Erinnerungen Jahreszeiten - wie es früher war

Monatliche Serie startet und erzählt aus dem früheren Dorfleben

Hausschlachtung im Dezember. (Fotos: Archiv A. Benner)

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Beginnend mit dem Monat Dezember werden bis zum November 2017 in jeder ersten Monatsausgabe des Stadtanzeigers Erinnerungen aus dem früheren Dorfleben erzählt. Alfred Benner aus Herborn-Seelbach hat die Ereignisse in Zusammenarbeit mit Zeitgenossen vom Heimat- und Geschichtsverein niedergeschrieben. Die Berichte sind gespickt mit altbekannten Bauernregeln, Gedichten berühmter Schriftsteller und Verse aus der Bibel. An manchen Stellen kommt auch die Seelbacher Heimatdichterin, Minna Gabriel, mit Versen aus ihrem Gedicht "Wej`s froiher woahr" zu Wort.

Wie es früher war - Monat Dezember

Für das Vieh hatte die Ruhepause eingesetzt. Die bereits im November begonnenen Hausschlachtungen fanden ihren Höhepunkt. Teils waren es die örtlichen Metzgermeister, in den meisten Fällen aber ein "alter Bergmann" oder "Hüttenbauer", die gekonnt und mit gutem Ruf das Handwerk beherrschten. Die Hausfrau war nun von den schweren Feldarbeiten entlastet. Plätzchen für das Christfest wurden gebacken und die Weihnachtsgeschenke vorbereitet. Hierzu gehörten vorwiegend selbst gestrickte Strümpfe, Handschuhe und Mützen aber auch viele andere Näh- und Strickwaren.

Matthias Claudius hat gedichtet: Der Winter ist ein rechten Mann, kernfest und auf die Dauer; sein Fleisch fühlt sich wie Eisen an und scheut nicht süß noch sauer.

Die Bibel sagt in Prediger 4,6: Es ist besser eine Hand voll mit Ruhe denn beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind.

Bauernregel:

Dezember lau und lind, der ganze Winter ein Kind. Oder: Ist der Dezember rau und kalt, kommt der Frühling auch schon bald.

Minna schreibt 1978:

Wir feiern ja noch Weihnachten überall, aber nicht mehr wie damals im Stall. Der Stall und die Krippe sind nur noch Kulissen, die für unsere weihnachtliche Stimmung herhalten müssen. Zwar werden noch Weihnachtslieder gesungen, vielleicht sogar "Stille Nacht", doch an das Stillesein wird meist nicht gedacht. Wir haben Weihnachten nämlich im Rücken und können darum nicht mehr die Krippe erblicken. Wir sollten die Hände, welche die Sektgläser halten, zum Weihnachtsfest endlich wieder mal falten. Nicht nur freuen sollten wir uns an den Geschenken, sondern was Gott und gebracht, daran sollten wir denken. Dann würden wir endlich mal wieder still und wüssten dann neu, was Weihnachten will.

Im August 1953 wurde in Herbornseelbach die erste, neu errichtete Kirche im Dillkreis, nach dem zweiten Weltkrieg, eingeweiht. Das war für den damaligen Gemischtwaren Laden von Paula Weber (Marburger Straße) Anlass im Folgejahr eine Weihnachtskarte für den Verkauf drucken zu lassen. Der Druck wurde 1958 eingestellt, weil der Bau der Kirche erst in diesem Jahr durch einen weißen Außenputz beendet werden konnte. Auf der Festtagsgrußkarte ist die Kirche noch unverputzt abgebildet, was von 1953 bis zum Herbst 1958 zutraf.

(Alfred Benner)


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