Wenn ich mich nicht verzählt habe (und das ist in diesem Fall leicht möglich), liegen bisher 433 Anfragen vor. Davon sollen natürlich möglichst viele beantwortet werden: ,leichte knapp, schwierige und interessante ausführlicher. Denn die Kolumne soll ja für alle informativ und unterhaltsam sein, die sich für die Namen ihrer Mitmenschen in der Region interessieren. Aber ohne Auswahl wird es nicht gehen. Es liegt nahe, dass dabei in Mittelhessen verbreitete Familiennamen den Vorrang haben. Manche Leserinnen und Leser haben offensichtlich angenommen, ich würde ihnen kostenlos oder gegen Entgelt die Deutung ihres Namens persönlich mitteilen. Ich verfasse aber nur, sozusagen ehrenamtlich, die Kolumne mit den Deutungen. Für persönliche Namendeutungen gibt es genügend kostenpflichtige Beratungsdienste im Internet, aber auch an den Universitäten Leipzig und Siegen.
Doch nun zu den heutigen Namendeutungen. Das vielleicht berühmteste Gedicht des Mittelalters stammt von Walther von der Vogelweide und beginnt so: Under der linden an der heide, da unser zweier bette was ... Vor dem walde in einem tal, tandaradei, schone sanc diu nahtegal.
Feld-, Wald- und Wiesennamen (1)
Lassen wir aus sittlichen Erwägungen dahingestellt, wozu das Lager der beiden gerichtet war, und betrachten lieber die Inszenierung des Ambiente: Heide und Wald sind dem mittelalterlichen Menschen keine idyllischen Landschaften, das Ensemble ist für ihn der menschenleere, der unbebaute Teil der Landschaft im Gegensatz zu den bebauten Fluren und der Siedlung. Wer hier sein Haus oder seine Hütte hat, lebt stets gefährdet.
Wer hier lebte, konnte deshalb leicht seinen Namen von der Lage der Wohnstätte bekommen. So kommt die Familie "von der Heyde" zu ihrem Namen, eben weil ein Vorfahre in der Heide siedelte; die Vorfahren der "Aumanns" wohnten in einer Au, die "Riederer" an einem Ried, wobei dieser Name nur in Bayern häufig vorkommt.
Der Wald wird von der bäuerlichen Gesellschaft vielfältig genutzt und entsprechend differenziert bezeichnet:
Die allgemeine Benennung als grüner Wald, wonach die "Gronwalds" benannt sind, bildet eher die Ausnahme. Da deutet nur das o darauf hin, dass die Familie aus Norddeutschland stammt; im Südwesten würden sie eher "Grünewald" heißen.
Typischer ist die Bezeichnung Hecke für einen dicht bewachsenen Jungwald. Danach konnte man einfach "Haecke" genannt werden, eine allerdings extrem seltene Schreibweise für den Namen, der in Norddeutschland gewöhnlich "Hecke" und in Süddeutschland mit mundartlichem Ausfall des End-e "Heck" geschrieben wird. Dazu gehört auch der Familienname "Hecker", den es vor allem in Westdeutschland gibt.
Mit "Hain", das sprachlich aus Hagen (ursprünglich der eingefriedigte, umhegte Ort) entstanden ist, werden oft ortsnahe, verhältnismäßig kleine und offene Waldstücke bezeichnet. Deshalb gibt es so viele entsprechende Straßennamen. Obwohl der Familienname in ganz Deutschland gut verbreitet ist, hat er seinen Vorkommensschwerpunkt in Hessen und hier besonders im Lahn-Dill-Kreis, in dem annähernd 10 Prozent aller deutschen Namensträger wohnen.
Das ist aber der einzige Hesse unter den Familiennamen, die sich auf den Wald als Wohnplatz beziehen. Allgemein verbreitet, wenn auch nicht sehr häufig, sind noch die angefragten Familiennamen "Dann" Wohnplatz an einer Tanne oder einem Tannenwald, "Birkenbusch" Wohnplatz an einem mit Birken bestandenen Waldstück (kein Busch in unserem heutigen Wortsinne!), "Eichert": zusammengezogen aus "Eich-hart" Wohnplatz an einem Eichenwald und "Siebeneicher" Wohnplatz an (auffälligen) sieben Eichen.






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