Marburg bleibt ihre Heimat

Griechin betrachtet die Krise

2001 ist die gebürtige Griechin nach Marburg gekommen, um dort an der Philipps-Universität zu studieren.

Gutes Verhältnis zu deutschen Kommilitonen hat sich nicht geändert

Inzwischen arbeitet die Studentin der Germanistik, die als Nebenfach Volkskunde belegt hat, als studentische Mitarbeiterin, engagiert sich im "Marburger International Club" (MIC), einer Initiative von Marburger Studierenden und Austauschstudenten.

"Mein Freundeskreis besteht aus Angehörigen verschiedener Nationalitäten", berichtet die 29-Jährige. Sie fühle sich wohl in Marburg, und von dem anfänglichen Plan, nach dem Studium wieder zurück nach Griechenland zu ziehen, sei sie mittlerweile abgerückt.

An dem guten Verhältnis auch zu deutschen Kommilitonen und Bekannten habe die ökonomische Krise in Griechenland mit ihren Auswirkungen auf das Gefüge der Europäischen Union nichts geändert, stellt Kleopatra Chroni klar. "Wieso sollte mich jemand dafür verantwortlich machen, was in meinem Geburtsland passiert?", fragt sie.

Hinzu komme, dass in dem universitären Umfeld, in dem sie sich bewege, das Interesse an einer ausgewogenen Information über globale Themen recht groß sei.

"Es genügt eben nicht, nur eine Tageszeitung zu lesen oder eine Nachrichtensendung zu sehen", meint Kleopatra Chroni. "Um sich ein Bild von einer Situation zu machen, sollte man sie aus verschiedenen Perspektiven betrachten."

Ihre Freunde und Bekannten bemühten sich um eine objektive Sichtweise und seien daher möglicherweise nicht repräsentativ für die vorherrschende Meinung. "Es ist ohnehin schwer zu sagen, wer nun die Schuld an einer Wirtschaftskrise trägt", sagt sie. In Griechenland seien Korruption und Schattenwirtschaft durchaus weit verbreitet. "Die griechischen Medien berichten über die Krise übrigens anders als die deutschen", kritisiert die 29-Jährige, wie die Situation in ihrem Geburtsland wahrgenommen werde.

"Ich telefoniere häufig mit meiner Familie in Griechenland, um zu erfahren, wie es den Menschen dort geht", sagt Kleopatra Chroni.

Dort wie hier werde häufig und ausführlich über die Krise diskutiert, die das Land derzeit beutelt: "Viele Griechen scheinen Verständnis für die angekündigten Sparmaßnahmen der Regierung zu haben."

Andererseits seien ihre Landsleute dafür bekannt, gerne und häufig zu protestieren, fügt sie lächelnd hinzu und erinnert an die landesweiten Protestaktionen. "Man muss die Lage, in der sich Griechenland befindet, als europäisches Problem betrachten", findet die Studentin.

Sie empfinde eine gewisse Anspannung, wenn sie an Griechenlands Zukunft denke, meint sie. "Ich würde nicht von Angst sprechen, aber natürlich haben wir es mit massiven Problemen zu tun, deren Entwicklung niemand vorhersagen kann", fürchtet die angehende Germanistin.

Daher beschäftige sich Kleopatra Chroni derzeit fast täglich mit der Situation in Griechenland: "Allerdings kann man nur zusehen - beeinflussen kann man sie nicht."


Bald ist Weihnachten. Schenken Sie doch einfach einem lieben Menschen 6 Wochen lang die Zeitung für die Region für nur 19,90 EUR.
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2010
Kommentare (0)
Mehr aus Nothilfeplan für Griechenland