Mit Video: Neuer Glanz für die Lichtspiele

Jörg Schäfer will das Weilmünsterer Kino sanieren / Auch Kleinkunst ist geplant
Einmal in der Woche tauscht Kinobetreiberin Monika Buchholz den Platz hinter der Bar in ihrem Kinosaal gegen einen der g
Einmal in der Woche tauscht Kinobetreiberin Monika Buchholz den Platz hinter der Bar in ihrem Kinosaal gegen einen der großen, roten Sessel und schaut den aktuellen Film. Schließlich will sie wissen, wie die Besucher auf ihre Wahl reagieren. (Fotos: Jansen)
Gemeinsam arbeiten sie an der Zukunft der Saalbau Lichtspiele Weilmünster (von links): Architekt  Stephan Radu, Investor
Gemeinsam arbeiten sie an der Zukunft der Saalbau Lichtspiele Weilmünster (von links): Architekt Stephan Radu, Investor Jörg Schäfer und Kinobetreiberin Monika Buchholz.
Zur Eröffnung des Kinos 1919 erschien im  Weilburger Tageblatt diese Anzeige.
Zur Eröffnung des Kinos 1919 erschien im Weilburger Tageblatt diese Anzeige.
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Lichtspiele Weilmünster

Im Oktober vergangenen Jahres hat Jörg Schäfer zusammen mit seinem Vater Hermann das Kino gekauft. Er will investieren. Das Gebäude energetisch sanieren, den Brandschutz auf den neusten Stand bringen und eventuell einen zweiten Saal anbauen. Monika Buchholz bleibt Betreiberin. Pläne hat Architekt Stephan Radu bereits gemacht. 1,4 Millionen Euro würde die Sanierung und der Anbau eines zweiten Saales kosten. Drei Monate rechnet der Architekt für die Genehmigungen, weitere neun Monate für die Bauzeit.

Ob es tatsächlich einen zweiten Saal geben wird, ist aber noch nicht sicher. Derzeit prüfen Kino-Spezialisten in Düsseldorf, ob sich das rechnen würde. Jörg Schäfer will außerdem versuchen, Fördergelder bei der Filmförderungsanstalt zu bekommen. Mit dem Kino reich zu werden, das sei nie sein Anliegen gewesen. "Daraus einen rentablen Betrieb zu machen, ist illusorisch. Das ist ein Hobby", sagt Schäfer.

Die alte Bühne hinter der Leinwand soll wieder genutzt werden

Beim Rundgang durch das Kino ist die Begeisterung von Schäfer und Buchholz für das 1910 erbaute Haus förmlich greifbar. Hinter der Leinwand haben sie die alte Bühne des einstigen Saalbaus gefunden. Sie soll restauriert und bald wieder bespielt werden. Die Leinwand wandert dann ans Ende der Bühne. Einmal im Monat sollen im Kino Kleinkünstler und Musiker auftreten.

Doch die alte Bühne ist nicht die einzige Perle, die bei der Inspektion zum Vorschein kam. Auf dem Dach hat Radu eine alte Holzkuppel entdeckt. Im Inneren wird sie von einer gespannten Textildecke verdeckt. "So etwas habe ich noch nie gesehen. Die würden wir gerne wieder freilegen", sagt der Architekt.

Im Foyer soll es künftig außerdem mehr Sitzplätze geben. Neben Cocktails und Wein will Buchholz dann auch kleine Speisen servieren. "Ich wünsche mir so sehr, dass das neue Konzept funktioniert", sagt Buchholz.

Als ihr Schwiegervater vor 17 Jahren starb, stolperte Buchholz in den Betrieb. "Meine Eltern hatten eine Gaststätte, von Kino hatte ich keine Ahnung", erinnert sich Buchholz. Die Schwiegermutter hatte ihr Leben lang nur geputzt und Karten verkauft. Bei Verhandlungen mit Filmverleihern konnte sie nicht helfen. Schritt für Schritt erarbeitete Buchholz sich das Handwerk. Die große Liebe zu Kino half ihr dabei. In der Gaststätte ihrer Eltern wurde immer Werbung für das örtliche Kino gemacht, dafür bekam die Familie Freikarten - ihr erster Zugang zu Kino. "Als ich dann zum ersten Mal in den Lichtspielen meiner Schwiegereltern war, hab ich mich sofort verliebt."

Für seinen Heiratsantrag ließ ein junger Mann den Film stoppen

Noch heute setzt sie sich jeden Donnerstag, wenn der neue Film anläuft, unter ihre Kunden. "Ich will sicher gehen, dass alles funktioniert, die Reaktionen der Menschen sehen und schließlich muss ich meinen Besuchern ja auch etwas zu dem aktuellen Film sagen können", erklärt die gebürtige Limburgerin. Meist sind es Stammkunden, die die Lichtspiele besuchen - sie kommen aus Weilburg, Limburg oder auch aus Braunfels. Und von ihrem Kinovergnügen lassen sie sich durch kaum etwas abhalten. Zur Premiere des ersten Teils der "Herr der Ringe"-Trilogie fiel die Heizung aus - und das bei 15 Grad minus. "Diesen Abend werde ich nie vergessen. Ich war so stolz, dass ich den Film zum Start bekommen habe, vor der Tür standen 80 Leute und im Kino war es eiskalt." Doch 60 Besucher ließen sich nicht schocken. Ein Teil fuhr nach Hause und versorgte anschließend den Saal mit Decken. "Wir saßen da, eingemummelt und man konnte sogar den Atem sehen", erzählt Buchholz schmunzelnd.

Doch den schönsten Moment in ihrem Kino bescherte ihr ein junger Mann. Er ließ den Film nach einigen Minuten stoppen, fiel vor seiner Freundin auf die Knie und machte ihr vor dem gesamten Kinosaal einen Heiratsantrag. Einen Strauß roter Rosen hatte er zuvor in einer Ecke des Saals versteckt, die Familie in den hinteren Reihen des Kinos platziert. "Damit die Freundin von all dem nichts mitbekam, wurde arrangiert, dass sie zu spät kommt - ein schöner Abend", schwärmt Buchholz. Momente wie diese haben ihr in den vergangenen 17 Jahren immer wieder die Kraft gegeben, um ihr Kino zu kämpfen.


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