Für jeden war etwas dabei. Allerdings mit der Konsequenz, dass auch nicht alles bei allen gleich gut ankam. Uneingeschränkte Ausnahme: Peter Wenzel. Im köllschen Dialekt, als trinkfester Stammtischbruder Pit ("wo früher eine Leber war, ist heute eine Minibar"), sorgte er für Schenkelklopfer und Lachsalven. Etwa wenn er die Promis, die zum Hessentag in Wetzlar erwartet werden, durch den Kakao zog. Da kam "Maos Enkel" - Philipp Rösler - ebenso vor wie "Kanzlerette" Angela Merkel, die wegen eines Stromausfalls im Forum zwei Stunden auf der Rolltreppe wartete.
Für dieses Juwel von Büttenrede, in der die große weite Welt und lokales Geschehen ergötzlich verwoben waren, gab es standing ovations und eine Rakete.
Zum Auftakt der von Christoph Schäfer geleiteten und von der Band "Party Xpress" begleiteten Sitzung erinnerten im Zwiegespräch Präsident Thomas Heyer und eine WKG-Legende, Alterspräsidet Kurt Wagner als Zeitzeuge, an die Gründung der Wetzlarer Karnevalsgesellschaft.
Dann ging der Vorhang auf, Elferrat, Vorstand, Prinzengarde und das Kinderprinzenpaar Tim I. und Luisa I. enterten die Bühne. Die Gäste wurden begrüßt, darunter Bundestagsabgeordnete Sibylle Pfeiffer und Landtagsabgeordneter Hans-Jürgen Irmer, Bürgermeister Manfred Wagner und Dezernent Wolfgang Borchers - ebenso Oberbürgermeister Wolfram Dette. Sie alle hatten etwas gemeinsam - sie mussten im Laufe des Abends für so manchen karnevalistischen Gag herhalten.
Eisbrecher nennt man den, der zum Auftakt in die Bütt steigt. Diese Aufgabe erledigte Protokoller Martin Eberl mit Bravour. Angesichts der Wulff-Affäre schlug er vor, den Bundespräsidenten-Posten einzusparen. Die Ehrungen könnte das Wetzlarer Prinzenpaar erledigen. Und Guttenberg sollte auf Nimmerwiedersehen als Selbstverteidigungsminister in Neufundland verschwinden.
Neun ehemalige Tollitäten standen dann vor den Mikrofon und versprachen singend à la Udo Jürgens: "Mit 60 Faschingsjahren ist noch lange nicht Schluss."
Zum großen Gardetanz, wie gewohnt eine Augenweide, wirbelten Kadetten, Konfettis und Prinzengarde vom WKG-Tanzsportverein über die Bühne. Der Lohn: eine donnernde Rakete des Publikums.
Angekündigt als Hessens älteste Boygroup überzeugten die "Bembelsänger" mit ihrem A-capella-Gesang und ihren humorigen Texten. Kostprobe: Meine dritten Zähne sind wie ein neues Leben ...
Wetzlarer Optikparcours ins Dunkelkaufhaus und Hessentag mit "Maos Enkel"
Dann wurde es festlich: Alle erhoben sich, das Prinzenpaar, Hermann III. und Bettina I., begleitet von Hofstaat, Hofmarschall und Garde, marschierte in den Saal - und alle sangen "Ein bisschen Spass muss sein".
Gemäß des beliebten Metzgerspruchs "Darfs ein bisschen mehr sein" ging es weiter. Die "Bousseldande" und damit Mundart-Klamauk waren angesagt. Die Komiker bewiesen zum Vergnügen der Narrenschar off platt, wie vertrackt eine Menü-Auswahl für eine Hochzeit sein kann.
Lokalkolorit pur steckt bekanntermaßen in Vorträgen von Kay Velte. Diesmal analysierte der Leiter des Stadtbetriebsamts als "Seelenklempner" die Befindlichkeiten der neuen Koalition und damit auch der neuen Opposition, der Stadt im Allgemeinen und der Verwaltung im Besonderen. Beifall gab es unter anderem für den Vorschlag, den Optikparcours ab- und im Dunkelkaufhaus von Professor Erbach wieder aufzubauen - da fällt es nicht auf, wenn mal ein Gerät nicht funktioniert. Aber auch für die Turbulenzen bei Eintracht Wetzlar und für das neue HSG-Maskottchen, dem blauen Biber, verabreichte der Seelenklempner die passende Humor-Dosis.
Mittlerweile, kein Scherz, war es Mitternacht, Ermüdungserscheinungen bei dem einen oder anderen Besucher ließen sich nicht mehr übersehen. Das Programm blieb dennoch auf hohem Qualitätslevel. Das galt für den Bauchtanz der "Orientalen" ebenso wie für die Bauchrednershow von Egbert Brede. Er ließ per Druck aufs Handgelenk sowohl Ex-Prinz Andreas Groß als auch Oberbürgermeister Gattin Gundi sprechen - eine wahre Gaudi. Die Schlager, super interpretiert von Ellen Koch, der Auftritt von Harald Seipp und Karl-Heinz Rieder als penible Finanzbeamte des mittleren Dienstes und der Showtanz der TSV-Tanzgarde komplettierten ein abwechslungsreiches Jubiläums-Programm. Zum Finale spendierten die WKG-Verantwortlichen sich und dem Publikum, quasi kurz vor dem Frühstück, noch ein letztes Highlight - Guggemusik der "Kinziggeister". In fantastischen Masken und Kostümen rissen sie mit ihrer Musikshow die Gäste noch einmal von den Sitzen.












