IHK: Sanktionen würden Firmen treffen

WIRTSCHAFT Umfrage unter Unternehmen: Russland-Exporteure fürchten teils um die Existenz

Werden Gas und Öl teurer?Auch das befürchten heimische Unternehmen, wenn die EU Sanktionen gegen Russland verhängt. (Foto: Archiv)

Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Lahn-Dill unter Mitgliedsunternehmen gemacht hat. 26 beteiligten sich daran. 17 von diesen exportieren ihre Produkte nach Russland "in teilweise beträchtlichem Umfang", erklärt IHK-Außenwirtschaftsreferent Amin Moawad. Die IHK nennt keine Firmennamen, betroffen seien aber viele Branchen, sagt Moawad. So unter anderem Textilherstellung, Feinoptik, Maschinen- und Formenbau.

Der Russland-Export mache für vier der befragten Unternehmen bis zu 60 Prozent des Gesamt-Exports aus. Zwei Firmen haben angegeben, dass Russland für sie der wichtigste Absatzmarkt überhaupt sei.

Sollten in den kommenden Wochen tatsächlich Wirtschaftssanktionen das Geschäft mit Russland begrenzen, befürchten nach Angaben der IHK alle auf dem russischen Markt tätigen Unternehmen Umsatzeinbußen. Die Folge wären Einsparungen: Zwei Firmen rechnen damit, dass sie in diesem Fall Personal abbauen müssen. Ebenfalls zwei sähen durch einen Handelskonflikt sogar ihr Unternehmen gefährdet, teilt die IHK mit. Fünf Exporteure befürchteten dagegen keine Auswirkungen auf ihr Geschäft durch Sanktionen.

Sorge auch wegen Energiepreisen

Auch wenn sie nicht direkt betroffen sind, sorgen sich Unternehmen im Bezirk der IHK Lahn-Dill um die negativen Auswirkungen der Ukraine-Krise. So könnten heimische Automobilzulieferer teils nicht abschätzen, ob und wie viele ihrer Produkte indirekt nach Russland exportiert werden - zum Beispiel, indem sie zunächst an deutsche Abnehmer geliefert werden, die die Teile dann aber nach Russland weiterschicken. Sorgen machen außerdem durch die Krise möglicherweise steigende Energiepreise und schlechte Chancen auf dem russischen Markt in Zukunft.

Die IHK Lahn-Dill spricht sich in einer Stellungnahme gegen Sanktionen aus und folgt damit der Position des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Sanktionen wegen Putins Politik seien nicht wirksam, "um eine politische Lösung in der Krimkrise voranzubringen". Sie blieben ohne Wirkung, weil die gegenseitige Abhängigkeit - der Bedarf nach Öl und Gas auf der einen, nach Devisen auf der anderen Seite - zu ausgeprägt sei. Sanktionen seien auch wegen ihrer Wirkung auf die russische Öffentlichkeit falsch, sie würden Nationalisten weiter Auftrieb geben.

Bei Rittal in Herborn, im Lahn-Dill-Kreis der größte Arbeitgeber, bleibt der Konflikt des Westens mit Russland bisher ohne negative Folgen. Der Hersteller von Schaltschrank- und Gehäusetechnik hat eigene Vertriebsgesellschaften in Russland. "Es ist für uns einer der wichtigsten Märkte", wie Unternehmenssprecher Neill Busse sagt. "Bisher spüren wir aber keine Auswirkungen".


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