja viele. Manchmal brüten sie auch in Feldgehölzen. Da sie nicht so kräftige Greife haben, bevorzugen sie eher kleine Beutetiere wie Mäuse oder auch Großinsekten, Aas oder auf dem Wasser treibende Fische. Manche Rotmilane haben gelernt, in Ortschaften, zumeist im Bereich von Schlachthöfen, Abfälle zu ergattern. Oder sie streifen auf Schulhöfen niedrig umher, um mit Wurst belegte Brote zu erbeuten. Sie sind demnach sehr anpassungsfähig.

Wo brüten Rotmilane?

Kraft: Zumeist in alten Buchen, aber auch manchmal in Eichen, Pappeln und anderen Laubbäumen, seltener in Nadelbäumen. Es wird immer davon gesprochen, die Bundesrepublik habe "eine besondere Verantwortung" für den Rotmilan. Woraus leitet sich diese Verantwortung ab?

Kraft: Der Rotmilan ist ein echter Europäer, er kommt außerhalb Europas nicht vor. Die zwischen 19 000 und 25 000 Brutpaare gelten mithin als der Weltbestand. Verbreitungsschwerpunkt ist tatsächlich Deutschland, wo zwischen 10 000 bis 14 000 Brutpaare leben, was schon sehr bemerkenswert ist. Er ist demnach eine richtig deutsche Vogelart. Deshalb müssen wir alles daran setzen, damit es dem Rotmilan auch weiterhin bei uns gefällt, denn mancherorts geht er im Bestand stark zurück.

Im Raum Biedenkopf hat der dortige NABU-Vorsitzende Klaus Petri von einem Rückgang der Rotmilan-Brutpaare von zehn im Jahre 1985 auf zwei im Jahr 2010 berichtet. Ist dieser Trend auch andernorts beobachtet worden?

Kraft: Bestandsschwankungen sind auch bei Greifvögeln normal, wobei es Jahre mit sehr gutem und Jahre mit ziemlich schlechtem Bruterfolg gibt. Im Rahmen unserer Bestandserfassungen zeigt er in den letzten 40 Jahren sehr starke Schwankungen mit leichten Rückgängen, die teilweise aber auch bis zu einem Drittel Verlust ausmachen. In diesem Jahr sieht man aber wieder etwas mehr balzende Rotmilane, so dass man den weiteren Trend genau beobachten muss.

Link zum Thema
Dokumenten Information
Copyright © mittelhessen.de 2012
Dokument erstellt am 26.04.2012 um 22:06:05 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 13:53:32 Uhr
Kommentare (0)
Facebook Kommentare
Mehr aus Serie: Vogel des Monats
Orte
Wählen Sie Ihren Ort
Anzeige
Anzeige
Anzeige

Zeugin hört Hilfeschreie / Wer ist der Mann im Neoprenanzug?: Rettungskräfte suchen die Lahn ab

Gießen (tna). Polizei, Berufsfeuerwehr, DLRG, Rotes Kreuz und Technisches Hilfswerk haben am Dienstagmorgen die Lahn ... mehr

POLIZEIBERICHT Unfallserie über Pfingsten: Zwei Tote bei drei Unfällen

Limburg-Weilburg (kbi). Drei schwere Verkehrsunfälle haben über die Pfingstfeiertage die Rettungsdienste im Kreis ... mehr

Ab durch die Hecke

Eschenburg-Eibelshausen (ra/red). Ein spektakulärer Unfall hat sich in der Nacht zum Pfingstmontag im Eschenburger ... mehr

MUSICAL Erfolg in Langgöns: Stehende Ovationen für "Aida"

Langgöns (ikr). Große Gefühle und die Musik eines Weltstars hat das "Young Music Project Langgöns" des Gesangvereins ... mehr

Löw will kein Klagen: US-Tournee als Chance

Positiv Berlin (dpa) - Der USA-Trip der Fußball-Nationalmannschaft bleibt problembeladen - Joachim Löw bemüht sich aber um ... mehr

WANDERMARATHON 700 Läufer nehmen die Strecke unter die Stiefel: Naturerlebnis steht im Mittelpunkt

Bad Endbach/Wetter. Einige konnten nicht abwarten: Bereits eine Stunde vor dem offiziellen Start begaben sich ... mehr
Anzeigen und Anzeigenservice:
Anzeige
Prospektbeilagen