
Die Grün-Weißen erlitten nun die erste Niederlage. Und das auf Grund eines Formfehlers. Wie diese Zeitung bereits gestern berichtete, überwies der Verein die Revisionsgebühr auf ein Konto der HBL und nicht auf eines des Deutschen Handball-Bundes (DHB). "In der Rechtsmittelbelehrung des DHB steht, dass die Gebühr dem DHB lediglich nachzuweisen sei. Und das haben wir getan. Der Vorgang wurde von der HBL sogar bestätigt", sagt Manfred Rühl, der Rechtsanwalt der Wetzlarer und betont, dass "wir das Geld bewusst so eingezahlt haben". Ein Versäumnis seitens des Clubs sieht er nicht. Dem widerspricht Andreas Thiel, der Justiziar der HBL und verweist auf Paragraph 44, Absatz 3, der DHB-Rechtsordnung. Dort steht: "Im Zusammenhang mit dem Antrag oder mit der Einlegung eines Rechtsbefehls - mit Ausnahme der Beschwerden (...) - sind auf eines der Konten des DHB zu zahlen: (...)."
"Das ist eindeutig", sagt Thiel und weist daruf hin, dass die HSG bereits bei ihrem ersten Einspruch das Geld falsch überwiesen habe. "Die erste Instanz hat das aber als unschädlich angesehen. Dieses Mal ist das anders", erklärt der ehemalige Weltklasse-Torhüter. Spielleiter Uwe Stemberg kritisiert im Gespräch mit dieser Zeitung: "Ich habe in meiner Laufbahn noch nie ein so dämliches Verhalten eines Vereins gesehen."
Gegen dieses Urteil könnten die Wetzlarer nun erneut Rechtsmittel einlegen, werden davon aber laut Aussage von Rühl absehen. Dass Klimovets nämlich für den Rest der Saison gesperrt bleibt, ist für den Club kein großes Drama, immerhin trainiert der Weltmeister von 2007 seit dem 1. April nicht mehr mit der Mannschaft und hat die Wohnung in Lahnau ebenfalls längst verlassen. Einen, wie Rühl sagt, "wohlwollenden" Auflösungsvertrag, der dem Kreisläufer Gehaltszahlungen für die Monate Februar und März zusichert, obwohl er seit dem 21. Februar gesperrt war, hat der ehemalige deutsche Nationalspieler bislang nicht unterschrieben. Gut möglich, dass sich beide Seiten noch einmal vor dem Arbeitsgericht treffen.
Weit wichtiger ist für den Tabellenzwölften, der bei noch sechs ausstehenden Spielen fünf Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz hat, die Entscheidung über den Einspruch von Frisch Auf. "Die Zurückweisung unserer Revision stellt in der für die HSG Wetzlar vorrangigen Angelegenheit, nämlich der Entscheidung über die Vergabe der Punkte aus der Göppingen-Partie, jedoch keinen Nachteil dar. Diese Entscheidung ist davon juristisch völlig isoliert zu sehen. Für uns ist es von enormer Wichtigkeit, dass wir die sportlich hart erkämpften Punkte aus diesem Spiel behalten", lässt HSG-Geschäftsführer Björn Seipp in einer gestern Mittag veröffentlichen Pressemitteilung verlauten. Am Telefon wollte sich Seipp nicht äußern.
Rechtsanwalt Rühl prüft derzeit die Revision von Frisch Auf Göppingen
Seit Tagen wird heftig spekuliert, dass das DHB-Bundesgericht zu Gunsten der Schwaben urteilen könnte und damit die Lage der Wetzlarer enorm verschärfen würde. Denn das Team aus der Domstadt hat das mit Abstand schwerste Restprogramm der Abstiegskandidaten. Manfred Rühl sieht bislang "keine Aspekte" für ein solches Urteil: "Wir haben seit Donnerstag den Göppinger Revisionsantrag vorliegen und werden nun eine Frist erhalten, in der wir uns zu den dort genannten Vorwürfen schriftlich äußern dürfen. Komischerweise ist denen das schriftliche Urteil des HBL-Bundessportgerichts vier Tage später zugestellt worden als uns. Deswegen prüfen wir unter anderem, ob Frisch Auf alle Fristen eingehalten hat. Ein Zeitfenster, wann mit einer Entscheidung zu rechnen ist, gibt es noch nicht."
Die Göppinger, die noch um einen Europapokalplatz kämpfen, bemängeln in ihrer Revisionsschrift "alles, was zu bemängeln ist" (Rühl). Vor allem bezweifeln sie, dass die HSG und auch Klimovets nicht wussten, dass bei der TSG Haßloch noch ein gültiger Spielerpass vorlag. Das HBL-Bundesgericht hatte das in seiner Urteilsbegründung vom März anders gesehen und dem Verein einen "guten Glauben" attestiert, dass der gebürtige Weißrusse nirgendwo unterschrieben hatte.
Björn Seipp, der weiterhin an die "Qualität unserer Mannschaft" glaubt, räumt ein, für den schlimmsten Fall gerüstet zu sein: "Es ist unsere Pflicht, auch Planungen und Maßnahmen für einen möglichen Abstieg in die 2. Liga anzustellen. Alles andere wäre fahrlässig."







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