"Wir haben eine sehr, sehr gute Deckung gespielt", freute sich Michael Müller. "Wir wollten unbedingt gewinnen und waren richtig geil auf den Sieg. Zu jedem Zeitpunkt des Spiels. Ich glaube, das haben alle gemerkt", lobte der neue Mannschaftskapitän den Teamgeist. "Aber es sind nur zwei Punkte. Diesen Überraschungserfolg gilt es nun in Balingen zu bestätigen."
Zum großen Rückhalt der Gastgeber avancierte gestern Abend Keeper Nikolai Weber. In der 22. Minute für den glücklosen Nikola Marinovic eingewechselt, steigerte sich der 31-Jährige immer mehr und zog dem Meister von 2011 in der zweiten Halbzeit mit einer Serie von Glanztaten den Zahn. Am Ende brachte es Weber auf 19 gehaltene Bälle, darunter einen Siebenmeter von Hans Lindberg (42.).

"Es war wichtig, dass Weber gekommen ist", atmete HSG-Trainer Kai Wandschneider nach dem Coup tief durch, "der Erfolg wird meiner Truppe großes Selbstvertrauen geben."
In der ersten Halbzeit hatten die Gastgeber allerdings noch große Probleme mit der offensiven 3:2:1-Abwehr des HSV. Die Norddeutschen nutzten die Fehler zu schnellen Toren und führten nach neun Minuten mit 6:3. Wetzlar mühte sich zwar, lag jedoch auch beim 8:11 (20.), 9:12 (22.) und 10:13 (24.) mit drei Treffern hinten.
Mit der zweiten Auszeit brachte Wandschneider seine Schützlinge auf Kurs. Mraz glich beim 13:13 (26.) erstmals nach dem 1:1 (3.) aus, ehe Daniel Valo in Unterzahl praktisch mit dem Pausenpfiff die HSG erstmals in Front warf.
"Die Führung hat uns Mut gemacht", erklärte der in Halbzeit zwei im Angriff überragende Steffen Fäth, der nun fast nach Belieben die Kugel ins Netz kanonierte. Der lange als ewiges Talent verschrieene Rückraumschütze markierte genau wie der vom THW Kiel gewechselte Rechtsaußen Tobias Reichmann sieben Treffer. "Unsere Defensive hat sich stabil präsentiert, dazu konnten wir uns auf Niko Weber verlassen und einige Tempogegenstoßtore erzielen", freute sich der Linkshänder über sein gelungenes Debüt im HSG-Trikot.
"In der Wetzlarer Mannschaft steckt mehr Qualität als in der letzten Saison", befand Hamburgs Trainer Martin Schwalb. Der im Oktober 2005 nach nur drei Monaten bei der HSG zum HSV abgewanderte Coach lobte fair den engagierten Auftritt seines Ex-Clubs. Zugleich ging er mit seiner Mannschaft ins Gericht.
Nikolai Weber vernagelt sein Tor und vorne geht die Post ab
"Mit einer solchen Darbietung können wir nicht zufrieden sein." Da wollte es der 49-Jährige auch nicht als Ausrede gelten lassen, dass mit Torsten Jansen (Knie-OP), Oscar Carlén und Weltklassekeeper Johannes Bitter (beide Kreuzbandriss) drei Leistungsträger fehlten. "Aber es fiel sicher ins Gewicht, dass fünf meiner Spieler für Kroatien und Schweden bei den Olympischen Spielen im Einsatz waren und wir uns daher erst eine gute Woche gemeinsam auf die Runde vorbereiten konnten."
Die Wetzlarer nutzten die Gunst der Stunde und packten in der zweiten Halbzeit ihre Chance fest beim Schopf. Nach dem 19:19 (40.) ging die Post ab. Weber vernagelte nun sein Gehäuse und war damit Ausgangspunkt der Kontertore von Fäth, Philipp Müller und Kevin Schmidt. Beim 28:21 (51.) hatte die HSG das Spiel an sich gerissen und ließ sich nicht mehr aus der Erfolgsspur drängen. "Weber hat super gehalten und Wetzlar hat schnell nach vorne spielen können. So leicht kann Handball sein", meinte Johannes Bitter, der hinter der Auswechselbank das Dilemma seiner Kollegen miterlebte und danach schnurstracks in die Kabine eilte. Während auf dem Feld die Grün-Weißen den Super-Rundenauftakt feierten.
Wetzlar: Marinovic (bis 22.), Weber - Schmidt (2), Fridgeirsson (2), Tiedtke (1), Rompf (n.e.), Valo (4), Mraz (2), Philipp Müller (3), Reichmann (7), Fäth (7), Michael Müller (1), Harmandic (3/2), Kristjansson (1).
Hamburg: Tahirovic (31. bis 47., ab 54.), Beutler - Kraus (2), Schröder, Duvnjak (2), Lackovic (2), Flohr (1), Vori (4), Lindberg (4/1), Terzic (n.e.), Nilsson, Lijewski (2), Hens (7), Petersen (2/1).
Schiedsrichter: Baumgart/Wild (Neuried/Offenberg) - Zuschauer: 3718 - Zeitstrafen: Wetzlar vier (Philipp Müller, Reichmann, Fäth, Michael Müller), Hamburg sieben (Vori zwei, Duvnjak, Flohr, Nilsson, Lijewski, Lackovic) - verworfene Siebenmeter: Lindberg (Hamburg) scheitert an Weber (42.), Lindberg (Hamburg) wirft übers Tor (54.).







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