Zu Grunde liegt das mittelhochdeutsche Wort snur, snuor "Sohnes Frau" mit der Nebenform snurche, snorche. Das heute auch aus den Dialekten verschwundene Wort gehört zu dem umfangreichen Wortschatz, mit dem früher Verwandtschaftsverhältnisse höchst differenziert bezeichnet werden konnten wie z.B. Eidam ("Schwiegersohn"), Oheim (meist "Mutterbruder"), Muhme (ursprünglich "Mutterschwester"). Verwandtschaftsbeziehungen wie diese werden häufig zum namengebenden Motiv für Familiennamen; vgl. auch Vater, Mutter, Bruder/Brüderle usw.
Sie liegen etwa im gleichen Benennungshorizont wie die ebenfalls angefragten Familiennamen Freund (zu mittelhochdeutsch vriunt "Freund", aber auch "Verwandter") oder Fremdt (zu mittelhochdeutsch vremde "der Fremde" als Gegensatz zu Freund). Dass in Deutschland bei allgemeiner Verbreitung über 17 000 Menschen Freund/Freundt heißen, aber nur ca. 250 Fremd/ Fremdt, überrascht vielleicht.
Stutzig machte mich allerdings der Hinweis von Herrn Schnürch, dass seine Vorfahren aus dem Sudetenland stammen und dort der Name sehr geläufig gewesen sein soll. Denn ich hatte vermutet, dass es sich wieder einmal um eine Namenspezialität unseres Raumes handelte. Aber die diffuse Streuung des mit knapp 400 Namensträgern eher seltenen Namens im mitteldeutschen und vor allem im süddeutschen Raum verdeutlicht, dass die Vorkommen mindestens zum Teil auf die Vertriebenenansiedlung nach dem 2. Weltkrieg zurückzuführen sind. Hinzu kommen Varianten wie Schnörch (auch in unserem Raum) und manchmal solche, die mit der Verkleinerungsform -lein gebildet sind (Schnürle, Schnürlein u.ä.), so dass man ohne Familienforschung hier nicht zwischen zugewanderten und einheimischen Namensvorkommen unterscheiden kann.
Was ist eine Schnürch?
Nicht immer funktionieren halb verschüttete Lexikon-Erinnerungen so gut wie beim vilmarschen Geschnürchel. Einen in zweifacher Schreibung angefragten Namen - Schork und Schorge - habe ich nämlich ganz automatisch zu den Personennamen gestellt, weil ich dachte, es handle sich um eine Nebenform zu Georg (wie z.B. Jörg). Da stand er nun und hätte doch bei den Berufsbezeichnungen besprochen werden müssen. Denn er geht auf mittelhochdeutsch schuochworhte, im mitteldeutschen Raum auch schuchwurte zurück, und das war im Mittelalter die in Hessen weithin geltende Bezeichnung für den Schuhmacher. Das nun kann man schon bei Vilmar (S. 372) lesen, der übrigens hinzufügt, dass die daraus "entstandenen Familiennamen Schuchard und Schubert zu den sehr häufig erscheinenden gehören" - in Hessen, versteht sich. Was im Übrigen nicht stimmt, wie die Verbreitungsbilder zeigen. Aber die hatte Vilmar ja nicht. Das Vorkommen der Standardform Schork ist übrigens auf den unteren Neckarraum konzentriert. Die mit knapp 300 Namensträgern sehr viel seltenere Form Schorge hat ihren Schwerpunkt im Kreis Marburg-Biedenkopf , wo etwa die Hälfte aller Schorges leben.






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