Mit Video: 30-Tonnen-Klotz sorgt rund um die A 45 für Chaos

Spannkonstruktion der Autobahn-Talbrücke Sechshelden beschädigt
Mit zwei Schwerlastkränen musste der Betonklotz weggehoben werden. An der Stirnseite des Ankerteils sieht man die Reste
Mit zwei Schwerlastkränen musste der Betonklotz weggehoben werden. An der Stirnseite des Ankerteils sieht man die Reste der Bolzen, mit denen es an der Brücke montiert waren. Alle waren abgeschert. (Foto: Fritsch)
Von der Autobahnauffahrt Dillenburg aus ging es nur in Richtung Süden weiter. Wer nach Norden wollte, schob sich mühsam
Von der Autobahnauffahrt Dillenburg aus ging es nur in Richtung Süden weiter. Wer nach Norden wollte, schob sich mühsam von hier mit anderen bis zur Auffahrt auf der Kalteiche. (Foto: Fritsch)
Erste Bilder des Klotzes, der dafür da war, die Bänder zu halten, mit denen die Brücke zusätzlich gespannt wurde. Die Bo
Erste Bilder des Klotzes, der dafür da war, die Bänder zu halten, mit denen die Brücke zusätzlich gespannt wurde. Die Bolzen (Bildmitte oben), die den Koloss hielten, sind sämtlich abgeschert. Der Betongigant blieb an den Haltebändern hängen. (Foto: Fritsch)
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Zwei Dutzend armstarke  Bolzen waren aus ungeklärter Ursache  abgeschert, und der gigantische Ankerblock schnellte zunächst auf den nächsten Pfeiler zu und pendelte sich dann an den Spanntrossen über dem Wirtschaftsweg aus, der parallel zur Bahnstrecke und zur Willi-Thielmann-Straße  unter der Brücke hindurch führt. 

Video: J. Fritsch

Video: J. Fritsch

Erst im Herbst vergangenen Jahres war der Betonblock dort verankert worden. Denn die Sechsheldener Talbrücke muss dringend saniert werden – noch vor dem Total-Neubau, der 2016 beginnn soll.  Der Ankerblock war nötig, um der Brücke zusätzliche Stabilität zu verleihen.

Er hält – oder hielt bis in die Nacht zu Dienstag – außen unter der Brücke liegende Spannglieder. Die sollten dafür sorgen, dass das Bauwerk den zunehmenden  Last- und Schwerverkehr aushält. 
Als erstes machte sich der Vorfall  bei der Bahn bemerkbar, die in der Nacht eine Störung der Oberleitung registrierte: Offenbar hatte aus dem Betonklotz herausragender  Armierungsstahl die Oberleitung  beschädigt.

Die Bahn ließ den Zugverkehr in beiden Richtungen am Dienstagvormittag einstellen und schickte einen Reparaturzug, dessen Besatzung die Leitung instandsetzte.

Das Amt für Straßen- und Verkehrswesen machte am Vormittag die Autobahn komplett dicht. Zwischen Dillenburg und Haiger/Burbach durfte niemand mehr fahren, weil zunächst nicht auszuschließen war, dass die Standfestigkeit der Brücke gelitten haben könnte.

Ingenieure, Statiker und  und Vermessungsspezialisten kamen in Sechshelden zusammen und prüften die Auswirkungen des Vorfalls. In der Zwischenzeit mussten zwei Schwerlastkräne an die schlecht zugängliche Stelle bugsiert werden, um den Betonkoloss zu bergen.

Gleich ob in Bus, Bahn oder Auto – alle mussten auf das Prüfergebnis warten

Klarheit über die Sicherheit der Brücke gab es erst am späten Nachmittag. Da sich die Verankerung am westlichen Brückenende von der nach Wetzlar führenden Richtungsfahrbahn gelöst hatte, verordneten Amt und  Autobahnpolizei eine Sperrung für alle Lastwagen, die schwerer sind als 7,5 Tonnen. Alle anderen durften wieder in Richtung Süden fahren. Bereits zuvor war die Fahrbahn in Richtung Siegen wieder für alle Fahrzeuge  freigegeben worden.
 
In der Zwischenzeit war es zu starken Behinderungen gekommen.  Die Staus auf der Autobahn reichten bis zu den Auffahrten Siegen-Süd und Herborn-West zurück. Die Umleitungsstrecken waren zeitweise völlig überlastet. In der Haigerer Innenstadt wie auf der halbfertigen  Ortsumgehung schoben sich die Fahrzeuge förmlich über die Bundesstraße B 277 in Richtung Kalteiche und  Dillenburg, wo man wieder auf die Autobahn zurückkehren konnte.  Wegen des Rückstaus  waren viele auch bereits in Herborn-Süd abgefahren, um spätestens in der Frankfurter Straße in Dillenburg wieder zu stehen.

Die Reisenden der Deutschen  Bahn, der Hellertalbahn und der Hessischen Landesbahn mussten sich ebenfalls gedulden, denn alle Zugfahrten endeten in Haiger und Dillenburg. Wer das Nadelöhr  Sechshelden passieren wollte,  musste einen der eingesetzten Sonderbusse nehmen,  um dann in diesem wiederum im Stau zu stehen.

Wie es zu dem Abriss der Bolzen und  zur Lösung des Betonbrockens kommen konnte, wissen die Experten indes noch nicht. Ein Sprecher des zuständigen Amtes für Straßen- und Verkehrswesen in Frankfurt erklärte lediglich, dass die Experten nach den Ursachen suchen. Eine Aussage darüber, wann die Teilsperrung denn wieder aufgehoben werden kann, ist noch nicht möglich, sagt Pressesprecher Stefan Hodes: "Wir sind uns der Sensibilität der A 45 vollstens bewusst. Wir versuchen, das so schnell wie möglich in Ordnung zu bringen."

(Video: Jörg Fritsch)


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