
"Mr. Dax" - unter diesem Synonym kennt man den durch viele Fernsehauftritte bekannten Dirk Müller bundesweit unter Anspielung auf den Deutschen Aktien-Index. Weil er jahrelang seinen Arbeitsplatz im Parkett der Frankfurter Börse direkt unter der großen Tafel hatte, gab er den Aufs und Abs ein Gesicht.
Die betroffenen Länder würden nun von der Politik kaputt gespart
"Inflation - Deflation - Konfusion", war der Vortrag Müllers getitelt und mit der Frage garniert: "Was dürfen wir in Zukunft noch erwarten?", so Volksbank-Vorstand Ralph-Uwe Orth. Vieles, so Orth, passe zurzeit in Europa nicht zusammen. Während in Deutschland ein Fachkräftemangel herrsche, litten die Menschen in anderen Ländern unter hoher Arbeitslosigkeit.
"Viele können das Wort Eurokrise schon nicht mehr hören", sagte Dirk Müller. Er freue sich auf den Tag, an dem man sagen könne: "Die Krise ist vorbei." Und Müller ist sicher, dass dieser kommt. Doch bis dahin "müssen wir noch einiges tun."
Bei der Wahl der richtigen Instrumente ist der 44-jährige Badener "gegen den Strich gebürstet". Müller hat eine andere Sicht auf die Krise als der so genannte Mainstream. Dass andere aus dem großen Heer der Finanzfachleute andere Bewertungen haben, sei natürlich.
Krise könne Spaß machen. Kaum hatte der Referent das Wort Griechenland gesagt, stellte sich Heiterkeit im Saal ein. Am Beispiel des krisengeschüttelten Landes und der ständig wechselnden Beurteilung seiner Euro-Tauglichkeit machte Müller auf das Kern-Dilemma der gemeinsamen Währung aufmerksam.
Der Euro sei der Preis für die deutsche Wiedervereinigung gewesen, erklärte er vorab. Möglicherweise ein Webfehler, dass er am Anfang eines kontinentalen Einheitsprozesses stand. Denn: "Jedes Land braucht die Währung, die zu seiner Wirtschaftskraft passt." Die Entwicklung der letzten Jahre zeige, dass die politische Union so nicht vorankomme. "Der Euro wäre der Schlusspunkt dieser Entwicklung gewesen!" Ist er nun aber nicht, weil seine Einführung "eine rein politische Entscheidung war."
Und nun versuche die Finanzwelt, diesen "Irrglauben" zu korrigieren. Mit den falschen Mitteln, wie Dirk Müller glaubt. "Wir wissen, wie es richtig geht, tun aber das Falsche", kritisierte er mit Blick auf "das Kaputtsparen ganzer Nationen". Damit meinte er neben Griechenland auch Spanien, Italien und Portugal.
Man habe aus den Fehlern der Weimarer Republik nichts gelernt. Dass der Euro Europa den Frieden bringe, werde angesichts der gewaltsamen Demonstrationen in den besagten Ländern ad absurdum geführt. Ein vereintes Europa habe sich hingegen als Garant für ein friedliches Zusammenleben erwiesen.
Nun gehe es darum, die politische Einheit zu schaffen. Das gehe aus seiner Sicht so, machte er am Beispiel eines Mehrfamilienhauses deutlich: Wenn alle Parteien ihre eigenen Wohnungen behielten, sich aber gegenseitig unterstützten. So könne Europa auch einen Gegenpol zu den Vereinigten Staaten und China bilden.
Er sei ganz und gar nicht gegen eine gemeinsame Währung. Aber: "Europa braucht den Euro nicht." Derzeit erweise er sich als Spaltpilz. Er könne nur funktionieren, wenn in allen Ländern auch die gleichen Bedingungen herrschten. "Aber die Steuer- und Sozialgesetze in den Euro-Staaten unterscheiden sich zu stark."
Eine Rückkehr zu nationalen Währungen wäre "nicht der Untergang der deutschen Industrie. Wir waren auch vorher Exportweltmeister." Was genau in einem solchen Fall passiere, wisse sowieso niemand. Mit der Drachme könne Griechenland aber wieder attraktiv zum Beispiel für Touristen werden.
