Das Hochgeschwindigkeits-Internet mit Glasfaserkabel geht weit über die derzeitige Grundversorgung mit DSL (beispielsweise 16 000 Kilobit pro Sekunde) hinaus. Es gilt als künftiger Standard. Und vor allem als Standortfaktor für Wirtschaftsunternehmen.
Die 23 Städte und Gemeinden im Kreis würden damit in Selbsthilfe ihre Infrastruktur verbessern. Auf die Initiative der eigentlichen Netzbetreiber wie Telekom und Vodafone mögen der Mittenaarer Bürgermeister Hermann Steubing (SPD) und seine Kollegen nicht mehr warten. Steubing, Sprecher der Bürgermeister im Kreis, sagt: Die Netzbetreiber seien zwar eigentlich zuständig für den Ausbau des schnellen Internets und das Verlegen von Glasfaserkabel, sie verdienten damit Geld. Allerdings ließen sie ländliche Regionen wie den Lahn-Dill-Kreis links liegen. Steubing: "Das kann es nicht sein. Dann müssen wir das Netz selbst ausbauen."
In einem ersten Schritt hat eine Arbeitsgruppe, die Lahn-Dill-Breitband-Initiative, den Bedarf und die Kosten ermitteln lassen. Ein Fachbüro schätze die Kosten für die komplette Vernetzung aller Orte im Lahn-Dill-Kreis mit Glasfaserkabel auf 50 Millionen Euro, berichtete Steubing. Ein Beispiel: Bloß der Anschluss des Mittenaarer Ortsteils Bicken an das Glasfasernetz koste 190 000 Euro.
Der Arbeitsgruppe gehören an: Landrat Wolfgang Schuster (SPD), Vize-Landrat Wolfgang Hofmann (FWG), der Sprecher der Bürgermeister, Hermann Steubing (SPD), der stellvertretende Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill, Burghard Löwe, sowie der beim Kreis für das Thema zuständige Mitarbeiter Manfred Orth.
Beim Ausbau der Kreisstraße zwischen Hirzenhain/Bahnhof und Tringenstein hat der Kreis bereits Leerrohre verlegen lassen. Dort können später Glasfaserkabel durchgezogen werden.
Der zweite und nächste Schritt: Ein Konzept, ein Geschäftsmodell und ein Zeitplan für den Ausbau des Hochgeschwindigkeits-Internets sollen her. Für das Konzept sind laut Steubing 60 000 Euro fällig. Die eine Hälfte sollen die Städte und Gemeinden im Kreis zahlen, die andere Hälfte will das Land Hessen fördern. Das hessische Wirtschaftsministerium habe die Initiative bereits als "ausgesprochen Ziel führend" gelobt.
Steht das Glasfasernetz, sollen Telekom und Co. für die Nutzung zahlen
Außerdem sollen sich sämtliche Lahn-Dill-Kommunen mit einer Kooperationsvereinbarung zusammenschließen, eine Art Vorab-Gesellschaft gründen. Das steht derzeit an.
Die Frage, mit der sich die 23 Städte und Gemeinden dann befassen müssen: Wie sollen sie die 50 Millionen Euro schultern? Die Antwort von Bürgermeister-Sprecher Hermann Steubing: "Wenn wir die Netze selbst ausbauen, müssen wir irgendwann auch die 50 Millionen Euro selbst in die Hand nehmen."
Der dritte Schritt: Die Lahn-Dill-Kommunen müssten eine Träger-Gesellschaft für den Internet-Ausbau gründen und das Geld mit Hilfe einer Landesbürgschaft aufnehmen. Das müsse aber noch in den jeweiligen Stadt- und Gemeindeparlamenten beraten und beschlossen werden.
Stehe das Glasfasernetz soll es refinanziert werden: Die Netzbetreiber wie Telekom und Vodafone, die es dann mit ihren Internet-Angeboten nutzen wollen, müssten an die Träger-Gesellschaft zahlen. Steubing spricht von einem "selbsttragenden Projekt", die Kommunen streckten das Geld bloß vor. Für die Refinanzierung der 50 Millionen Euro rechnet er mit einem Zeitraum von 15 bis 20 Jahren.
Der vierte Schritt in dem Plan: der Ausbau, also das Verlegen des Glasfaserkabels.













