"Marburg steht nicht allein"

Uni-Senat protestiert heute in Wiesbaden gegen geplante Kürzungen

Studenten kritisieren Verhalten von Ministerin Kühne-Hörmann

Dieser soll am Dienstag (11. Mai) nach abschließenden Verhandlungen am Rande einer Hochschulleitertagung in Wiesbaden unterzeichnet werden. Das Land Hessen und Ministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) hätten sich bisher jedoch nicht verhandlungsbereit gezeigt, kritisierte Anna Schreiber, Studentenvertreterin im Uni-Senat. Im Gegenteil sei versucht worden, die geplanten Kürzungen "von oben nach unten einfach durchzudrücken".

Die Situation sei daher sehr ernst: "Diese Kürzungen berühren das Funktionieren der Universität im Kern", sagte Professor Ulrich Wagner. "Wir gehen bereits jetzt finanziell auf dem Zahnfleisch." Auch ohne die erneuten Kürzungen im Zuge des Hochschulpakts der hessischen Landesregierung sei die Marburger Uni bereits seit Jahren unterfinanziert, und auch ohne diese werde es in diesem Jahr ein Defizit im Haushalt geben, sagte Wagner.

Gleichzeitig würden der Uni immer neue Aufgaben aufgebürdet. So sei etwa die Umstellung auf die neuen Studiengänge Bachelor und Master "praktisch kostenlos und durch die Universitäten selbst" umgesetzt worden.

Auch in der Uni-Bibliothek (UB) würden die Folgen der Kürzungen für die Studierenden bald sichtbar werden, erklärte UB-Mitarbeiterin Monika Lerp vom Senat: Das Ergebnis seien massiver Stellenabbau statt erweiterter Öffnungszeiten und weniger neue Bücher. "Wertschätzung sieht anders aus", kritisierte Lerp.

In der Bibliothek müssten die Leistungen für die Studenten in Zukunft stark zurückgefahren werden. In der UB sei daher bereits eine "Klagemauer" aufgebaut worden. Dort machen die Mitarbeiter mit Transparenten auf die Folgen der geplanten Kürzungen aufmerksam.

Weitere Einschnitte seien zudem bereits angekündigt, sagte Andreas Piper, Sprecher der wissenschaftlichen Mitarbeiter. So habe die Landesregierung angekündigt, Tariferhöhungen in Zukunft nicht mehr vollständig übernehmen zu wollen, sondern diese auf die Unis "abzuwälzen". Dabei hätte die Universität keinerlei Einfluss auf eventuelle Tariferhöhungen. Sie sei schließlich nicht an den Verhandlungen beteiligt, sagte Piper. Aus diesen Gründen wolle man am heutigen Dienstag das Grundrecht auf Demonstration ausüben, um auf die Situation an der Universität aufmerksam zu machen.

Ob Uni-Präsidentin Katharina Krause den Pakt unterzeichnen werde, sei schwer abzuschätzen, sagte Wagner. Mit dem Protest wolle man daher eines erreichen: "Druck ausüben, damit endlich auf Augenhöhe verhandelt wird." Das Problem gehe alle Unis in Hessen an, sagte Schreiber: "Marburg steht nicht allein."


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