Koch startet seine Abschiedstour

Der Ministerpräsident schüttelt auf Hessentag in Stadtallendorf hunderte Hände

Roland Koch spricht auch von der Kritik an seiner Politik, er spricht von einem normalen Vorgang. Aber er sagt in einem Nebensatz: "Es hat Folgen gehabt." Genaueres sagt er nicht.

In einem kurzen Interview mit dem Bayerischen Rundfunk für ein Politik-Magazin äußert er sich so: "Ich weiß, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Niemand ist unersetzbar." Über seine künftige Tätigkeit wolle er erst entscheiden, wenn er nicht mehr Ministerpräsident ist.

Dann beginnt die Tour durch die Landesausstellung. Koch erhält Geschenke und schüttelt Hände. "Ein Gruß aus Dietzenbach. Alt-Bürgermeister. Es war ein schöner Hessentag." Ob Koch sich noch an ihn und die Veranstaltung vor neun Jahren erinnert? Weiter. Zum Stand des Innenministeriums. Dort wartet Nia Künzer an einem Tischkicker. Auftrag: Die Fußball-Weltmeisterin aus dem Wetzlarer Stadtteil Garbenheim soll den Ministerpräsidenten zu einem kurzen Match herausfordern. Koch übernimmt die beiden Abwehr-Reihen, sein Regierungssprecher Dirk Metz den Angriff. Bis zum 1:3-Rückstand. Dann reagiert und regiert Koch: "Auswechseln! Ich war immer für den Angriff zuständig." Sie schaffen den Ausgleich und einigen sich bei 3:3 mit Nia Künzer auf das Spielende.

Weiter. Justizministerium, Wirtschaftsministerium, Kriegsgräberfürsorge, Arbeiterwohlfahrt, Polizei, Aids-Hilfe, Landessportbund.

Metz wendet sich an Koch: "Roland, es ist der Wunsch des Bayerischen Rundfunks . . ." Der Ministerpräsident soll sich für die Kameras auf einem Trimmrad abstrampeln. Macht er. Koch schafft einen Kilometer. Dafür spenden Sponsoren fünf Euro an die Stiftung Sporthilfe. Weiter.

Koch schüttelt Hände, wünscht "viel Erfolg und alles Gute". Er bekommt Joghurt-Drinks, Bonbons, Kulis, Broschüren, Flyer. Die Geschenke reicht er weiter. Eine Mitarbeiterin verstaut sie in Tüten. Nach zwei Stunden sind drei Taschen voll. Eine Referentin in Kochs Staatskanzlei sagt: "Die Kulis landen irgendwann in den Taschen. Aber wenn es etwas Größeres ist, dann gibt er es weg, zum Beispiel an soziale Einrichtungen."

"Ich glaube, Koch ist mit sich im Reinen. Er wirkt sehr entspannt"

Weiter. "Schauen wir nach dem großen Geld" - die Mitarbeiterin weist Koch den Weg zur Deutschen Bundesbank. Danach zum Hessentags-Radio. Der Ministerpräsident gibt ein Interview zum Thema "Kinder und neue Medien". Und der Moderator ist überrascht, sagt anschließend: "Ich glaube, das Thema hat ihn bewegt - als Familienvater. Er war nicht so glatt, so gekünstelt." So wie er sonst in der Politik wirke.

Auch bei den Politikern wirkt er anders. Koch besucht die Stände von SPD, Grünen und FDP. Er spricht mit dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD im Hessischen Landtag, Günther Rudolph. Der Sozialdemokrat sagt ihm: "Der Abgang war ein echter Koch - gut inszeniert." Danach stellt Rudolph gegenüber dieser Zeitung fest: "Koch war an unserem Stand sehr entspannt. Ich glaube, er ist mit sich im Reinen. In Wiesbaden hatte er ja nicht mehr die große Lust gehabt."

Nur eine Fraktion ignoriert Koch. Am Stand der Linken geht er achtlos vorbei. Dort nimmt man es kopfschüttelnd zur Kenntnis: "Für einen Händedruck hätte es ja wohl noch reichen können - jetzt, wo er auf Abschiedstour ist."

Dafür schafft es einer von den Republikanern auf ein Foto mit Roland Koch. Ein Stadtallendorfer Kommunalpolitiker bittet Koch um eine gemeinsames Bild, postiert sich neben ihm und legt den Arm um seine Schultern. Koch ist ahnungslos, weiß nicht, wer da um ein vermeintliches Privatfoto gebeten hat. Der Marburg-Biedenkopfer Landrat Robert Fischbach (CDU) klärt Koch auf. Der Ministerpräsident wurde ausgenutzt, er verzeiht die Miene.

Mehr Informationen sowie ständig aktualisierte Bildergalerien zum Hessentag in Stadtallendorf finden Sie im Internet unter www.mittelhessen.de.


Bald ist Weihnachten. Schenken Sie doch einfach einem lieben Menschen 6 Wochen lang die Zeitung für die Region für nur 19,90 EUR.
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2010
Kommentare (0)
Mehr aus Hessentag 2010