"Macht-Mathematiker hat den Spaß verloren"

Politikwissenschaftler Rupp sieht die Stunde des vermittelnden Politikertyps gekommen

Hans Karl Rupp: Absolut. Für diejenigen, die wie Koch mit Lust und Machtinstinkt Politiker sein wollen, sind mit der Schuldenbremse und Euro-Krise schwierige Zeiten angebrochen. Koch ist Macht-Mathematiker, er weiß genau, womit er ankommt und inwieweit es Sinn macht, sich mit Leuten anzulegen. Zurückliegende Wahlkämpfe belegen das. Anders als beispielsweise Christian Wulff (CDU) in Niedersachsen macht es Koch keinen Spaß, Ministerpräsident eines Landes zu sein, in dem Sparen die dominante Rolle spielt. Dass er in Berlin nicht landen konnte, kommt hinzu.

Wie wird sich Kochs Abgang auf die Hessen-CDU auswirken?

Rupp: Es ist eine Schwächung des konservativen CDU-Flügels. Dass Koch ausgerechnet seinen angeschlagenen Kumpel Volker Bouffier zum Nachfolger macht, erstaunt. Ihm scheint nicht bewusst zu sein, dass ein vermittelnder Politikertyp - etwa Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth - mehr Erfolg verspricht. Ausgerechnet Bouffier, der durch die Polizei-Affäre in Schwierigkeiten geraten ist. Das hat ein "Geschmäckle".

Wird Bouffier die CDU erfolgreich in Kommunalwahl 2011 und Landtagswahl 2015 führen können?

Rupp: Bouffier wird es bei der Hessenwahl in vier Jahren nicht packen, die CDU wird ihre Position verlieren. In der Politik sind künftig stärker zielbewusste Vermittler vom Typ Merkel gefragt, die das Schiff einigermaßen steuern können. Schwarz-Grün scheint unter Bouffier ausgeschlossen.

Wo werden wir Koch künftig sehen?

Rupp: Er könnte bei Fraport wieder auftauchen oder in einem anderen internationalen Konzern. Natürlich bleibt auch die Aufgabe des erfolgreichen Wirtschaftsjuristen reizvoll.


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