Mit Video: Schnuppertag für "Boys" und "Girls"

Andere Besetzungen für typische Berufe
Linda Maria Paul, Franziska Rompf und Kim Celine Weber bereiten in der Bäckerei Gabriel in Herbornseelbach Brötchen vor.
Linda Maria Paul, Franziska Rompf und Kim Celine Weber bereiten in der Bäckerei Gabriel in Herbornseelbach Brötchen vor. Der Girlsday begann für sie um 5.30 Uhr. (Foto: K. Weber)
Christina Leinweber und ihre Freundin Elisa Kennedy aus Ehringshausen lassen sich von Forstwirt Jannik Bando erklären, w
Christina Leinweber und ihre Freundin Elisa Kennedy aus Ehringshausen lassen sich von Forstwirt Jannik Bando erklären, wie die schweren Motorsägen funktionieren. Selbst sägen durften sie nicht, denn dafür hätten sie mindestens 16 Jahre alt und mit Schutzkleidung ausgerüstet sein müssen. (Foto: Heller)
Sabine Schertler zeigt Boys-Day-Gast Max Fröhlich im Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt in Herborn, wie man mit Medikament
Sabine Schertler zeigt Boys-Day-Gast Max Fröhlich im Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt in Herborn, wie man mit Medikamenten umgeht. (Foto: K. Weber)
Floristin Josefa Wieck zeigt ihrem "Boys Day"-Praktikanten Leon Weber, wie man einen Margheritenbusch fachgerecht verpac
Floristin Josefa Wieck zeigt ihrem "Boys Day"-Praktikanten Leon Weber, wie man einen Margheritenbusch fachgerecht verpackt. (Foto: Geis)
Tanju Köroglu, Michael Kling und Sebastian Weirich machten in der Kindertagesstätte in Herborn ordentlich Musik. (Foto:
Tanju Köroglu, Michael Kling und Sebastian Weirich machten in der Kindertagesstätte in Herborn ordentlich Musik. (Foto: Geis)
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Die Freundinnen waren fleißig und interessiert, halfen, wo es etwas zu tun gab, und durften auch für sich selbst zuckriges Backwerk herstellen. "Der Bäckerberuf hat uns am meisten von den Berufen interessiert, die Angeboten wurden", sagte Kim Celine.

Girlsday

In der Bäckerei in Seelbach erfuhren sie jede Menge über das Bäckerhandwerk. Rainer Gabriel zeigte ihnen beispielsweise auch, wie früher Brote gebacken wurden. Nebenan im alten Backhaus. Wohl fühlten sich die drei 13-Jährigen trotzdem. Zumal sie um 12 Uhr Feierabend hatten. Früher als ihr Schultag zu Ende gewesen wäre.

Nicht ganz so früh aufstehen, dafür hier und da kräftiger zupacken mussten gestern drei mutige Mädchen beim Sinner Forstunternehmen Klute. Bianka Kraus aus Kölschhausen, Christina Leinweber und Elisa Kennedy aus Ehringshausen fanden es trotzdem toll. "Wir wollten was in der Natur machen, und nicht in irgend einer Werkstatt stehen", sagte Christina Leineweber.

Revierförster Robert Mann, Forstwirtschaftsmeister Thomas Klute und der angehende Forstwirt Jannik Bando zeigten den Mädchen, wie Motorsägen funktionieren, wie Stämme vermessen, ausgezeichnet, zerschnitten und gerückt werden.

Insgesamt nahmen im Lahn-Dill-Kreis 30 Handwerksbetriebe an dem Mädchen-Aktionstag teil. Die meisten davon im Süden des Landkreises.

Seit das Handwerk sich am "Girls Day" beteiligt, konnten im Lahn-Dill-Kreis über 450 Plätze für den Aktionstag zur Verfügung gestellt werden, erläuterte Manfred Weber, stellvertretender Leiter der Geschäftsstelle Mittelhessen der Handwerkskammer Wiesbaden.

Vor vier Jahren schloss sich die Handwerkskammer dem bundesweiten Zukunftstag an. Weber sieht im "Girls Day" eine große Chance für die Zukunft des Handwerks: "Die Wirtschaft kann auf Frauen als Arbeitskräfte nicht verzichten. Die Welt der Technik und des Handwerks ist nicht nur eine Männerdomäne, sondern sie braucht ganz einfach auch die Kompetenz und Kreativität von jungen Mädchen und Frauen."

