Keine zwei Wochen sind vergangen, seit die etwa 730 Mitarbeiter und der Betriebsrat um den Fortbestand des Werks und ihre Jobs bangten. Der finnische Konzern Outokumpu hatte Ende Januar ThyssenKrupp die Edelstahlsparte, die schon länger Verluste einfuhr, abgekauft - und damit auch das Dillenburger Stahlwerk, größter Arbeitgeber der Stadt. In einem Tarifvertrag bekamen die Dillenburger eine Standort- und Job-Garantie bis Ende 2015 zugesichert.
Jetzt folgt eine millionenschwere Investition in das neue Dressiergerüst, fertig geworden nach 14 Monaten Bauzeit. 2500 Kubikmeter Erde mussten während der laufenden Produktion ausgeschachtet werden, um den Keller für Hydraulik und Technik zu schaffen.
Dass diese Investition kommt, stand lange vor der Übernahme durch die Finnen fest. Die neue Anlage ersetzt das Vorgängermodell von 1962, der Ersatz sei schon im Juni 2010 beschlossen worden, berichtet Betriebsleiter Heinz Röther. "Für den Standort Dillenburg ist sie lebensnotwendig."
Das neue Dressiergerüst ist dazu da, um die aus dem Warmwalzwerk in Bochum angelieferten Coils, so heißen die riesigen, aufgerollten Edelstahlblechbahnen, kalt für die Weiterverarbeitung zu walzen. 2,8 Kilometer aufgerolltes Edelstahl-Band könne das neue Dressiergerüst in 28 Minuten abrollen, walzen und wieder aufrollen, erklärt Röther.
Blechbahnen, die etwa mit drei Millimetern Stärke angeliefert werden, können hier zu bis zu 0,2 Millimeter "platt gewalzt" werden - je nachdem, was Kunden benötigen. Aus den in Dillenburg bearbeiteten Coils werden später Rohrleitungen, Teile für Waschmaschinen oder Kücheneinrichtungen, Verkleidungen für Gebäude und Räume.
Die neue Anlage ist schneller als die alte: sie befördert Edelstahlband mit 30 Tonnen Zugmoment statt bisher nur 12 Tonnen. Zwei Mitarbeiter reichen, um sie an Schaltpulten und Monitoren zu bedienen. Die tonnenschweren Coils werden automatisch in die Anlage platziert. Bei dem alten Modell hätten die Arbeiter schon mal mit dem Stemmeisen nachhelfen müssen, sagt Röther.
Technik-Vorstand Albrecht-Früh: "Zuversichtlich, dass der Standort Zukunft hat"
Noch läuft das alte Dressiergerüst. Erst ab dem 17. Mai wird das neue komplett an die Produktionslinien angeschlossen. Derzeit ist es noch im Probebetrieb.
Inoxum-Technik-Vorstand Dr. Ulrich Albrecht-Früh wertete die neue Anlage als gutes Zeichen für das Stahlwerk in Dillenburg. Er sei zuversichtlich, dass der Standort Dillenburg Zukunft hat, ein Ausbau sei möglich. Es habe viele Spekulationen über den neuen Verbund mit Outokumpu gegeben, aber Dillenburg entspreche mit Kundenkontakt und Qualität "genau der Strategie des Unternehmens." Auch die Vize-Betriebsrätin des Stahlwerks, Iris Duschek, begrüßte die Investition, mahnte aber auch: "Wir müssen uns neuen Herausforderungen stellen."
Dillenburgs Bürgermeister Michael Lotz (CDU) erklärte, er habe vor dem Verkauf an Outokumpu mit dem Gefühl der Ohnmacht mit der Belegschaft gehofft. Dass nun im Stahlwerk wieder investiert werde, sei für ihn ein gutes Zeichen.












