Engländer entsetzt: Aus und Debakel nach "Torklau"

Nach dem "Torklau" durch Jorge Larrionda fühlten sich die Kicker aus dem Mutterland des Fußballs trotz der am Ende klaren 1:4 (1:2)- Niederlage im WM-Achtelfinale gegen Deutschland betrogen.

"Wir haben Fehler gemacht, aber der Schiedsrichter hat den größten Fehler gemacht. Das darf nicht passieren und war entscheidend. Die Partie wäre nach einem 2:2 völlig anders gelaufen", schimpfte Englands Coach Fabio Capello und übte heftige Kritik an den Regelhütern des Weltverbandes FIFA: "Es ist unglaublich, dass in Zeiten moderner Technik und von fünf Schiedsrichtern solch eine Entscheidung gefällt wird."

Der Unparteiische aus Uruguay und sein Gespann verwehrten Frank Lampard in der 38. Minute einen klaren Treffer und lösten damit auf der Insel eine Welle der Empörung aus. "Du bist ein nutzloser Referee", titelte das Boulevardblatt "The Sun" am Sonntag auf seiner Homepage. "Das ist eine schändliche Entscheidung, die das Spiel verändert hat", schimpfte auch der frühere England-Kapitän Paul Ince, der als Experte für das südafrikanische Fernsehen das Spiel analysierte.    

Statt binnen zwei Minuten aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht zu haben, mussten die Engländer in der Halbzeit den psychologischen Tiefschlag verarbeiten. Dies gelang gegen eine bravourös aufspielende DFB- Auswahl nicht. Im Gegenteil: Am Ende setzte es für Capellos Team die höchste Niederlage in der WM-Historie. Nach den Halbfinal-Niederlagen bei der WM 1990 und der Heim-EM 1996 war es der dritte Niederschlag gegen den ungeliebten "Erzrivalen".

Einen Rücktritt schloss Capello dennoch aus: "Ich werde nicht hinschmeißen." Allerdings erwartet der Italiener bei Gesprächen in den kommenden Tagen die Rückendeckung durch den Verband. "Ich habe noch Zeit, zu entscheiden. Ich will wissen, ob die FA noch hinter mir steht oder nicht", sagte Capello, der sich als fairer Verlierer erwies: "Deutschland ist ein großes Team. Sie haben ein tollen Spiel gezeigt. Wir haben ein paar Fehler gemacht, die sie bei ihren Kontern ausgenutzt haben."

Nach Thomas Müllers Doppelschlag zum 3:1 und 4:1 (67./70.) verstummte die rot-weiße Wand englischer Fans auf der Gegentribüne des Free State Stadions in Bloemfontein völlig. Bis dahin waren die Anhänger der "Three Lions" akustisch und zahlenmäßig klar überlegen, doch danach sangen nur noch die deutschen Fans: "Ihr könnt nach Hause fahren." Kapitän Steven Gerrard sackte nach dem Abpfiff enttäuscht zu Boden und räumte ein: "Das WM-Aus tut sehr weh, vor allem gegen Deutschland."    

Die Formschwächen von Stars wie Rooney und Gerrard oder die Ausfälle von Verteidigern wie Ferdinand und King zeigen, dass man Englands Ausscheiden nicht allein auf Larriondas Skandal-Entscheidung schieben kann. Capellos Mannschaft präsentierte sich während der gesamten WM nie wie ein Titelkandidat. Spielerisch war sie den Deutschen am Sonntag klar unterlegen. Und die wackelige Abwehr um John Terry und Matthew Upson tat alles dafür, dass die Löw-Elf das auch nutzen konnte. Beim 1:0 durch Klose (20.) lief Upson hinterher. Beim 2:0 durch Podolski (32.) schauten gleich alle Verteidiger zu.

Bezeichnenderweise war es Upson, der das einzige englische Tor köpfte (37.). Bei den "Three Lions" ging während dieser WM vieles durcheinander. Neun Siege in zehn Qualifikationsspielen hatten große Hoffnungen geweckt. Doch in Südafrika blieb der Weltmeister von 1966 nur ein Schatten vergangener Tage.


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