Wo waren die Wähler?

Stichwahl in Lahnau

Von Pascal Reeber

Aber: Deswegen bei der Bürgermeisterwahl in der eigenen Gemeinde daheim zu bleiben und die Hände in den Schoß zu legen, das ist nicht in Ordnung, liebe 55,2 Prozent Nichtwähler in Lahnau. Das ist eine ganz schwache Leistung.

Um es einmal in Zahlen zu fassen: Aktuell leben in Lahnau etwa 8230 Menschen. 1547 davon haben am Sonntag Silvia Wrenger-Knispel gewählt und zur künftigen Bürgermeisterin der Gemeinde gemacht. Beide Kandidaten hatten vor der Wahl betont, sich als Bürgermeister für alle Lahnauer zu verstehen. Doch kann man das, wenn das Wahlvolk ja offenbar kein Interesse daran hat?

Anzeige

Und so startet – ohne etwas dafür zu können – Lahnaus nächste Bürgermeisterin direkt mit einer Hypothek. Der nämlich, nur von einem Fünftel der Bevölkerung gewählt worden zu sein, und nur von einem Viertel der Wahlberechtigten.

Dass sie trotzdem die Bürgermeisterin aller Lahnauer ist, das kann Wrenger-Knispel vom 1. Juli an beweisen. Dadurch, dass sie sachliche Politik macht, erklärend und vermittelnd und immer darum bemüht, sich im Parlament für ihre Themen breite Mehrheiten zu suchen. Das wäre dann eine Politik, die den Wahlkampf fortsetzt: rational, geerdet und realistisch.

Wem das zu langweilig ist und gar als Grund dient, nicht zur Wahl zu gehen, der hat das Prinzip nicht verstanden: Demokratie bedeutet nicht den Anspruch des Wählers auf möglichst laute, harte Auseinandersetzung, sondern, eine Wahl zu haben. Wäre es anders, würde das ganze Land womöglich bald von kleinen Donald Trumps regiert. Wollen wir das?


Jetzt kostenlosen Probemonat sichern und unbegrenzt auf mittelhessen.de und in der News-App lesen!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Mehr zum Thema
Kommentare (0)
Mehr aus Standpunkte Wetzlar