Die Präsidentin des Volkes

Margot Käßmann wird beim Hessentag in ihrer Heimat gefeiert

Am Mittwoch der Auftritt beim Hessentag in Stadtallendorf. Tag der hessischen Landfrauen im Festzelt, die Verbandsvorsitzende kündigt an: "In diesem Jahr ist es uns gelungen, Frau Dr. Käßmann . . ." Weiter kommt sie nicht. Applaus stoppt die Ansage. Käßmann ist umringt von Fotografen und Fernsehkameras, erfüllt permanent Autogrammwünsche.

Dann spricht sie über christliche Werte, macht diese an den Zehn Geboten fest. Nichts Neues, die Theologin hat so eine Rede auch schon vor vier Jahren gehalten. Aber die Besucher schauen gebannt zur Bühne, kleben an ihren Worten. Zum Beispiel: "Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten." Käßmann münzt es auf die Politik, empfiehlt die Beachtung des achten Gebots in Wahlkampfzeiten. Die Zuschauer klatschen.

"Ich befürchte, dass das Herz unserer Gesellschaft am Geld hängt"

Sie spricht von Gerechtigkeit, die immer daran gemessen werde, wie es den Schwächsten in der Gesellschaft geht. Und sie sagt: "Man muss Menschen am Rand der Gesellschaft deutlich machen, dass sie einen Wert haben."

Sie hebt die Bedeutung der Familien hervor: "Familien sind der erste Ort, an dem Werte weiter gegeben werden. Wir brauchen starke Familien für starke Kinder - um Werte zu vermitteln." Die Frage sei aber: Sind wir eine Gesellschaft, die Lust auf Kinder hat?

Sie erinnert an Martin Luther, er habe gesagt: Frage dich, woran dein Herz hängt, dann weißt du, wer dein Gott ist. Käßmann: "Ich befürchte, dass das Herz unserer Gesellschaft am Geld hängt, am schnöden Mammon." Sie sagt, man könne noch so ein tolles Haus bauen und Auto fahren - "aber dann haben wir immer noch keinen Lebenssinn".

Vor Käßmann hat die hessische Noch-Landwirtschaftsministerin Silke Lautenschläger (CDU) geredet, sie hat sich verabschiedet, am 31. August legt sie - wie Roland Koch - ihr Amt nieder. Sie erzählt Privates, von ihren Kindern, denen sie morgens Schulbrote schmiere. Sie betont, dass sie nicht nach Höherem gestrebt habe, sie sei zufrieden. "Ich muss nicht immer in der ersten Reihe stehen." Die Politikerin hat ein Headset auf, geht von der Bühne durch die Reihe der Landfrauen, spricht weiter in ihr Mikro. Der Abtritt wirkt inszeniert.

Lautenschläger bekommt eine "Silberne Biene", das Ehrenzeichen der Landfrauen. Margot Käßmann bekommt stehende Ovationen.


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