Fortuna vom Glück und der Politik verlassen?

Von Ralph Menz
Von Ralph Menz

Die Ehrenamtlichen des Fördervereins mit dem langjährigen Betriebsleiter des Bergwerks an der Seite haben plausibel dargelegt, wie selbst der neuen Sicherheitsphilosophie genüge getan werden kann - mit geringem Aufwand und wenig Geld.

Wohlgemerkt, es geht hier in der theoretischen Diskussion um den Fall, dass der ausbetonierte Förderschacht einstürzen würde und die Besucher nicht mehr auf diesem Weg nach oben kommen.

Der Kreis als Eigentümer hat sich noch nicht einmal die Mühe gemacht, Besucher des Grubengeländes, auf dem der Förderverein auch das Feld- und Grubebahnmuseum betreibt, deutlich auf das geschlossene Bergwerk hinzuweisen. Den Unmut der Angereisten bekommen die Ehrenamtlichen ab, die vor Ort freiwillig arbeiten. Nicht der Landrat.

Da klingen alle Beschwörungen über die Bedeutung des Tourismus entlang der Lahn wie hohle Phrasen.

Was braucht es einen Geopark Lahn-Westerwald-Taunus, wenn die Menschen das Bergwerk an seiner Pforte nicht besuchen und erleben können. Wenn sie nicht erfahren, wie einst das Eisenerz aus dem Berg gebrochen wurde, auf dessen Verarbeitung der industrielle Wohlstand der Region an Lahn und Dill gründet. Darf sich der Sozialdemokrat Schuster noch Arbeiterführer nennen, wenn er mit einem Denkmal der Arbeiterschaft so umgeht?

In vielen Dörfern der Region steht eine alte Erzlore am Ortseingang, gibt es noch alte Stollen, Arbeitsgeräte und Grubenlampen im Heimatmuseum oder gar das Bergbausymbol Hammer und Schlägel im Wappen. Der heutige Maschinenbau und die Metall verarbeitende Industrie sind einst aus der Verhüttung der heimischen Erze entstanden - Buderus ist da nur einer der klangvollsten Namen. Diese Industrie sorgte und sorgt noch heute für den Wohlstand der Region. Die Grube Fortuna ist somit ein einmaliges Industriedenkmal der Region und ihrer Menschen. Eines, das im Originalzustand erhalten ist, befahren und erlebt werden kann.

Wo Geld für den Erhalt feudaler Schlösser, Burgen und Herrenhäuser samt zusammengeklauter Sammlungen da ist, dort sind von der Politik mindestens kreative und pragmatische Vorschläge zu erwarten, wie ein in Westdeutschland einzigartiges Besucherbergwerk erhalten werden kann.

Doch die Politik versteckt sich hinter Gutachten, in denen erfahrungsgemäß teure und aufwändige Konzepte erarbeitet werden.

Mit der Schließung hat Landrat Schuster eine Abwärtsspirale für die Fortuna in Gang gesetzt, die es schnellstens aufzuhalten gilt. Ein geschlossenes Bergwerk nimmt keine Eintrittsgelder ein, verursacht aber dennoch Kosten, um es funktionsfähig zu halten und das Personal zu bezahlen. Somit dürfte es in Zukunft noch schwieriger werden, die vom Kreistag beschlossene Zuschussobergrenze von 300 000 Euro einzuhalten. Der Landrat produziert also die Argumente für eine endgültige Schließung derzeit selbst.

Doch das Glück ist für die Fortuna noch nicht verloren, wenn:

  • die Kreistagsabgeordneten, die den Wert des Besucherbergwerks ermessen, weiter Überzeugungsarbeit leisten

  • die SPD-Ortsvereine an Lahn und Dill ihrem Landrat sagen, wie wichtig ihnen die lebendige Erinnerung an die Anfänge einer großen Arbeiter- und Industriekultur im Kreis ist

  • die Metall verarbeitenden Unternehmen sich auf ihre Wurzeln besinnen und ein Arbeitgeberverband sich weiter aktive Bildungsarbeit auf die Fahnen schreibt

  • der Tourismusförderung der Stellenwert eingeräumt wird, der in Reden gerne beschworen wird

  • die berufsbildenden Schulen aus dem Metallbereich sich einbringen

  • alle, die an der Grube Fortuna Interesse haben, die wichtige Arbeit des Fördervereins unterstützen - etwa mit einer einfachen Mitgliedschaft

  • ein Landrat offen für gute Argumente ist.
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    Der 1. Mai wäre für einen Sozialdemokraten ein gutes Datum.

    Glück auf!



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