Bürger müssen Demokratie vorleben

Benjamin Hofmann
Benjamin Hofmann

Stell dir vor, es ist Wahl, und keiner geht hin. Einst Sinnspruch der Alternativbewegung, könnte diese Floskel zum Alptraum für die Gemeinde Lohra werden. Am 2. Oktober wählt Lohra seinen Bürgermeister. Einziger Kandidat: Amtsinhaber Georg Gaul (parteilos).
Dass andere Parteien keinen Gegenkandidaten aufgestellt haben – von den Gründen einmal völlig abgesehen –  ist ihr gutes Recht. Doch zerstört es den Urgedanken  der Demokratie. Frei übersetzt heißt Demokratie: Die Macht liegt beim Volk. Im Falle Lohra aber hat das Volk fast keine Wahl. Und das mag zurecht für Wahlverdrossenheit sorgen. Die Bürgermeisterwahl in Bad Endbach hat demonstriert, was das für die Wahlbeteiligung bedeuten kann: Nicht einmal ein Viertel der Wahlberechtigten ging zur Urne. Ein Alptraum für jeden Demokraten. Noch schlimmer wäre es, wenn aufgrund der geringen Mobilisierung in einem Wahlkampf, der keiner ist, mehr Wähler gegen als für Gaul votieren würden. Dann folgt eine Neuwahl. Die drückt auf den Geldbeutel einer ohnehin schon klammen Kommune.
Dabei beweist die politische Landschaft in Lohra durchaus Kampfeswillen. Als Beispiel sei hier nur die Debatte um die Vergabe der Stromkonzession genannt, die sich nun fast schon endlos hinzieht. Ihre Basisaufgabe, für politische Vielfalt, für Wahlmöglichkeiten in einer Demokratie zu sorgen, haben die einzelnen Parteien in Lohra dagegen nicht wahrgenommen. Das Argument, man sei mit Gauls Arbeit zufrieden, zieht hier nicht. Denn das Selbstverständnis einer politischen Partei sollte sein: Wir können es noch besser.
Nun sind die Bürger am Zug. Sie müssen den Parteien zeigen, dass sie Demokratie vorleben. Mit einem klaren Votum. Nicht Pro oder Contra Gaul. Sondern mit dem Gang zur Urne. In der Hoffnung, dass sie beim nächsten Urnengang wieder eine echte Wahl haben.


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