"Fakilaki war kein Geheimnis"

Ein Dill-Grieche zur Krise

Savvas Katsidis: Wir Griechen in Deutschland haben doch mit unseren Steuergeldern hier die EU-Hilfen an Griechenland mitbezahlt, und deshalb sind wir genauso verärgert wie alle Deutschen.

Seit wann leben Sie in Deutschland?

Katsidis: Seit meiner Geburt, seit 1974.

Sind Sie Grieche oder Deutscher?

Katsidis: Zuerst bin ich Dillenburger, dann Hesse und dann Deutsch-Grieche. Meine griechische Heimat verteidige ich wegen meiner Wurzeln.

Welche Kontakte haben Sie noch nach Griechenland?

Katsidis: Meine Schwester sind dort und meine Onkels und Tanten und eine Oma. Sie leben in Thessaloniki. Alle zwei Jahre besuche ich sie dort.

Werden Sie hier in Dillenburg auf die Zustände in Griechenland angesprochen?

Katsidis: Ja, von Freunden und auch von Kunden in dem Geschäft.

Müssen Sie sich Sprüche anhören?

Katsidis: Die Kunden sind eher neutral und mitfühlend. Einige bringen mir Zeitungsausschnitte mit, in denen die Lage sachlicher dargestellt wird, als in der Bild-Zeitung. Aber von Freunden kommen auch bissig-ironische Kommentare.

Zum Beispiel?

Katsidis: Am schlimmsten ist ein befreundeter Geschäftsmann. Er sagt immer: Ich müsse jetzt Sondersteuern für die Schulden von Griechenland zahlen.

Und was erwidern Sie?

Katsidis: Ich sage ihm: Wenn er mir beweisen kann, dass Griechenland wirklich den Euro schwächt, dann lege ich ihm 100 Euro auf den Tisch. - Aber er kann es mir nicht beweisen.

Was glauben Sie, geht Griechenland pleite?

Katsidis: Nein, das glaube ich nicht.

Warum?

Katsidis: Was ich gelesen habe, spricht dafür, dass es Griechenland aus eigener Kraft schafft. Aber die Schmiergelder müssen aufgedeckt werden. Die EU muss noch mehr kontrollieren. Und die Politiker und Beamten in Griechenland, die bestochen wurden, müssen haften.

Wer ist schuld an dieser Krise?

Katsidis: Es war kein Geheimnis, dass man in Griechenland Schmiergeld, Fakilaki, zahlen musste. Wenn man eine Baugenehmigung beschleunigen wollte, musste man einen Umschlag an die Beamten überreichen. Dann dauerte die Genehmigung einen Monat - ansonsten vier bis fünf Jahre. Es sind aber nicht allein die Griechen schuld, sondern auch die anglo-amerikanischen Angriffe auf den Euro, die durch Spekulanten gefördert wurden.

Wie geht´s nun in Griechenland weiter?

Katsidis: Jetzt wird dort erstmal gespart. Leiden wird die Bevölkerung, der kleine Mann wird die Folgen der Krise tragen müssen.

Werden die Touristen im Sommer wegbleiben?

Katsidis: Ich hoffe nicht. Und von Freunden weiß ich, dass bereits ausgebucht ist. Ich glaube, die meisten Touristen sind nicht so politisch interessiert.

Politik, S.2


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