Vielleicht würden seine Weggefährten sagen, dass das schon früher in der Bundes- und Kreispolitik so war: 29 Jahre lang, von 1969 bis 1998, gehörte der gebürtige Burger dem Bundestag an, war unter anderem Bezirksvorsitzender der CDU Mittelhessen; Vorsitzender des CDU-Kreisverbands Lahn-Dill und gehörte 1968 bis 1990 dem Kreistag an. Außerdem vertrat er die Bundesrepublik Deutschland in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates und war zugleich Vertreter in der Versammlung der Westeuropäischen Union. Nicht zuletzt wirkte er als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie in der CDU/CSU-Fraktion.
Vor elf Jahren war Schluss damit: Mit 65 Jahren habe er als seines Wissens einer der dienstältesten Abgeordneten bewusst einen Schnitt gemacht, orientiert am Renteneintrittsalter, das auch in seinem Beruf als Pädagoge gegolten hätte. Zuletzt war er als Oberstudienrat am Dillenburger Wilhelm-von-Oranien-Gymnasium tätig gewesen: "Ich glaube, dass ich das richtig gemacht habe", sagte er mit Überzeugung in der Stimme, "man muss mit Anstand aufhören können."
Auch das hat der einst politisch so rege Christdemokrat wieder mit einer Konsequenz getan, die angesichts der vielen Tätigkeiten und Ämter, die er im Laufe seiner politischen Karriere ausfüllte, kaum zu glauben ist. "Ich habe mich völlig aus der Politik verabschiedet", sagt er heute. Leichter gemacht habe ihm das 1998 der Umzug von Bonn nach Berlin, wo damals die Unterkünfte für die Abgeordneten erst teilweise fertiggestellt waren: "Und da hätte ich mich noch mal völlig neu einrichten müssen", erläutert Lenzer.
Mit vielen Bekannten und Freuden aus jenen Tagen pflegt er noch Kontakt. "Das war ja wie eine große Familie", verdeutlicht Lenzer.
Außerdem fährt Lenzer gern zu den regelmäßigen Treffen der ehemaligen Abgeordneten nach Berlin oder Bonn, "um in Erinnerungen zu schwelgen", wie er sagt. Zu denken gibt ihm, dass manche auf einmal fehlen, zu krank oder zu alt sind, um noch zu kommen: "Es ist keine Selbstverständlichkeit in meinem Alter, noch so fit zu sein", sagt er ernst. Neulich hat er in Berlin einen Parlamentsboten getroffen, den er noch aus Bonn kannte: "Ich bin der Letzte, Herr Lenzer", habe ihn der Mann begrüßt.
Auch Lenzer selbst hat schon einige gesundheitliche Schläge und Herz-OPs hinter sich, wie er sagt. Umso froher ist er, dass ihm sowohl das Wandern als auch das Tennisspielen keine Probleme bereiten.
Auch im Alter noch richtig fit
Der Zeit seines Lebens sportliche Lenzer, der als junger Erwachsener begeisterter Tischtennisspieler war - er spielte ein Jahr in der ersten französischen Division und zuvor in der Marburger Uni-Mannschaft - fährt noch selbst zu den Ehemaligen-Treffen, reist auch sonst gerne mit seiner Frau Edith. Villach, die Nord- und die Ostsee nennt er als bevorzugte Ziele. "Aber nicht mehr weiter als die Kanarischen Inseln", erklärt der Ex-Berufspolitiker, der Jahrzehnte lang verplant war bis zur letzten Minute. Er ist seiner Familie, seiner Frau dankbar, dass sie das alles mitgemacht haben bis hin zu Vereinsjubiläumsfeiern bis in den späten Abend, wo der Bundestagsabgeordnete sich blicken lassen musste.
Heute genießt er es, Herr seiner Zeit zu sein und empfiehlt jedem, sich auch mal den Luxus zu leisten, zwei Stunden nicht erreichbar zu sein: "Ich will nicht ein Sklave dieser Geräte sein", sagt er über sein Handy. Den Computer und das Internet hingegen hat er als "dolles Werkzeug" kennen- und schätzengelernt. Das allerdings hält ihn nicht davon ab, mehrere Zeitungen zu lesen und gerne auch Krimis. Mit dem weitläufigen Gartengrundstück hingegen hat er keinen Vertrag: "Den grünen Daumen hat meine Frau, meine Aufgabe besteht im Rasenmähen", gibt Lenzer offen zu. Außerdem ist der Politrentner nach eigenem Bekunden fürs Staubsaugen und das Straßekehren zuständig "Wir haben ein Eckgrundstück", zeigt er. Der Zustand der Straße gibt keinen Anlass zur Kritik: Lenzer liebt es, zu schwitzen, am liebsten allerdings in der Sauna oder auf dem Tennisplatz: "Da läuft einem die Brühe, und das Glas Bier danach schmeckt hervorragend!"






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