Mitmachen und Fortuna stärken

Rohstoffhaus nach Vorbild von Mathematikum / Förderverein gewinnt Firmen

Die Dokumentation vom Rohstoff bis zum Endprodukt, didaktisch aufbereitete Experimente für eine aktive Beteiligung des Publikums und eine Konzentration auf physikalische, chemische und geologische Themen sind die Eckpunkte des Konzepts für Oberbiel, das somit nicht rein musealen Charakter haben soll.

Zusammen mit Unterstützer und Regierungspräsident Lars Witteck (CDU) hat Porezag bisher 55 Unternehmen als mögliche Sponsoren angeschrieben. "Nur zwei haben abgesagt. Wir haben mit unserem Projekt offensichtlich den Nerv der Rohstoff produzierenden und verarbeitenden Wirtschaft getroffen", erklärt Porezag. Laut Förderverein haben neben verschiedenen mittelständischen Betrieben bereits die Firma Buderus-Edelstahl in Wetzlar, die Bosch-Thermotechnik GmbH in Wetzlar, die Kali & Salz GmbH in Kassel, die Firma Selters in Löhnberg, die Umicore AG in Hanau, das Bauunternehmen Albert Weil in Limburg und die Firma Schäfer-Kalk in Diez ihre Mitarbeit zugesagt oder angekündigt.

Dabei nehmen die Pläne für das Mitmachmuseum konkrete Formen an. So will Bosch aus dem Bergwerk etwa zwölf Grad Celsius warmes Grubenwasser für die Energieversorgung der übertägigen Gebäude hochpumpen. Buderus hat bereits ein Zentner schweres Modell seiner eigenen Stahlpresse angefertigt, mit dem Gäste später in der Ausstellung selbst Münzen prägen können. Die Kali & Salz AG steuert ein fünf Meter hohes Fördergerüst bei, mit dem Bergwerksarbeiten am Modell nachvollzogen werden können. Bei der Suche nach Sponsoren setzt Porezag vor allem auf Sachspenden und Spenden von Know How. Auf diese Weise soll die Ausstattung zusammenkommen und auch der Aufbau des sogenannten "Science-Hauses" bewerkstelligt werden.

Experimente auf zwei Geschossen und rund 1400 Quadratmetern

Für die Baukosten selbst setzt der Verein auf das Land Hessen. Bei rund zwei Millionen Euro liegen die Kosten. Fünfmal ist Karsten Porezag allein in diesem Monat nach Wiesbaden gereist, hat Gespräche im Umwelt- und im Wissenschaftsministerium sowie in der Staatskanzlei geführt. "Die Signale sind mehr als positiv", sagt er auf Anfrage. Denn in der Landeshauptstadt lägen Fördermittel der Europäischen Union, die nicht abgerufen würden. Der Grund: Wer einen Antrag stellt, muss eigene Mittel in gleicher Höhe mitbringen. Diese Beträge könnten jedoch auch Sachwerte sein. "Das hat mir das Ministerium schriftlich versichert", so Fördervereinschef Porezag. "Unser Projekt wird das erste Science-Haus Deutschlands, das sich mit dem immens wichtigen Thema mineralischer Rohstoffe befasst, es ist daher auch im Sinne des Rohstoffsicherungskonzeptes des Landes Hessen und der aktuellen Diskussion um Rohstoffe weltweit - ein absolutes Novum für Deutschland", ist seine Begeisterung nicht zu bremsen.

Und weil man sich auch ehrgeizige Ziele setzen muss, nennt Porezag als Stichtag für die Verwirklichung gleich noch den Hessentag in Wetzlar 2012. Dann sollen nach seiner Vorstellung zumindest Teile des Rohstoffhauses bereits zugänglich sein. Das ausformulierte Feinkonzept plus Antrag will der Verein Ende des Jahres einreichen. Porezag hofft auf den Baubeginn für 2011.

Auf 1400 Quadratmetern und zwei Geschossen am Hang in der Nähe des alten Steiger-hauses ist das Rohstoffhaus vorgesehen. "Am Platz des ältesten Fortunastollens", wie Porezag erläutert. Platz haben sollen darin unter anderem ein Schülerlabor und eine Event-Halle mit Gleisanschluss zum Vermieten. Damit die Sache vorangetrieben wird, hat das Ehepaar Porezag selbst kurzerhand die Stahlkonstruktion der in Wetzlar abgerissenen Gernand-Halle gekauft. Sie wird zerlegt, in den nächsten Wochen zur Fortuna transportiert und dort beim Feld- und Grubenbahnmuseum (FGF) eingelagert - bis sie als Grundgerüst des Rohstoffhauses wieder zum Einsatz kommen soll.

Mit dem Lahn-Dill-Kreis ist das Projekt im Rahmen eines Gesamtkonzepts laut Förderverein abgestimmt. Allerdings sorgt die Einstellung der Bergwerkseinfahrten in 2010 und die offene Situation für die Folgejahre für sorgenvoll bis kritische Töne im Förderverein.

"Es gibt in Deutschland nur vier reine Besucherbergwerke mit Schachtbetrieb, zwei in Sachsen, eins in Thüringen und eben die Grube Fortuna", sagt Porezag. "Das wirft man nicht so einfach weg", mahnt er. Auch für das "Hessische Rohstoffhaus" sei das Besucherbergwerk wichtig, wenngleich es auch für sich eigenständig stehen könnte. "Wenn wir auch nur 20 Prozent der Besucherzahlen des Mathematikums erreichen, liegen wir bei 35 000", betont Porezag. Und das seien mehr als der Jahresschnitt im Besucherbergwerk.

Kontakt und Informationen im Internet: www.hessisches-rohstoffhaus.de und www.grube-fortuna.de.


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