Zum dritten Mal nach 2008 sollte das Rennen auf dem 7,75 Kilometer langen anspruchsvollen Kurs stattfinden. Wie Michael Kombächer vom RSV berichtete, war die Veranstaltung in diesem Jahr bundesweit ausgeschrieben, nachdem dort unter anderem bereits Hessenmeisterschaften der Senioren und Frauen stattgefunden hatten. Umso schlimmer sei es, dass der Wettkampf jetzt abgesagt werden müsse. Für den Verein gefährde der Ausfall die finanzielle Substanz, alle Risiken würden schließlich zu Lasten des RSV gehen.
Cheforganisator Hans Joachim Führer zeigte sich froh, dass mit der Zeitnehmerfirma ein Arrangement getroffen werden konnte, andernfalls hätte ein großes Minus gedroht. Aber er befürchtet einen großen Imageverlust, denn der RSV habe das Rennen zu einer Veranstaltung mit hohem Niveau in Mittelhessen ausbauen wollen. Der Verein habe dabei nicht nur Lizenzfahrer ansprechen sondern vor allem auch Jugendliche für den Sport begeistert wollen, so Führer. Der RSV habe mit 150 bis 200 Teilnehmern gerechnet, etwa 80 Anmeldungen hätten bereits vorgelegen.
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Eine Alternativstrecke mit Start und Ziel in Elnhausen sei daran gescheitert, dass die Polizei nicht genügend Beamte mit Motorrädern zur Verfügung stellen könne, so Kombächer. Deshalb stehe definitiv fest, dass der Verein ausgerechnet im Jahr seines 125-jährigen Bestehens kein Radrennen ausrichten wird.
Schockiert zeigte sich auch Marburgs Sportdezernent, Oberbürgermeister Egon Vaupel (SPD): "Das ist eine Katastrophe, ich bin konsterniert und traurig." Er habe von dem Umfang der Schäden und der Sperrung der Straße für Zweiräder auch erst am Montag erfahren. Da es sich aber um eine Kreisstraße handele, sei das Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) zuständig: "Wir können da überhaupt nichts machen".
Vor allem für den Radsportverein tue es ihm sehr leid, so der Oberbürgermeister. Die Arbeit, die dort geleistet werde, sei außergewöhnlich und das Rennen hätte dem Radsport in Marburg sicher einen großen Schub gegeben. Vaupel versprach, in Absprache mit dem Sportamt alles zu tun, um weiteren Schaden von dem Verein abzuwenden. Er werde in jedem Fall bei den überregionalen Verbänden um Verständnis bitten.
Nach Auskunft von Willi Kunze vom ASV ist das Budget der Landesbehörde für Reparaturen erschöpft. Für PKW sei die Verkehrssicherheit noch gegeben, deshalb habe das ASV die Strecke nur für Zweiräder gesperrt. Die Kosten für eine nötige neue Deckschicht bezifferte er auf 200 000 Euro. Er sei zuversichtlich, dass die Maßnahme im kommenden Jahr durchgeführt werde. "Und ich habe noch ein Fünkchen Hoffnung, dass wir in diesem Jahr noch zusätzliches Geld bewilligt bekommen". Für das Radrennen komme dies aber in jedem Fall zu spät.
In diesem Jahr keine Alternative
Im kommenden Jahr will der RSV das Rennen auf jeden Fall wieder ausrichten. Am liebsten natürlich auf der bekannten Strecke, aber für den Fall, dass das ASV die Schäden bis Juni 2011 nicht beseitigt hat, wollen die Veranstalter laut Führer bei Cyriaxweimar eine Alternativstrecke planen.
Kunze berichtete auf Nachfrage, dass die Strecke bei Elisabethbrunn die einzige Straße im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist, die wegen Straßenschäden für Zweiradfahrer gesperrt werden musste. Eine Alternative habe es dazu nicht gegeben, da aus Sicht des Amts für Straßen- und Verkehrswesen dort die Verkehrssicherheit nicht mehr gegeben ist. In solchen Fällen müsse das Amt einschreiten - auch wenn im fraglichen Bereich noch kein Unfall mit Zweirädern passiert sei: "Verkehrssicherheit ist für uns ein ganz hohes Gut!"
Was passieren könne, wenn in derartigen Fällen nicht gehandelt werde, habe sich vor Jahren im Bereich der Straßenverwaltung Dillenburg gezeigt. Dort sei ein Motorradfahrer trotz angepasster Fahrweise tödlich verunglückt, weil die Fahrbahn nicht mehr ausreichend griffig gewesen sei. Die Witwe des Verunglückten habe daraufhin Klage gegen die zuständigen Behörden eingereicht und Recht bekommen.
Kunze betonte, dass das ASV die Straße auch nicht eigenmächtig gesperrt habe. Die Maßnahme sei ausdrücklich mit der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde der Stadt Marburg abgestimmt gewesen.







Kommentare (1)




ASV gibt noch nicht einmal eine Zusage für 2011
Keine 4 Wochen vor dem Renntermin wird der Verein von der öffentlichen Hand im Stich gelassen! Aufgrund der Vorgeschichte halte ich dies für einen Skandal: Ich bin nicht nur Radsportler, sondern auch Mitglied des Ortsbeirates Schröck. Schon vor zweieinhalb Monaten haben wir auf den katastrophalen Strassenzustand hingewiesen. Wir erhielten keine Antwort, nur Schilder wurden aufgestellt, die die Straße erst für Motorräder und später für Fahrräder sperrten. Umweltbewusste Schröcker (von denen es einige gibt!) dürfen nicht mehr mit dem Rad zur Arbeit fahren oder müssten weite Umwege in Kauf nehmen.
Jetzt wurde das Rennen sehr kurzfristig abgesagt. Das tolle Engagement des RSV Marburg wird unterlaufen! Bereits gezahlte Startgelder müssen zurück überwiesen werden.
Der FSV Schröck hatte auf Wunsch des RSV Marburg geplant, öffentlich das erste Fußball-WM-Spiel Deutschlands zu zeigen, damit die bundesweit angereisten Sportler nach dem Rennen Fußball schauen hätten können. Eine schöne, sportartübergreifende Kooperation zweier Vereine fällt somit ebenfalls aus. Auswärtige Radsportler müssen 4 Wochen vor dem Tag X gebuchte Unterkünfte stornieren. Dem Verein entstehen hohe Kosten für nichts. Der Begriff "Schildbürgerstreich" ist für dieses Szenario weit untertrieben!
In 2010 wird die Straße nicht repariert, dass steht bereits fest! Der Gipfel der Zumutung ist meines Erachtens aber, dass das ASV noch nicht einmal für 2011 eine Zusage für die Straßenreparatur geben kann, so dass derzeit völlig unklar ist, ob das Rennen wenigstens in 2011 wieder in Schröck stattfinden kann!