Wie es gehe, habe die Regierung Schröder bei der Einführung der HARTZ-Gesetze gezeigt. Diese seien eben nicht mit großen Sparprogrammen begleitet worden. "Wir haben es doch richtig gemacht", erklärte Dirk Müller.
Die Sparpakete seien nun in den betroffenen Ländern der Grund für die Massenarbeitslosigkeit. Die Systeme in diesen Ländern müssten verändert werden. "Sonst gehen wir sehenden Auges in die Katastrophe!"
Ihn erinnere das Prinzip an das Spiel "Die Reise nach Jerusalem". Mit einem Unterschied: "Da hatte am Ende immer der Letzte gewonnen." Wenn es so weiter geht und "die Kleinen die Zinsen der Großen erwirtschaften müssen, werden die Menschen am Ende die Last nicht mehr tragen können." Von der Politik sei nun eine Entscheidung gefordert, wenn sie die politische Einheit schaffen wolle. "Durchwursteln geht nicht mehr."
Tipp: Nichts tun, was man nicht versteht und sich auch mal was gönnen
Und weil man sich angesichts einer zur erwartenden Inflation "auf Papiergeld nicht mehr verlassen kann", riet Dirk Müller am Ende zu einer Verteilung der Anlagen in Gold, Aktien und Rohstoffen. Aber vor allem: "Machen Sie nichts, was Sie nicht verstanden haben." Und noch eines: "Kümmern Sie sich um Ihr Geld und gönnen Sie sich was."
"Sie haben uns Mut gemacht und uns viel zum Nachdenken mitgegeben", attestierte Armin Wickel, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dill eG am Ende des zweistündigen Vortrages und einer Fragerunde dem Referenten.























angesprochen wurden und sich m.E. auch von der bisher sehr sachlichen
Diskussion entfernen.
Jochem Schäfer
Wir haben seit Jahren ernstzunehmende Anzeichen für einen stark wachsenden sozialen Unfrieden.
Und der öffentliche Haushalt wird ständig schön mehr
Nehmen Sie bitte Ihre Liberalen-Brille ab!
Natürlich geht es uns vergleichsweise gut aber es ist immer vorteilhaft wenn man frühzeitig auf solchen Warnungen reagiert und nicht erst wenn es zu spät ist.
sehr bedeutende Rolle. Ihre übrigen Überlegungen müssen jedoch
konsequent weitergedacht werden. Wenn bei Abschaffung des
Euro alle Spekulanten auf mehr
müssen wir aufwerten. Ausländische Erzeugnisse werden für uns
dann zwar billiger, aber unsere Erzeugnisse auch für Ausländer
teurer. Dies hat insbesondere zur Folge, dass Arbeitsplätze im Inland gefährdet werden mit allen möglichen negativen Auswirkungen auf die Kluft zwischen Arm und Reich, den sozialen Frieden und den öffentlichen Haushalt.
Jochem Schäfer
Zusätzlich bleibt die Frage was für Auswirkungen eine eigene Währung auf unsere Rohstoffpreise, mehr
So könnte vor allem die Kaufkraft im eigenen Land gestärkt werden.
Wir stärken aktuell mit unserer starken Wirtschaft die Nachbarländer, aber nicht uns selber. Nicht auszudenken wenn es anders herum wäre.
dann würde das Wechselkursrisiko und die unzureichende Transparenz der Märkte unsere Wettbewerbsfähigkeit auf dem europäischen Markt mehr
erheblich beeinträchtigen. Nahezu 2/3 unserer Exporte gehen in den
EU-Raum und etwa 40 Prozent in die EU-17 Länder (Stand 2011). Auch für
unsere internationale Marktstellung wäre der Verzicht auf den Euro nicht gut,
der inzwischen die zweitstärkste Währung der Welt darstellt. Zudem würden
Devisenspekulationen erleichtert. Der Reiseverkehr in europäische Länder
würde ebenfalls behindert und wieder mit einem beträchtlichen Verwaltungs-
aufwand belastet.
Jochem Schäfer
Stellvertr. Kreisvorsitzender der
Europa-Union Frankfurt am Main