Gartenschlauch statt C-Rohr

Der ehemalige Stadtbrandinspektor Horst Kaiser liebt Haus und Garten

Noch heute hat er enge Verbindungen zu seinen früheren Feuerwehr-Kameraden. Seine Wurzeln liegen in Niedergirmes; in der Formerstraße. Dort war sein Vater Schornsteinfegermeister. "Ich hatte zwei Berufswünsche", sagt Horst Kaiser, "Förster oder Schornsteinfeger." Das mit der Försterei hat sich zerschlagen; auch aus wirtschaftlichen Überlegungen trat er in die elterliche Firma ein und legte 1956, übrigens an seinem Geburtstag am 11. Oktober, die Meisterprüfung ab. Auch in Sachen Feuerwehr war der Vater Vorbild. Der führte den damaligen Löschzug 3 in Niedergirmes. Da wurde auch Horst Mitglied; beruflich machte er sich 1965 als Bezirksschornsteinfeger in Hüttenberg selbstständig. Doch seine große Liebe galt dem Brandschutz - wenn man so will, eine dem Schornsteinfeger ähnliche Tätigkeit mit dem Ziel, Gefahren durch Feuer zu vermeiden und zu verhüten.

Kaiser: "Die Aufgaben der Feuerwehr haben sich inzwischen stark gewandelt. Früher ging es fast ausschließlich um die Brandbekämpfung, heute stehen technische Hilfeleistungen, zum Beispiel bei Autounfällen, im Vordergrund. Bei der Niedergirmeser Feuerwehr machte er Karriere, wenn man das so nennen will, denn der verantwortungsvolle Job war stets ein unbezahltes Ehrenamt. 1972 stieg Kaiser zum Stellvertreter des legendären Wetzlarer Stadtbrandinspektors Albert Bäuerle auf.

"Albert war echtes Feuerwehr-Urgestein; für ihn war keine Aufgabe zu schwierig", schwärmt Kaiser noch heute von seinem Vorgänger. Der gelernte Schornsteinfeger übernahm dann 1983 das Amt von Bäuerle und hatte es zehn Jahr inne.

1981 war die Zentrale der Wetzlarer Feuerwehr, die bis heute auf freiwilliger Basis mit acht hauptamtlichen städtischen Bediensteten und 230 freiwilligen Kräften arbeitet, vom Schillerplatz in die Ernst-Leitz-Straße verlegt worden.

Kaiser setzte sich immer für Aus- und Fortbildung der Feuerwehr ein

"Hier hatten wird endlich genug Raum und auch die technischen Möglichkeiten für eine optimale Aus- und Weiterbildung", schwärmt Kaiser, der Inhaber aller Ehrenbezeigungen der Wetzlarer Feuerwehr ist. Sein Nachfolger als Stadtbrandinspektor wurde Rüdiger Richter - der erste Hauptamtliche auf diesem Posten. Seit 2002 ist Erwin Strunk Chef der Wetzlarer Feuerwehr, in die auch die acht Stadtteilwehren integriert sind. Am 31. Dezember 1996 ging Kaiser als Bezirksschornsteinfegermeister im Bereich Niedergirmes in den Ruhestand; er hatte den Bezirk 1968 von seinem Vater, der für ihn noch heute als großes Vorbild gilt, übernommen.

Horst Kaiser hat keine Probleme mit dem Ruhestand - Langeweile ist für ihn ein Fremdwort. Er ist ein geselliger Typ und vielerorts gesellschaftlich engagiert. Neben der Betreuung von Haus und Garten, dem gepflegten Kochen ("Mein Lieblingsgericht ist Putenschnitzel mit Rosenkohl") und handwerklichen Tätigkeiten (Bohren, Sägen, Schneiden) widmet sich Kaiser ausgedehnten Fernreisen und der Pflege der Geselligkeit. Er hat zahlreiche Ehrentitel eingesammelt; nur den Landesehrenbrief hat er abgelehnt, weil den "fast jeder bekommt". Die zwei Töchter wohnen in München und Ludwigshafen; sie haben ihm vier Enkel beschert. Zum Nachwuchs hat er engen Kontakt. Besonders gern ist er in München. Dort ist dann immer der Besuch eines Bayern-Spiels angesagt.

Als Sportler war Kaiser in seiner Jugend im Handball bei der TSG Niedergirmes aktiv; heute ist er Dauerkarteninhaber bei der HSG Wetzlar: "Das ist ein faszinierendes Szenario in der Arena, Ich freue mich auf jedes Spiel."

Früher war der Tagesablauf des rüstigen Rentners geprägt von zwei Dingen: Feuerwehr und Schornstein. "Mein Terminkalender ist seit meinem Ruhestand nicht leerer geworden." Das liegt auch daran, dass der ehemals oberste Wetzlarer Brandschützer für sein Leben gern reist - und vor allem in die Ferne. Peking, Honkong die Arktis, Amerika in vielfältiger Form und die Karibik hat er schon abgehakt. Besonders gern bucht er Gran Canaria. Da war er schon rund 20 Mal. Eine Reise ist ihm jedoch in besonderer Erinnerung geblieben. Es war der 11. September 2001 - der Tag der Anschläge auf das World Trade Center. Horst Kaiser war an diesem Tag auf dem Weg nach New York. Der PanAm-Flug endete unprogrammgemäß auf dem Militärflugplatz von Gander im kanadischen Neufundland. Dort musste der Wetzlarer und mit ihm Tausende Passagiere aus rund 30 gestoppten Flugzeugen wegen der Anschläge vier Tage in Ungewissheit leben. "Das sind Momente, die man nie vergisst", sagt Kaiser, der nach wie vor des Lobes voll ist über die tolle Betreuung durch die Kanadier. In New York ist er damals aber nicht angekommen. Treffen mit Freunden stehen stets auf dem Programm. Sei es mit dem städtischen Seniorenrat, ehemaligen Feuerwehrkameraden oder Leuten aus dem Kirschenwäldchen ("Kirschkern") oder WKG - Langeweile kommt da nie auf. Und dann ruft wieder der Garten. Am liebsten aber lässt er sich alle zwei Wochen von seinen Skat-Kumpels rufen - von Dieter Franz, Hermann Eucker und Friedel Schäfer. Dann wird in der "Fischerhütte" gereizt und palavert. Hoffentlich noch viele Jahre lang, wünschen wir Horst Kaiser.

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Copyright © mittelhessen.de 2010
Dokument erstellt am 05.07.2010 um 10:40:15 Uhr
Letzte Änderung am 18.07.2012 um 14:56:50 Uhr
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