"Dies ist ein Meilenstein"

Marburger Partikeltherapiezentrum schickt ersten Strahl

Im Spätsommer 2011 soll der erste Patient behandelt werden, jährlich sollen 2000 folgen

Vor 21 Monaten wurde das Richtfest des 120 Millionen teuren Baus gefeiert, erinnerte Gerald Meder, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Rhön-Klinikum AG, an die Entwicklung des PTZ. Und obwohl ursprünglich eine Inbetriebnahme für Ende 2010 angedacht war, betonte er: "Wir liegen im Zeitplan." Neben einem Zentrum in Heidelberg sei Marburg die zweite Anlage dieser Art weltweit. "Mit Protonen und Schwerionen zu bestrahlen, darin liegt die Zukunft", sagte Meder stolz. "Wir wollen die Behandlungs- und Lebensqualität steigern. Der heutige Tag ist ein Quantensprung in der Medizin und ein weiterer Meilenstein für schwer krebskranke Patienten." Denn mit dieser neuartigen Bestrahlungstechnik können schwer erreichbare Körperregionen millimetergenau bestrahlt werden, ohne das gesunde benachbarte Gewebe oder Nerven zu zerstören.

In der Anlage werden Protonen und Kohlenstoffionen auf 70 Prozent der Lichtgeschwindigkeit, also 200 000 Kilometer pro Sekunde, beschleunigt, um dann Millimetergenau auf das kranke Tumorgewebe gestrahlt zu werden, erläuterte Holger Schmidt von CEO Oncology Care Systems Siemens Healthcare, das mit dem UKGM an der Entwicklung des Zentrums eng zusammenarbeitet. Die Ionen haben auf diesem Strahlenverteilungssystem im Beschleuniger in der Menge dreimal die Erde umrundet bis zu ihrer endgültigen Schnelligkeit, fügte Dr. Peter Grübling, Projektleiter des PTZ, hinzu.

In einem der vier Behandlungsräume trifft dieser mit dem bloßen Auge nicht sichtbare Ionenstrahl dann punktgenau auf das geschädigte Gewebe. Fünf Minuten soll eine solche Bestrahlung künftig dauern und die bisher in der Krebstherapie üblichen Bestrahlungswiederholungen von 36 Mal auf 15 Mal reduziert werden.

"Präzision ist das, was zählt", betonte Schmidt die Verantwortung. Wir haben die Vision "Together we fight cancer" (Zusammen bekämpfen wir den Krebs), so Schmidt weiter. "Wir wollen eine Technologie zum Wohle der Patienten. Qualität steigern, Kosten reduzieren, das ist das, was uns antreibt. Der erste Strahl ist ein großer Schritt, aber wir haben noch viele Schritte zu gehen", so Schmidt.

Denn auch wenn gestern der erste Strahl geschickt wurde, müssen die rund 50 Mitarbeiter nun die rund drei Millionen möglichen Bestrahlungspunkte und - positionen für die Protonen und Schwerionen vorbereiten, sagte Dr. Grübling.

Begleitet wird die Arbeit auch vom Fachbereich Medizin der Philipps-Universität, die drei Professuren an das Zentrum schicken wird. "Die Behandlung muss in die Tumortherapie eingebunden werden", betonte Professor Matthias Rothmund, Dekan des Fachbereichs Medizin.

Nachdem das PTZ seinen Betrieb aufgenommen hat, sollen jährlich 2000 Patienten behandelt werden, sagte Professor Dr. Rita Engenhardt-Cabillic, die die medizinische Leitung des Zentrum übernehmen wird. "Das sind 150 bis 200 Patienten pro Tag. Ich freue mich drauf und es ist ein großes Geschenk für die Patienten." Mit dem neuen Rasterscan-Verfahren sei eine Verdopplung bis zur Verdreifachung der Heilungschancen bei bisher nicht heilbaren Tumoren möglich, so Engenhardt-Cabillic. Denn es könne ohne Risiko für das Nachbargewebe die Stärke der Bestrahlung erhöht werden.


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