Keine Operation ohne Vorbereitung

Informationen über Vorerkrankungen sind wichtig für die Narkose

Professor Dr. Jörg Engel ist Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Wetzlar.

Im Anästhesie-Vorbereitungsgespräch, der so genannten Prämedikation, können diese Fragen geklärt werden. Außerdem gewinnt der Anästhesist wichtige Informationen über den Gesundheitszustand und eventuelle Vorerkrankungen des Patienten.

Die Narkosevorbereitung:

Die Anästhesie-Aufklärung ist ein wichtiger Punkt auf der Checkliste eines Patienten zur Vorbereitung auf eine Operation. Bei dieser werden zuerst Informationen über den Gesundheitszustand des Patienten gesammelt. Einige Auskünfte werden aus der Patientenakte gewonnen. "Wichtig für den Anästhesisten sind beispielsweise Vorerkrankungen, Allergien und die Einnahme bestimmter Medikamente", so Professor Dr. Jörg Engel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin am Klinikum Wetzlar.

In Abhängigkeit der Antworten könnten weiterführende Untersuchungen notwendig werden. "Dazu zählen Laboruntersuchungen, das EKG, die Röntgenaufnahme der Lunge sowie spezielle Untersuchungen z. B. des Herzens inklusive einer fachspezifischen Stellungnahme des jeweiligen Experten", erklärt Professor Engel. "Dieser schätzt ein, ob er eine Verbesserung des Gesundheitszustands vor der Operation für möglich und empfehlenswert hält. Wenn es sich nicht um einen dringenden Eingriff handelt, sollte der Patient sich gemeinsam mit den behandelnden Ärzten die Zeit nehmen, die Organfunktion durch geeignete Maßnahmen zu verbessern."

Erst wenn alle für die Anästhesie relevanten Informationen vorliegen würden, könne eine Bewertung stattfinden, in die das Narkoseverfahren mit einfließt. "Daraus wird das für den Patienten und für diesen Fall sinnvolle anästhesiologische Vorgehen gewählt", erklärt der Chefarzt. Dieses werde anschließend mit dem Patienten besprochen und offene Fragen des Patienten könnten geklärt werden. "Sind sich Anästhesist und Patient über das Vorgehen einig, erfolgt die schriftliche Einwilligung."

Narkosemittel und ihr Einfluss:

Ziel der Anästhesie ist es, optimale Voraussetzungen für einen operativen Eingriff zu schaffen. "Der Patient erwartet, dass er schmerzfrei ist und dass er unter Umständen schläft. Vegetative Reflexe werden gedämpft, eine Erschlaffung der Muskeln ermöglicht einen guten Zugang zum Operationsgebiet", erläutert Jörg Engel. So würde eine gute Anästhesie ideale Bedingungen für die Arbeit des Operateurs schaffen.

Alle Narkosemittel haben Einfluss auf den Kreislauf. Die Effekte verschiedener Medikamente können sich in der Summe addieren oder gar vervielfachen. Körpereigene Kompensationsmechanismen werden zusätzlich außer Kraft gesetzt. "Aus diesem Grund ist die engmaschige Überwachung der Herz-Kreislauf-Funktionen unbedingt notwendig", so Professor Engel.

Auch krankheitsbedingte Veränderungen am Herz-Kreislauf-System seien in diesem Zusammenhang von Bedeutung. "Deshalb ist die Kenntnis von Erkrankungen vor der Narkoseeinleitung erforderlich, um spezielle Narkosetechniken oder die Dosierung der Medikamente an die Situation anzupassen."

Für den Patienten ist es daher sehr wichtig, den Arzt im Anästhesie-Vorbereitungsgespräch über alle Vorerkrankungen zu informieren - auch wenn diese ihm im Alltag vielleicht gar keine Probleme bereiten.

"Diese Informationen sind unentbehrlich, um die Sicherheit des Patienten während der Narkose zu gewährleisten", verdeutlicht Professor Engel.


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