HSG ohne Hilfe wieder vor dem Aus

Die Stadt Wetzlar soll ihren Zuschuss vervierfachen, sonst ists vorbei mit Handball in der Arena

Für das Jahr 2010 bedeutet dies eine Anhebung der Subvention von 36 000 auf 149 000, also mehr als eine Vervierfachung.

Diese Zahlen stehen in einer Vorlage von Bürgermeister und Sportdezernent Helmut Lattermann (CDU), die bereits im Magistrat beraten wurde und nun den Stadtverordneten in den Ausschüssen und anschließend in der Stadtverordnetenversammlung vorgelegt wird.

Geschichte wiederholt sich: Bereits 2005 verlangte die HSG Steuergeld

Dabei wiederholt sich die Geschichte: Bereits 2005 gab es in den Gremien der Stadt eine intensive Diskussion darüber, ob der HSG Steuergeld gegeben werden soll, um die Miete in der Arena zu zahlen. Miete in einer Halle, die der Steuerzahler bereits bezahlt hat und die nun von der Firma Gegenbauer bewirtschaftet wird.

Schon damals hatte die HSG gedroht: Wenn wir kein Geld bekommen, können wir nicht mehr in der ersten Liga und dann nicht mehr in der Arena spielen. Die Drohung wirkte. Es floss Geld. Im Haushalt als Wirtschaftsförderung deklariert. Der Steuerzahlerbund war entsetzt.

Nun die erneute Drohung. In dem Papier heißt es: "Aufsichtsrat und Geschäftsführung der HSG gehen davon aus, dass ohne die beantragte Unterstützung seitens der Stadt ein bundesligatauglicher Spielbetrieb der HSG in der nächsten Saison nicht mehr fortgeführt werden kann."

Zudem brauche die HSG die Einmalzahlung in Höhe von 50 000 Euro, um Mietkosten der laufenden Saison bezahlen zu können. Übersetzt heißt dies: Die HSG hat derzeit kein Geld, um die Hallenmiete der laufenden Saison zu zahlen. Würden diese Forderungen ins nächste Jahr geschleppt, könnte dies die Lizenzerteilung durch die Liga gefährden.

Die Hallenmiete ist neben der Wirtschaftskrise das Hauptargument der HSG für einen höheren Zuschuss:

Pro Heimspiel muss die HSG 11 000 Euro für die Halle, Auf- und Abbau des Bodens, Service- und Ordnungskräfte, Strom- und Gaskosten zahlen. Bei 18 Heimspielen sind dies 198 000 Euro. Andere Bundesligavereine hätten deutlich geringere Kosten.

Im Gegenzug kann die HSG keine Einnahmen über das Catering, also den Verkauf von Getränken, Würstchen und Brötchen erzielen. Dies geschieht in Regie des Arena-Betreibers Gegenbauer. Grundlage hierfür ist der Bewirtschaftungsvertrag zwischen Stadt und Gegenbauer.Dies empfindet die HSG als wettbewerbsverzerrend, da nahezu alle anderen Handball-Bundesligisten geringere Hallenkosten und/oder Einnahmen aus dem Catering zur Gegenfinanzierung hätten.

Als Folge habe man wichtigen Spielern für die neue Saison keinen neuen Vertrag anbieten können, "da die hierfür in der Handball-Bundesliga üblichen Gehälter bei der HSG nicht darstellbar seien".

Hinzu komme, dass der HSG ein Großsponsor fehle, der etwa wie in Melsungen jährlich eine Million Euro für den Spielbetrieb gebe. Zudem sei es durch die Wirtschaftskrise schwieriger geworden, Sponsoren zu gewinnen. Soweit die Argumente der HSG und von Bürgermeister Lattermann.

Nach Informationen dieser Zeitung ist die Lage wieder derart heikel, dass HSG-Spieler noch auf das Februar-Gehalt warten.

Dazu Stimmen aus den Fraktionen im Wetzlarer Stadtparlament:

Andreas Altenheimer (CDU): "Es scheint Eile geboten, denn es gibt offenbar ein akutes Liquiditätsproblem. Hier bin ich dafür zu helfen, um nicht Fakten zu schaffen. Allerdings müssen wir uns grundsätzlich Gedanken machen, ob und wie wir die HSG in Zukunft finanziell unterstützen."

Gerd-Rainer Michalek (Grüne): "Diese Vorlage von Lattermann ist eine Zumutung. Die Stadtverordneten werden offenbar für schwachsinnig gehalten, wenn ich mir das vorgelegte Zahlenmaterial der HSG anschaue. Das ist alles, nur nicht seriös. Die HSG ist offenbar nicht liquide und braucht Geld."

Christa Lefèvre (Freie Wähler): "Wir müssen die HSG in dieser schwierigen Situation unterstützen, schließlich nennt sich Wetzlar die Stadt des Sports. Allerdings kann die Hilfe auch nicht ins Unendliche gehen. Hier müssen wir einen Rahmen finden."

Jörg Kratkey (SPD): "Glücklich bin ich persönlich damit nicht. Als die Arena gebaut wurde, hieß es, um die Bewirtschaftung und das Thema Ankermieter HSG kümmert sich der Betreiber Gegenbauer. Hätten wir gewusst, dass wir jetzt auch noch die Miete zahlen und damit HSG und Gegenbauer subventionieren, hätten wir das Thema möglicherweise anders bewertet. Wichtig ist für eine Entscheidung, dass alle Zahlen auf den Tisch kommen. Dazu gehören auch Zahlungen städtischen Eigenbetriebe wie Enwag oder WWG als Sponsoren. Wenn wir hier mal zusammenzählen, kommen wir schon auf einen stolzen Betrag."

Matthias Büger (FDP): "Die Zahlung ist ein fairer Ausgleich für die HSG gegenüber den Mitbewerbern, da die Wetzlarer im Vergleich zu den Ligakonkurrenten bei Hallenmiete und Catering klar schlechter dastehen. Es ist zudem im Interesse der Stadt einen starken Bundesligisten als Ankermieter in der Arena zu haben. In diesem Sinne kann ich die Wirtschaftsförderung klar unterstützen. Im Sinne der Transparenz sollte der Zuschuss direkt an die HSG gezahlt werden und nicht über den Hallenbetreiber Gegenbauer fließen."

Am kommenden Mittwoch (28. April) wird sich erstmals der Finanz- und Wirtschaftsausschuss in öffentlicher Sitzung (18 Uhr, Rathaus) mit der HSG-Rettung beschäftigen. HSG-Aufsichtsrat Hardo Reimann soll dort die Wünsche erläutern. Am 6. Mai (18 Uhr Rathaus) könnte das Stadtparlament abstimmen.

Soll das Profi-Team der HSG Geld von der Stadt bekommen? Diskutieren Sie mit im Mittelhessen-Forum.


Unbegrenzter Zugriff auf mittelhessen.de und die News-App. Jederzeit kündbar. Jetzt nur 6,90€ pro Monat!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2010
Kommentare (0)
Mehr aus nGen unzugeordnet