Eigenschaften machen Namen
Aber bei jedem Namen gibt es andere Deutungen, die genauso wahrscheinlich sind: Der erste namens Gans kann auch ein Gänsezüchter oder -händler gewesen sein oder ein Bauer, der seinem Herrn zu Martini eine Gans liefern musste. Entsprechend kann sich ein Mensch namens Gaul beruflich durch die Beschäftigung mit Pferden ausgezeichnet haben. Ein Geier kann seinen Namen z.B. von einem Haus mit diesem Hauszeichen und -namen haben. Schließlich ist Wolf wahrscheinlich nur eine Kürzung aus einem der vielen mit Wolf- beginnenden Personennamen wie Wolfgang, Wolfhard usw. Das kann man im Einzelfall nicht entscheiden.
Gans als Familienname ist allgemein in Deutschland verbreitet, ebenso Wolf(f). Geier oder Geyer ist vor allem in Süddeutschland bis nach Hessen gebräuchlich. Nur Gaul ist auf das westliche Mitteldeutschland, besonders auf Hessen beschränkt. Denn ursprünglich hieß das Tier in den Dialekten im Norden Pferd, im Süden Roß und in der Mitte eben Gaul. Erst in der Neuzeit und mit der Hochsprache entwickelten sich die Bedeutungsunterschiede, die wir heute mit diesen drei Bezeichnungen verbinden: Pferd wurde die neutrale Bezeichnung, Ross bewertet das Tier positiv ("ein edles Ross"), und Gaul klingt negativ: Einem geschenkten Gaul guckt man eben nicht ins Maul.
Körperliche oder charakterliche Merkmale waren schon immer ein beliebtes Benennungsmotiv (wie bei den heutigen Spitznamen). Wenn jemand einen dicken Bauch hatte, hatte er im mittelalterlichen Sprachgebrauch einen panse "Wanst". Daraus entstand der heutige Familienname Panz. Den tragen trotz des verbreiteten Sachverhalts überraschenderweise nur etwa 400 Menschen, davon allerdings über ein Viertel im Lahn-Dill-Kreis und dazu eine Reihe weiterer in den angrenzenden Landkreisen: Der Name ist schon ein bisschen "typisch mittelhessisch". Dazu stimmt, dass das Kurhessische und auch das Westerwäldische Idiotikon von 1800 das Wort als Dialektwort aufnehmen: De hat sichn Panse gefräse.
Auch der Familienname Rumpf geht in seiner sprachlichen Bedeutung auf den Rumpf als menschlichen Körperteil zurück. Das Wort, mittelhochdeutsch rumph, wurde wohl zuerst für Menschen mit ungeschlachtem Körperbau und relativ kurzen Armen und Beinen gebraucht. Der Familienname ist in ganz Deutschland verbreitet mit einem schwachen Schwerpunkt in Hessen. Die Namensvariante Rompf hingegen ist zwar viel seltener, nur knapp 1000 Menschen heißen so. Davon lebt aber fast ein Drittel im Lahn-Dill-Kreis. Hier hat sich nämlich in der Schreibung die mundartliche Aussprache durchgesetzt, bei der in manchen Lautumgebungen u zu o wird (wie bei kurz zu korz oder Strumpf zu stromp).






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