Dieser Zeitung liegen mehrere Seiten aus Protokollen des Jugendamtes vor. Darin geht es um familientherapeuthische Gespräche im Rahmen der Erziehungshilfe.
Auf einem Blatt sind Name und Anschrift eines Vaters aus dem Kreisgebiet sowie der Sorgerechtsstatus der Elternteile zu lesen.
Ferner geht daraus hervor, dass es Probleme mit dem Sohn der Familie gibt, er seine Eltern und Großeltern schlägt. Erwogen wird, das Kind stationär in der Kinder- und Jugendpsychiatrie unterzubringen. Der Vater ist dagegen. Weitere, teils sehr persönliche Angaben sind zu lesen. Ebenso, was das Jugendamt als Hilfe für die Familie vorschlägt oder wie es die einzelnen Familienmitglieder von "verhaltensauffällig" bis "emotional belastet" einstuft.
Die Papiere wurden nach Darstellung einer betroffenen Familie im Kreis-Jugendamt in Wetzlar dem Kind während eines Gesprächstermins mit einem Elternteil gegeben, damit es auf der Rückseite malen konnte. Der kleine Künstler hat anschließend seine Werke mit nach Hause genommen.
Eltern und Großeltern des Jungen waren entsetzt, als sie zufällig den Inhalt der Rückseite entdecken. "Wir müssen ja im schlimmsten Fall davon ausgehen, dass mit unseren Daten und Informationen ebenso umgegangen wird", sagt eine Betroffene. Auch habe man schon Kontakt mit dem in den Unterlagen genanten Vater aufgenommen. Er wolle sich die Protokolle mit intimen Details zu seinem Familienleben jetzt abholen.
Sorgsam mit Daten umgehen
"Erschreckend" nannte den Vorgang Daniel Rektorschek, Mitarbeiter beim Hessischen Datenschutzbeauftragten im Referat Sozialwesen in Wiesbaden. "Das macht mich sprachlos. Behörden haben für eine datenschutzgerechte Entsorgung zu sorgen. Wenn sie dies nicht selbst übernehmen, so müssen sie eine zertifizierte Firma beauftragen. Nicht mehr benötigte Unterlagen als Mal- und Schmierpapier zu nehmen, ist indiskutabel", sagte der Datenschutzexperte. Betroffene hätten zudem einen Anspruch auf Wahrung des Sozialgeheimnisses durch die Behörde.
Amtsleiter Andreas Kreuter bestätigte, dass die dieser Zeitung vorliegenden Dokumente aus der Abteilung "Kinder- und Jugendhilfe" des Kreises stammen. "Ich bin selbst entsetzt. Das ist nicht entschuldbar."
Roland Wegricht sagte als verantwortlicher Dezernent: "Wir haben sofort nach Bekanntwerden nach einer möglichen Lücke in den Abläufen gesucht und mit allen Mitarbeitern gesprochen. Grundsätzlich ist der Umgang mit den Dokumenten so organisiert, dass von Protokollen aus Erziehungshilfe-Konferenzen keine Kopien gefertigt werden."
Wegricht sagte, es könne sich hier nur um einen Einzelfall handeln - "eine im einzelnen menschlichen Fehlverhalten liegende Lücke".
Wegricht: "Wir bitten bei den Betroffenen um Entschuldigung und werden alles unternehmen, um dies in Zukunft auszuschließen. Das wiederholt sich nicht."
Der betroffene Vater, dessen Unterlagen dem Amt abhanden kamen, will sich rechtliche Schritte gegen den Kreis vorbehalten.







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