Amtsgericht stellt Arbeit der Justiz vor

Waffe im Schminktäschchen
Justizwachtmeister Lothar ... | Foto: Freudenmann

"Mit diesem Tag der offenen Tür betreten wir zwar absolutes Neuland, aber Staatsanwaltschaft und Amtsgericht haben ein informatives Programm zusammengestellt". Mit diesen Worten begrüßte Oberstaatsanwalt Uwe Braun zusammen mit Achim Lauber-Nöll, Direktor des Amtsgerichts, die Gäste.

Juristen stellen ihre Arbeit vor

Wenige Minuten später schlüpft Braun in die Rolle des Verteidigers - für eine etwas andere Verhandlung, in der die Zuhörer im rappelvollen Gerichtssaal Fragen stellen können, in der die Akteure ihre Schritte erklären. Wirkt es sich negativ aus, wenn die Ehefrau vor Gericht nichts zum Vorwurf gegen ihren angeklagten Ehemann sagen will? Kennen die Schöffen eigentlich die Akte? Darf ein Richter ein Schlussplädoyer unterbrechen, wenn es ihm zu lange dauert? Diese und andere Fragen wurden bei der fiktiven Verhandlung geklärt.

Währenddessen zeigt Justizwachtmeister Lothar Künkel die Sicherheitsmaßnahmen im Gerichtsgebäude. "Das fängt schon am Eingang mit dem Metallsuchrahmen an". Der Suchrahmen ist unentbehrlich. Das habe zuletzt der Fall in Dachau im Januar gezeigt. Ein Angeklagter hatte dort einen Staatsanwalt erschossen.

Auch an diesem Morgen haben Künkel und seine Kollegen in Wetzlar zahlreiche Taschenmesser bei der Kontrolle der Gäste sichergestellt. Doch Wachtmeister finden oft noch mehr: Künkel berichtet von deutschlandweiten Erfahrungen der Kollegen, von zu Schusswaffen umgebauten Gürtelschnallen und Feuerzeugen - und von Stichwaffen im Schminktäschchen. Auch zeigt er die Zellen, in denen Angeklagte, die von der Justizvollzuganstalt ins Amtsgericht gebracht werden, auf ihre Verhandlung warten.

Zwei Stockwerke drüber macht Amtsgerichtsdirektor Lauber-Nöll gerade einen Reaktionstest bei der Verkehrswacht. Vorsitzender Klaus Ruppelt stellt die Schülerlotsenausbildung vor, seine Kollegen führen Sehtests bei den Besuchern durch. Nebenan präsentiert sich der Weiße Ring. "Wir besuchen die Opfer zuhause, wir begleiten sie zu Behörden, beraten auch am Telefon", erklärt Ingbert Koppe am Info-Stand. "Opfer einer Straftat - und was dann?" - diesem Thema widmet sich auch die Gießener Opferhilfe.

Wachtmeister finden zu Schusswaffen umgebaute Gürtelschnallen

Beim Tag der offenen Tür gibt's Informationen aus erster Hand: So spricht Matthias Bernhardt, Geschäftsleiter des Amtsgerichts, mit den Besuchern über Justizberufe - vom Wachtmeister bis zum Rechtspfleger. In Raum 104 geht es um die Arbeit der erhrenamtlichen Schiedsleute - die Streitigkeiten außergerichtlich erfolgreich lösen - und Ortsgerichte. "Wir beglaubigen Unterschriften oder Abschriften, wir schätzen den Wert von Grundstücken. Das wissen viele Leute nicht", sagt Ortsgerichtsvorsteher Ulrich Brück. Das Angebot wird zudem von Vorträgen zu Patientenverfügungen, Erbe, Schulden und eingetragenen Vereinen abgerundet.

Ein Video zum Thema sehen Sie im Laufe des Abends.

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Dokument erstellt am 28.09.2012 um 16:12:00 Uhr
Letzte Änderung am 28.09.2012 um 19:36:35 Uhr
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