Die Zeit läuft ab

Marburger Arbeitsgericht steht vor entscheidender Veränderung

Und auch die Wände der Verhandlungsräume und seines Büros sind durch das Engagement des bekannten Kunstliebhabers voll mit Bildern. "Unser Arbeitsgericht hat sicher auch eine gesellschaftliche Funktion", bestätigt Rühle und spricht von einem kulturellen Mittelpunkt der Stadt.

Dieser Umstand und die Tatsache, dass das Arbeitsgericht bei Arbeitgebern und -nehmern einen guten Ruf genießt, sorgen dafür, dass der Direktor und sein Team nicht allein sind. Vertreter von Politik und Wirtschaft signalisierten ihre Unterstützung, berichtet Rühle. Darunter seien große Unternehmen, aber auch Christean Wagner, Fraktionschef der Christdemokraten im hessischen Landtag.

Zugleich ist es an Rühle selbst, aktiv zum Erhalt des Standorts Marburg beizutragen. Derzeit sei er auf der Suche nach einer möglichen Heimstatt für das Arbeitsgericht Mittelhessen, falls es zu dieser Lösung kommt. Rühle denkt an das Behördenzentrum - also landeseigene Flächen -, aber auch an die Stadt Marburg als Vermieter. "Es ist wichtig, dass die Miete nicht zu hoch ist, schließlich geht es dem Ministerium darum, dass Geld gespart wird", meint er.

Auch die Grundfläche spielt jedoch in seinen Überlegungen eine Rolle: Nach einer Zusammenlegung brauche das Arbeitsgericht etwa doppelt so viel Platz wie bisher - also 800 Quadratmeter; für ein Arbeitsgericht Mittelhessen seien sogar 1500 Quadratmeter nötig.

In jedem Fall sei fraglich, was aus dem Gericht als Ausstellungsmöglichkeit werde, bedauert Rühle. Und fügt etwas enttäuscht hinzu, dass bislang keiner der Künstler, die im Gerichtsgebäude ausgestellt haben, mit ihm über die Zukunft des Arbeitsgerichts gesprochen habe. "Künstler sind Individualisten", da sei wohl nicht zu erwarten, dass eine breite Front von ihnen sich hinter ihn stelle, begründet Hans Gottlob Rühle.

Regionale Künstler verlieren Möglichkeit zur Ausstellung

Es sei durchaus möglich, dass Marburg eine renommierte Ausstellungsmöglichkeit für regionale Kunst verliere, erklärt er. 1600 Prozesse verhandeln die Arbeitsrichter in Marburg pro Jahr. "Wir sind ein kleiner Standort", sagt Rühle.

Die Entscheidung des Ministeriums wolle er nicht kommentieren, stellt der Marburger Arbeitsgerichtsdirektor fest. Er erinnert jedoch daran, dass die Stadt bereits mehrere Einrichtungen und Institutionen verloren habe.

Unter anderem seien das Regierungspräsidium, das Verwaltungsgericht, die Büros der Gewerkschaften, der medizinische Dienst der Krankenkassen und die Geschäftsführung des Universitätsklinikums in Gießen angesiedelt.


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