Mit deutlich mehr als 99 Prozent Zustimmung beschlossen rund 400 Aktionäre zum Abschluss der gestrigen Hauptversammlung in der Wetzlarer Stadthalle die Ausschüttung von 31,1 Millionen Euro und damit gut 75 Prozent des Pfeiffer-Konzerngewinns 2011. Die versammelten Aktionäre vertraten gut 47 Prozent des Grundkapitals - eine mehr als ordentliche Präsenz.
Wer auf spektakuläre Wortgefechte zwischen Anteilseignern und Vorstand spekuliert, ist bei dem Vakuum-Spezialisten aus Aßlar im TecDax-Handel von jeher an der falschen Adresse. Im Gegensatz zu vielen Börsen-Unternehmen verlaufen die Hauptversammlungen - immerhin wichtigstes Organ der Gesellschaft - stets extrem harmonisch. So wurden unter Führung von Aufsichtsratschef Michael Oltmanns auch Vorstand und Aufsichtsrat mit überwältigenden Mehrheiten entlastet.
Harmonie gilt natürlich nur so lange, wie der Erfolg stimmt. Doch dass sich daran künftig durch den Großeinkauf Adixen und dessen Abhängigkeit vom extrem zyklischen Halbleiter-Markt etwas ändern könnte, traute sich gestern kaum jemand auch nur dezent zu argwöhnen. Im Gegenteil. Kleinaktionäre wie Verbandsvertreter waren überwiegend voll des Lobes für die innerhalb eines Jahres geleistete zügige und geräuschlose Integrationsarbeit mit den Franzosen.
Für Vorstandschef Manfred Bender war "2011 ein Jahr, in dem sich Pfeiffer Vacuum so sehr verändert hat wie nie zuvor - sieht man einmal vom Börsengang 1996 ab". Mit dem Kauf des großen französischen Wettbewerbers wurden aus 920 Mitarbeitern 2300 und Asien löste Europa als Pfeiffer-Markt Nummer eins ab.
"Wir sind nicht mehr der kleine, aber feine mittelhessische Spezialanbieter"
Pfeiffer ist internationaler geworden, hat eine Produktion in Fernost, die Globalisierung gewinnt spürbar an Bedeutung, erklärte Bender: "Wir sind nicht mehr der kleine, aber feine mittelhessische Spezialanbieter. Wir sind zu einer nennenswerten Größe herangewachsen." Die Verschmelzung mit Adixen sei "weitestgehend abgeschlossen". Das sei in so kurzer Zeit "nicht üblich". Und Pfeiffer ist schon wieder flüssig. Ohne Nettoneuverschuldung und mit 108,3 Millionen Euro in der Kasse startet das Unternehmen in Jahr zwei nach der Übernahme.
Doch Größe ist nicht alles. Noch viel wichtiger ist den Aktionären, dass die Geschäfte stimmen. Und das tun sie. Der Umsatz des neuen Konzerns hat sich innerhalb des vergangenen Jahres von 220,5 auf 519,5 Millionen Euro mehr als verdoppelt - trotz deutlicher Abkühlung in der Halbleiterindustrie zur Jahresmitte und der fast zum Erliegen gekommenen Solarindustrie. Die Halbleitersparte - maßgeblich aus dem Hause Adixen - hatte mit 175,4 Millionen Euro den größten Anteil am Unternehmenserfolg. Dahinter folgten mit 117,5 Millionen das Industriesegment, mit 90,2 Millionen die Beschichtung und mit 81,3 Millionen der noch 2010 stärkste Pfeiffer-Bereich Analytik. In Forschung und Entwicklung verbeserte sich das Ergebnis auf 55,1 Millionen Euro.
Als Aufgabe für das laufende Jahr gab der Vorstandschef "Feinarbeiten" an der Adixen-Integration aus. Nicht ganz zufrieden ist er bislang mit der Ertragskraft. In der Vergangenheit erreichte die EBIT-Marge bei Pfeiffer immer wieder Werte von 20 Prozent. 2011 waren es mit Adixen und 61,8 Millionmen Euro "nur" noch 11,9 Prozent. In der Produktion in Frankreich ließe sich noch etwas mehr Effizienz "herauskitzeln", sagte Bender und gab für das Jahr 2014 das erneute Margen-Ziel 14 Prozent aus.
Nach "gemischten Signalen" aus dem Halbleitermarkt und fehlenden Anzeichen für eine Erholung der Halbleiterindustrie rechnet der Vorstand für das Gesamtjahr 2012 mit einer Umsatzspanne zwischen 470 und 500 Millionen Euro. Der Auftragszuwachs auf 136 Millionen Euro im ersten Quartal beflügelt die Optimisten.
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