Deutschland feiert und hupt

Wetzlar jubelt beim 4:1-Sieg Deutschlands gegen England.
Wetzlar jubelt beim 4:1-Sieg Deutschlands gegen England.

Nur Minuten nach dem 4:1-Triumph starteten im ganzen Land die Motoren für die Siegesfahrten im Autokorso. Zum größten Fanfest in Deutschland kamen rund 350 000 Fans auf die Straße des 17. Juni. Nach dem Spiel nahm der Jubel kein Ende: Der Berliner Kurfürstendamm, die Leopoldstraße in München - volle Fußgängerzonen mit Tausenden von ausgelassen feiernden und tanzenden Menschen. Großes Kino, Konfetti-Regen und krachende Böller auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg mit 60 000 Fans. Die Stimmung blieb weitgehend friedlich. "Alles freundlich, alle freuen sich", sagte in Berlin ein Polizeisprecher.

Fußball weltweit: Auch die Bundeswehr-Soldaten im nordafghanischen Kundus konnten zumindest zeitweise das Match miterleben. Im Feldlager wurden die WM-Spiele im "Lummerland" - der zentralen Betreuungseinrichtung - live via Satellit und Bundeswehr-TV auf eine Großleinwand übertragen. Jedoch ging die politische und militärische Verantwortung vor. "Es ist sicher angenehm, dass wir die WM hier sehen können", sagte ein Hauptmann der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. "Aber heute waren ungefähr acht Sachen wichtiger als die WM", sagte er weiter. Bundeswehrsprecher Paul-Georg Weber sagte in Kundus: "Die Mission steht im Mittelpunkt."

In Deutschland musste niemand den Sommerausflug auf die Fanmeilen bei Temperaturen um die 30 Grad auch nur eine Minute bereuen. Wildfremde Menschen lagen sich jubelnd in den Armen, als Klose (20.) und Podolski (32.) zuschlugen. Erstmals nachdenkliche Gesichter, als Upson (37.) zum 1:2 traf. Erster echter Schock, als der Ball kurz darauf klar hinter der Linie des deutschen Tores aufschlug, Torhüter Neuer aber reaktionsschnell einfach weitermachte und die Pfeife des Schiedsrichters tatsächlich stumm blieb. Überall schlugen sich die Menschen zuerst erschrocken und dann freudig erregt die Hände vors Gesicht.

Viele dachten an das WM-Finale von 1966 zwischen beiden Fußballnationen. Mit dem Segen der Kirche: "Es war ein aufregendes Spiel - nicht nur wegen des Wembley-Tores", äußerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch.

An das Drama von damals erinnerten sich blitzschnell auch die tapferen britischen Fans. Gemäß der Tradition bei Spielen der "Three Lions" standen sie auf den Fan-Meilen, auch in Berliner Pubs wie dem "Belushi" und im Oscar Wilde Pub in der Friedrichstraße genau in der 66. Minute auf und sangen die inoffizielle Hymne "Rule Britannia". Und - welche Inszenierung - nur eine Minute später, als alle wieder saßen, schockte Müller die Engländer mit dem gnadenlosen 3:1 und ganz kurz danach per Doppelschlag noch einmal zum Endergebnis. Auf der Berliner Meile sangen sie "Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen" und die alte Fußball-Häme "Ihr könnt nach Hause fahrn, nach Hause fahrn...".

Für das Fußballfest war alles früh angerichtet worden: Aus Sorge, in die prallvollen Fanmeilen und - partys nicht mehr eingelassen zu werden, begann eine wahre Völkerwanderung gut drei Stunden vor dem Anpfiff. Mitten im Grünen im Berliner Tiergarten nahmen die ersten Fans schon um 12.00 Uhr mit Öffnung die besten Plätze vor den acht Großleinwänden ein.

Auch die hessischen Fußballfans füllten lange vor Spielbeginn die Public-Viewing-Arenen in Frankfurt, Wiesbaden und Gießen. Die Meilen und Partys überall im Land von Hamburg bis München boten ein farbiges Bild. Viel Betrieb von immer mehr Fans auch in der Veltins-Arena in Gelsenkirchen, der Esprit-Arena in Düsseldorf und auf dem Dortmunder Friedensplatz.

Tausende Menschen hatten in München schon Stunden vor dem Anpfiff auf den Einlass ins Olympiastadion gewartet. Zum größten Public Viewing in der bayerischen Landeshauptstadt wurden zehntausende Fans erwartet. Die bisherige Kapazität von 35 000 Zuschauern haben die Veranstalter auf 60 000 aufgestockt. In der Münchner Innenstadt kamen auf die Feiermeile Leopoldstraße in Schwabing gut 50 000 Zuschauer. Die bayerischen Fans skandierten "Deutschland, Deutschland" und riefen "England is going home".

Homepage FIFA-Fanfest Berlin


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