Jungen schnupperten in typische Mädchenberufe herein

Zum ersten Mal fand gestern parallel zum "GirlsDay" auch der "Boys Day" statt. Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Herborn hatte Jungen eingeladen, Pflegeberufe kennenzulernen. Max Fröhlich nutzte die Chance. Der 13-Jährige Herborner, der die Westerwaldschule in Driedorf besucht, bekam einen Einblick in den Beruf des Altenpflegers und schaute auch mal beim "Sozialen Dienst Beschäftigung" der AWO rein.

"Ich wollte mal schauen, was viele Mädchen machen, wenn sie mit der Schule fertig sind", erläuterte er seine Beweggründe. Und: "Ich war einfach neugierig."

Sabine Schertler, Pflegefachkraft bei der AWO, stand dem Jugendlichen sechs Stunden lang für Fragen zur Verfügung. Sie zeigte ihm, was alles zu dem großen Berufsfeld des Altenpflegers gehört. Spritzen setzen, Medikamente herrichten, verteilen und verabreichen, Sondenkost einhängen, die Bewohner waschen und bei Toilettengängen begleiten und noch viel mehr, erläuterte sie Max.

Altenpfleger will Max aber trotzdem nicht werden. Das komme derzeit aber nicht in Frage. Lieber möchte er einen typischen Männerberuf ergreifen: "Ich möchte etwas mit Autos machen."

Als Dorian Müller gestern pünktlich um acht Uhr zum Dienst erschien, war er an die Stätte seines früheren Wirkens zurückgekehrt. Gemeinsam mit Tanju Köroglu, Michael Kling und Sebastian Weirich hatte sich der Siebtklässler im Rahmen des "Boys Days" für einen Tag in der Kindertagesstätte in der Herborner Konrad-Adenauer-Straße entschieden. Hier hatte der 13-Jährige vor knapp zehn Jahren selbst seine ersten selbstständigen Schritte in die Gesellschaft unternommen. "Einige der Erzieherinnen kenne ich noch von damals", erzählte Dorian, nachdem er die erste Hälfte seines Arbeitstages absolviert hatte. Der Gymnasiast ließ wie seine Jahrgangskollegen Sebastian Weirich und Michael Kling keinen Zweifel daran, dass es die richtige Wahl war.

Alle hatten sich für die Kindertagesstätte entschieden, weil zum einen die Palette der Berufe, die vermeintlich nur Mädchen vorbehalten sind, relativ klein ist. Zum anderen "macht mir die Arbeit mit den Kindern auch viel Spaß", versicherte er, und seine beiden Klassenkameraden nickten zustimmend. Michael Kling hat selbst einen kleinen Bruder. "Ich mag Kinder."

Dass dies keine leeren Worte waren, bescheinigte am Ende Gabriela Brawetz, Erzieherin an der Kindertagesstätte, dem Pennäler-Quartett. "Die vier konnten wir richtig gut gebrauchen", resümierte sie.

Alleine unter Frauen verbrachte nur knapp 100 Meter weit von der Kita entfernt Leon Weber seinen ersten Arbeitstag in einem frauen-typischen Beruf. Weil er Blumen gerne attestiert, dass sie nicht nur schön anzusehen sind, sondern auch gut riechen, hatte der 13-Jährige sich in den Kreis der Floristinnen eines Blumenhauses begeben. "Pflanzen motivieren mich", bekräftigte er, während er in den Regalen nachsah, ob Margeriten, Geranien, Phloxe und andere Frühblüher genügend Wasser hatten. Leon Weber brauchte nicht lange für ein erstes Erfolgserlebnis. "Ich durfte schon nach kurzer Zeit ein Margeriten-Stämmchen dekorieren", erzählte er stolz, um Sekunden später an der Theke ein weiteres für einen Kunden einzuwickeln.

Auch einen Strauß habe er unter Anleitung von Josefa Wieck gebunden. Dass aber auch Floristen nicht nur kreativ tätig sind, sondern auch zupacken müssen, erlebte er kurz vor Mittag. Nachdem er die Gänge gefegt hatte, fuhr ein Lieferwagen vor. Und da musste Leon beim Ausladen helfen.


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