Mit Video: Sechsheldener haben Angst

Nachdem Betonklotz von A-45-Brücke stürzte, "ist das Vertrauen zerstört"
Ein Sachverständiger bohrt eine Probe aus dem herabgestürzten Betonklotz  unter der A-45-Brücke bei Sechshelden.  Noch i
Ein Sachverständiger bohrt eine Probe aus dem herabgestürzten Betonklotz unter der A-45-Brücke bei Sechshelden. Noch ist unklar, warum sich der 30-Tonnen-Koloss von dem Brückenbauwerk gelöst hat.(Foto: Fritsch)
Rainer Buhl - MuT

Video: J. Fritsch

Der Vorsitzende der Bürgerinitiative, Rainer Buhl, sagte: "Wir sind stark schockiert und verängstigt." Und er fragt: "Ist die Sicherheit dieser Talbrücke noch gegeben? Kann noch mehr passieren?"

Nach Angaben von MuT-Sprecher Armin Schnurr hat der krachende Sturz des 30-Tonnen-Betonklotzes in der Nacht zum Dienstag Sechsheldener aus dem Schlaf gerissen. Einige hätten verängstigt aus den Fenstern geschaut. Sofort seien wieder die Erinnerungen an zwei Lastwagen-Unfälle an dieser Autobahnbrücke wach geworden. Vor Jahren war ein Gemüselaster von der Brücke auf einen darunter stehenden Schuppen gestürzt.

Der Sprecher des zuständigen Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) in Dillenburg, Marco Gräb, sagte am Mittwoch: "Ich kann die Bürger beruhigen. Wir gehen auf Nummer sicher, bis die Ursachen geklärt sind, warum sich der Betonklotz gelöst hat." Es sei ein unglücklicher Zufall, dass erst in der vergangenen Woche Beton von einem Teil der Brücke gebröckelt und auf die darunter liegende B 277 gefallen sei und sich nun der Betonklotz gelöst habe. Das eine habe aber mit dem anderen nichts zu tun. Die Betonbrocken hätten sich im Rahmen von Abbrucharbeiten an der Brücke gelöst. Der 30-Tonnen-Klotz habe dagegen seinen Dienst versagt. Die Ursache werde von einem unabhängigen Sachverständigen untersucht.

Die Autobahn-Talbrücke soll ab 2017 Zug um Zug abgerissen und zugleich neu gebaut werden - so wie sieben weitere Autobahnbrücken auf dem A-45-Abschnitt zwischen Wetzlar und Haiger auch. Die geplante Bauzeit: etwa zwei bis drei Jahre.

Die Brücke war 1968 für damals gut 19 Millionen D-Mark fertiggestellt worden. Inzwischen ist sie aber nach Angaben des ASV "in die Jahre gekommen". Die Statik war für den damaligen Verkehr ausgelegt, und damals fuhren täglich 20 000 Fahrzeuge über die A45. Heute sind es bis zu 71 300 Fahrzeuge täglich.

Derzeit werden die Brücken mit Beton und Stahl stabilisiert. Denn während der folgenden Bauarbeiten muss der Verkehr von vier Fahrbahnen auf jeweils eine Brückenhälfte geleitet werden. Auch der 30-Tonnen-Betonklotz, der sich in der Nacht zum Dienstag unter der Talbrücke löste und nur noch an Stahlseilen hing, sollte das Bauwerk extra stabilisieren, er war erst im vorigen Herbst angebracht worden.

"Die Toleranz der Bürger zu einem Brückenneubau ist mit diesem Tag aufgebraucht"

Die Sechsheldener Bürgerinitiative befürwortet zwar den Abriss der A-45-Talbrücke, ist aber gegen den derzeit geplanten Neubau. Das Bauwerk soll an derselben Stelle wieder errichtet werden - eventuell sogar sechsspurig, also insgesamt rund fünf Meter breiter, wenn der Bundestag im Jahr 2015 zustimmt. Die Sechsheldener fordern dagegen eine Verlegung der Trasse - weg vom Ort. Sie wollen den Lärm der täglich bis zu 71 300 Fahrzeugen über ihren Köpfen loswerden. Sie wollen auch raus aus dem Schatten des Bauwerks. Und sie wollen sich nicht mit dem Wertverlust ihrer Grundstücke direkt unter der Autobahn abfinden.

Der Pressewart der Sechsheldener Bürgerinitiative, Armin Schnurr, teilte am Mittwoch weiter mit: "Die Toleranz der Bürger zu einem noch breiteren Brückenneubau und damit noch näher zu den Anwohnern von Sechshelden, ist mit diesem Tag ein für allemal aufgebraucht."

Die Bürgerinitiative MuT habe bereits in Wiesbaden und Berlin alternative Trassenkonzepte vorgestellt, die eine größere Sicherheit für die Sechsheldener und die Durchreisenden gewährleiste. Der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) zeige aber bis heute kein Interesse und spiele so arglos mit Gesundheit und Leben hessischer Bürger.

Posch hatte erklärt, dass eine Verlegung der Autobahn unrealistisch sei. Allerdings sagte das Bundesverkehrsministerium im Januar dieses Jahres die Prüfung einer alternativen Trassenführung der A 45 zu. Das Land Hessen solle analysieren, ob eine südliche Verlegung möglich sei.



(Video: Jörg Fritsch)


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