Mit Ehrgeiz gegen Parkinson

Training für mehr Selbstständigkeit

In der Bewegungstherapie mit Christiane Wagner übt Antun Ivan eine bessere Koordination. (Foto: vitos)

Antun Ivan geht voraus. Im Aufenthaltsraum der Station will er seine Geschichte erzählen. Dort ist am meisten Ruhe, sagt er.

Er hat keine Eile, läuft etwas gebeugt. Vor drei Wochen war nicht daran zu denken, dass er sich ohne Schmerzen bewegt. Davon merkt ein Außenstehender nichts mehr.

Seit seiner Ankunft in der Vitos Klinik für Neurologie in Weilmünster hat sich einiges verändert für den 74-jährigen.Zu einer aktivierenden Therapie für Parkinsonpatienten ist er nach Weilmünster gekommen. Dort wird er von Oberarzt und Neurologe Ulrich Mittnacht behandelt. Die Therapie soll dabei helfen, dass er möglichst lange so selbstständig wie möglich bleiben kann. Ivan ist auf einem guten Weg, sagt er selbst: "Ich habe keine Schmerzen wieder und kann viel länger laufen - was will ich mehr."

Etwas Wehmut bleibt: Dass er nicht mehr selbst im Verein Tischtennis spielen kann, lässt Antun Ivan nicht los. Fast 50 Jahre ist er Mitglied im Hessischen Tischtennis-Verband, die vergangenen 25 Jahre hat er für seinen Heimatverein an der Platte gestanden. Und eigentlich ist er noch immer bei jedem Spiel mit dabei.

Zu gern würde er den Ball wieder vom Boden aufheben und zum nächsten Aufschlag ansetzen. Seine Krankheit steht ihm dabei im Weg.

"Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag als ich merkte, dass etwas nicht stimmt"

Parkinson - vor zwei Jahren bekam er die Diagnose. "Ich erinnere mich noch ganz genau an den Tag als ich merkte, dass etwas nicht stimmt", sagt er. Am 3. September 2014 sollte er den neuen Personalausweis unterschreiben, aber was dabei herauskam "war keine richtige Unterschrift mehr".

Der mittlerweile 74-Jährige ging zum Hausarzt, der überwies ihn an einen Neurologen. Eine MRT-Aufnahme half, andere Ursachen auszuschließen. Von da an ging es immer ein bisschen weiter bergab, berichtet Antun Ivan. Bis er "vor lauter Schmerzen nicht mehr aus dem Haus" kam.

Für den ehemaligen Sportler, der mit seiner Frau auch gern in der Natur unterwegs war, kaum zu ertragen. Bei seiner Suche nach Hilfe ging er von einem Arzt zum nächsten. Keiner konnte ihm wirklich helfen.

Niemand dachte zunächst an eine Begleiterscheinung von Parkinson. Irgendwann erhielt er den Tipp, mit einem Neurologen zu sprechen.

So kam er dann vor einigen Wochen in die Vitos Klinik für Neurologie nach Weilmünster. "Hier helfen Sie mir, mich besser zu konzentrieren, meine Bewegungen zu kontrollieren und deutlicher zu sprechen", erzählt Ivan.

Übungen tragen dazu bei, dass die Befehle vom Gehirn an die richtige Stelle gelangen

Haben die Schmerzen ihn zuvor noch schier gelähmt, hat er jetzt keine mehr.

Alles funktioniert ein wenig besser als zuvor.

"Wenn ich alles so mache, wie die Therapeuten mir sagen, dann hilft das", sagt der Patient. Verschiedene Übungen tragen dazu bei, dass die Befehle wieder besser vom Gehirn an die richtige Stelle gelangen.

Mit dem Sprechen ist er allerdings noch nicht so zufrieden. "Es fühlt sich immer an, als hätte ich einen Frosch im Hals, wenn ich rede. Dann muss ich immer erst mal husten." Insgesamt klingt er heiser. Bevor er wieder nach Hause kommt, will Antun Ivan das auf jeden Fall noch verbessern. Weniger als das optimale Ergebnis kommt für ihn nicht in Frage, auch bei der Konzentration und der Bewegung nicht.

Auch wenn er wahrscheinlich mit seiner Frau nicht mehr die alte Strecke von fünf Kilometern mit Nordic-Walking-Stöcken zurücklegen können wird. 500 Meter sind sein Ziel.


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