Köhler überrascht auf beiden Seiten

CDU- und SPD-Politiker reagieren auf Rücktritt

"Bundespräsident Köhler hat immer eine klare eigene Meinung vertreten", attestierte Wagner dem scheidenden Staatsoberhaupt.

"Seine Rücktrittsbegründung überrascht mich", meinte der Fraktionschef. Er sei immer der Ansicht gewesen, dass der Bundespräsident zwar über dem politischen Tagesgeschehen stehe. "Ich frage mich aber, ob das Ansehen seines Amts durch die erwähnte Kritik in Mitleidenschaft gezogen wurde", erklärte Wagner.

"Aus meiner Sicht ist dieser Schritt fast noch überraschender als der Rücktritt von Roland Koch", sagte der ehemalige Landtagsabgeordnete Frank Gotthardt (CDU) aus Marburg. Ehe er eine Stellungnahme zu Köhlers Rücktritt abgab, bat sich Gotthardt etwas Bedenkzeit aus. Zu groß sei seine Überraschung darüber gewesen. "Wie bei allem, was der Bundespräsident macht, ist auch diese Entscheidung zu respektieren", befand der Christdemokrat. Allerdings sei er der Ansicht, dass man wegen einer Diskussion wie über Köhlers Äußerungen zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr nicht auf das höchste Staatsamt verzichten müsse. "Man muss solche Debatten auch mal aushalten", erklärte Frank Gotthardt.

Unverständnis: "Auch der Bundespräsident darf kritisiert werden"

"Ich kann mir noch keinen Reim auf das Geschehen machen", erklärte Landrat Robert Fischbach (CDU). Seiner Ansicht nach sei die Debatte um Köhlers Aussagen längst erledigt gewesen. "Für mich ist der Rücktritt nicht nachvollziehbar", sagte der Landrat.

Horst Köhler habe während seiner Amtszeit eine gute Figur gemacht: "Dieser Schritt bedeutet schon einen Verlust für Deutschland."

"Unglaublich", sagte Sören Bartol spontan, als er auf Köhlers Rücktritt angesprochen wurde. "Das entsetzt mich geradezu", führte der Marburger SPD-Bundestagsabgeordnete aus. Köhler sei es, der mit seinem Rücktritt dem Amt des Bundespräsidenten schade - und nicht die Kritik an seinen Äußerungen, meinte Bartol. "Wenn man sich in die Tagespolitik einmischt, muss man mit Widerspruch rechnen", sagte er. "Der Mann, der für das Projekt Schwarz-Gelb stand, ist weg", fügte der Sozialdemokrat hinzu. "Er hat gemerkt, dass seine zweite Amtszeit schlecht läuft. In der jüngsten Zeit hat er zu aktuellen Themen einfach nur geschwiegen." Er könne nicht verstehen, dass der Bundespräsident zurücktrete, weil er kritisiert werde: "Das ist eine sehr fragwürdige Angelegenheit."

Dieser Vorgang sei einmalig in der Geschichte der Bundesrepublik: "Ich konnte es zunächst nicht glauben." Es sei kein gutes Signal für das Amt des Bundespräsidenten, es "einfach hinzuschmeißen".

"Köhler hat sich mindestens ungeschickt geäußert, und dann muss er auch akzeptieren, dass jemand ihm das sagt", befand der Marburger SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Spies. "Die Aussage, sein Amt sei beschädigt, erscheint mir müßig." Falls es tatsächlich Schaden erlitten habe, dann wegen Köhlers Aussagen, meinte der Sozialdemokrat. "Die Drastik der Reaktion kann ich nicht nachvollziehen", stellte Spies fest. "Auch der Bundespräsident darf kritisiert werden."


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