MRSA - was tun Kliniken?

MEDIZIN Gesundheitsamt berichtet über Keime in Krankenhäusern

MRSA - ein multiresistenter Keim, dem auch Antibiotika nichts anhaben kann. In 1821 Fällen waren Patienten in mittelhessischen Krankenhäusern im Jahr 2010 mit MRSA infiziert. (Foto: dpa)

Das Gesundheitsamt des Lahn-Dill-Kreises sowie die Lahn-Dill-Kliniken berichteten am Donnerstag in Wetzlar den Politikern im Gesundheitsausschuss des Kreistags über die so genannten MRE (multiresistente Erreger), also über Bakterien, gegen die die meisten Antibiotika nichts ausrichten können.

MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) ist der laut Gesundheitsamt zurzeit noch bedeutendste Krankheitserreger unter den multiresistenten Keimen. Sie siedelten sich auf der menschlichen Haut an und seien dort zunächst keine Gefahr für die Gesundheit. Denn die gesunde Keimflora auf der Haut mache den MRE den Garaus. Die MRE könnten aber eine Infektion verursachen, wenn sie über Schleimhäute oder Wunden, zum Beispiel durch einen Katheter, in den Körper gelangen. Bei Patienten verursachten sie dann zum Beispiel Lungenentzündungen und Wundinfektionen.

Jedes Jahr würden sich in Europa etwa drei Millionen Patienten in Krankenhäusern mit solchen Keimen infizieren, etwa 50 000 Menschen würden daran versterben, erklärt das "MRE-Netz Mittelhessen" auf seiner Internetseite (www.mre-netz-mittelhessen.de). Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss der fünf mittelhessischen Landkreise Lahn-Dill, Gießen, Limburg-Weilburg, Marburg-Biedenkopf und Vogelsberg sowie des Regierungspräsidiums Gießen. Es will die Ausbreitung der multiresistenten Keime in den heimischen Kliniken bekämpfen.

Dr. Gisela Ballmann vom Gesundheitsamt des Lahn-Dill-Kreises ist Vorstandsmitglied des Netzwerks. Sie berichtete am Donnerstag über den Ist-Zustand und über Probleme in Mittelhessen. Das Netzwerk habe eine Umfrage in Mittelhessen gemacht. 33 Krankenhäuser hätten geantwortet - und für das Jahr 2010 insgesamt 1821 MRSA-Fälle gemeldet. Die Hälfte der Kliniken hatte in diesem Jahr mindestens 30 mit MRSA infizierte Patienten. 132 Pflegeheime meldeten unter ihren 28 774 Bewohnern 424 (1,5 Prozent) MRSA-Fälle. Und 119 ambulante Pflegedienste hätten unter ihren 28 285 Patienten 475 MRSA-Fälle (1,7 Prozent) gehabt.

MRSA-Keime würden zu 80 Prozent von außerhalb in die Kliniken mitgebracht, sagte Dr. Ballmann. "Das ist viel zu viel." Und sie bemängelte: Nur in 64 Prozent der Kliniken würden die Patienten bei der Aufnahme auf multiresistente Keime untersucht. "Das ist deutlich zu wenig."

Dr. Köneke: Kliniken in Dillenburg und Wetzlar testen neue Patienten

Dr. Norbert Köneke, Medizinischer Direktor der Lahn-Dill-Kliniken, berichtete über die Praxis in den Kreis-Krankenhäusern in Wetzlar, Dillenburg und Braunfels, über das Screening (Vorsorgeuntersuchung): "Wir haben eine MRSA-Checkliste." In den Lahn-Dill-Kliniken würden die Patienten nach zehn Kriterien befragt. Unter anderem: Hatte ein Bekannter oder Verwandter schon MRSA? Hatte der Patient eine Antibiotika-Behandlung? Kommt er aus einem Pflegeheim? Muss er auf die Intensiv- oder Dialysestation? Antworte der Patient nur einmal ja, werde ein Schnelltest gemacht. Das Ergebnis liege nach zwei bis drei Stunden vor. Zeige der Test einen Keim an, werde der Patient in ein Einzelzimmer verlegt. Außerdem werde dann genauer untersucht, eine Kultur angelegt, um herauszufinden, welcher MRE es sei. "Nach zwei Tagen wissen wir, ob es ein MRSA-Patient ist." Anschließend werde der Patient "saniert", also gegen den Keim behandelt.

Dr. Köneke erklärte auch: Seit 2010 gebe es keine Zunahme der MRE-Fälle in den Lahn-Dill-Kliniken. Die Zahl sei ziemlich stabil. Und die Zahl der Patienten, die sich einen Keim in den Kliniken holten, habe sich seit dem Screening halbiert.

Woher kommen die Keime? Sie würden durch den "unkritischen Einsatz von Antibiotika" begünstigt, sagte Dr. Ballmann. In Deutschland würden in der Humanmedizin in einem Jahr 360 Tonnen Antibiotika eingesetzt. Antibiotika töte die Keimflora auf der Haut ab, so hätten resistente Bakterien keine Konkurrenz durch andere Bakterien mehr und gute Chancen sich auszubreiten. Inzwischen müsse aber in deutschen Krankenhäusern der Antibiotika-Verbrauch erfasst werden.

Der MRSA-Keim sei aber nicht resistent gegen Desinfektionsmittel. Umso wichtiger sei eine konsequente Umsetzung der Hygiene-Vorgaben.


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