Mit Video: Frühchentod wird weiter geprüft

Frühchentod wird weiter geprüft
Stefanie Wied, Verwaltungsleiterin des Siegener DRK-Kinderkrankenhauses, steht einem ARD-Fernsehteam Rede und Antwort. (
Stefanie Wied, Verwaltungsleiterin des Siegener DRK-Kinderkrankenhauses, steht einem ARD-Fernsehteam Rede und Antwort. (Foto: U. Geis)

Dass der Schritt der Klinikleitung in die Öffentlichkeit nötig war, dokumentierte das riesige Medienecho. Fast 100 Journalisten wollten mehr über Ursachen und Hintergründe des Todes der drei "Frühchen" wissen. Viel Neues erfuhren sie dabei allerdings nicht.

Das liege zum größten Teil daran, dass die Ermittlungen zum Tod der Kinder in den Händen der Siegener Staatsanwaltschaft lägen, erklärte Stefanie Wied. Intern habe die Klinik in den letzten Tagen nach Schwachstellen, wie sie sagte, gefahndet und dabei auch externen Sachverstand einbezogen. "Man kann nie ausschließen, dass man in einigen Punkten betriebsblind wird", erläuterte die Verwaltungschefin.

Allerdings hätten sich innerhalb des Krankenhausbetriebes keine Anhaltspunkte für Infektionen, an denen die Frühgeborenen möglicherweise erkrankt und gestorben seien, feststellen lassen. "In der Klinik ist kein Risiko gefunden worden."

Normalerweise haben Frühchen in Siegen besonders gute Chancen

Pressekonferenz vom September 2011

Video: Kay-Helge Hercher

Die auf ähnlich tragische Ereignisse in der Uniklinik Mainz zielende Frage, ob man auch die Infusionen, die die Säuglinge erhalten hatten, überprüft habe, beantwortete Stefanie Wied leicht gereizt: "Wir wären doch sonst vernagelt." Nicht nur die Eltern der gestorbenen Kinder, sondern auch die Mitarbeiter der Siegener Kinderklinik seien traumatisiert. "Wir sind alle sehr betroffen. Es fällt uns schwer, das Geschehene zu kommunizieren", erläuterte sie. Wichtig sei es nun, die Ursachen zu ermitteln. "Der Eltern wegen und aus medizinischen Gründen."

Besonders beeindruckt sei sie, dass die Eltern der 14 Kinder, die nach wie vor auf der Frühgeborenen-Station betreut würden, "zu uns stehen", betonte Stefanie Wied. "Wir haben viel Zuspruch von deren Seite erfahren. Dass sie uns nicht meiden, ist auch für die Mitarbeiter des Hauses wichtig, die unter der Situation ebenfalls sehr leiden."

Es sei nicht ungewöhnlich, erklärte Dr. Jens G. Riedel, dass Frühgeborene sterben. Ihm sei allerdings kein weiterer Fall bekannt, bei dem drei Kinder in so kurzem Abstand an den gleichen Symptomen gestorben seien.

Jedes zehnte Kind komme zu früh zur Welt, erklärte der Ärztliche Direktor der Kinderklinik. Unter den 400 Neugeborenen, die von der Klinik im vergangenen Jahr versorgt worden seien, hätten sich 69 Frühgeburten mit einem Gewicht von weniger als 1500 Gramm befunden. Und: Diese hätten in seinem Haus landesweit eine überdurchschnittliche Überlebenschance, betonte Riedel.

Ohne Details des gesundheitlichen Zustands der drei toten Säuglinge zu offenbaren, erklärte der Chefarzt der Neugeborenen-Station, Professor Dr. Rainer Burghardt, dass sie allesamt in einem "extrem unreifen Zustand" das Licht der Welt erblickt hätten.

Während das türkische Mädchen aus Dillenburg bereits drei Monate alt war, waren die beiden anderen Kinder erst zwei und fünf Tage alt.

Sie seien binnen sechs bis 18 Stunden gestorben. "Wir kamen immer einen Schritt zu spät", bedauerte der Chefarzt .

Ohne den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft vorgreifen zu wollen, hoffe er, so Burkhardt, "dass die Häufung von drei Fällen in kurzer Zeit einfach nur ein Zufall ist."

(Video: Kay-Helge Hercher)


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