"OP sollte das letzte Mittel sein"

TELEFONAKTION Orthopäde Marco Kettrukat beantwortet Leserfragen am "direkten Draht"

Zahlreiche Anrufer klagten dabei über Probleme mit dem Kreuzband.

So auch ein 49-jähriger aus Gießen. Sein Kreuzband sei vor drei Jahren bei einem Sportunfall gerissen. Nach einer Operation leide er allerdings immer noch unter einem Streckdefizit und stechenden Schmerzen an der Knie-Innenseite.

Kettrukat beruhigte den Anrufer: "Ein Streckdefizit des Kreuzbandes ist relativ häufig nach solchen Operationen." Die stechenden Schmerzen seien möglicherweise die Folgen von einer Narbenbildung am Schienbeinansatz.

"Das Narbengewebe kann leicht mit Hilfe einer Arthroskopie entfernt werden," erklärt der Mediziner. Außerdem biete sich eine Erweiterung des Kreuzbandtunnels an, um den stechenden Schmerzen entgegenzuwirken.

Der Experte erklärt: "Das Kreuzband läuft durch einen Tunnel durch das Kniegelenk. Wenn es nicht richtig eingesetzt wird, stößt es dort an der Seite an und verursacht die Schmerzen."

Ebenfalls Knieprobleme plagten eine 71-jährige Anruferin aus Driedorf.

Sie habe vor 18 Monaten ein neues Kniegelenk bekommen. Um das Knie herum sei nun alles steif und unbeweglich.

"Es handelt sich dabei wahrscheinlich um eine reflektorische Kapselverklebung", sagt der Mannschaftsarzt der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Nötig sei an dieser Stelle eine Faszientherapie. "Faszien sind sozusagen die Hüllen eines Muskels," führt der Experte aus.

"Jedes Gramm weniger auf der Waage tut den Gelenken gut"

Wenn ein Muskel - etwa aufgrund einer Operation - lange nicht bewegt wurde, kann es zu einer Verklebung dieser Faszien kommen. In der Therapie müssten sie nun wieder gelöst werden.

Über das Risiko einer Knieoperation wollte sich eine 75-jährige aus Dietzhölztal informieren. Sie könne kaum noch laufen und habe starke Schmerzen in beiden Knien. Ein Arzt habe ihr bereits zur Operation geraten, um auf beiden Seiten Knieprothesen einzusetzen. "Eine vernünftige Entscheidung", sagt Kettrukat. Die Seniorin führte an, kürzlich einen leichten Schlaganfall erlitten zu haben und unter Bluthochdruck zu leiden und fürchtete nun das Risiko der Operation. Der Spezialist beruhigte: "Ihr Alter ist kein Problem und auch der Bluthochdruck bereitet heutzutage keine Probleme bei der Operation." Wichtig sei lediglich, dass man sich ein Krankenhaus mit Intensivstation suche, falls es doch zu Komplikationen kommen sollte. Zwischen beiden Eingriffen - rechts und links- sollte allerdings eine gewisse Zeit liegen, fügte Kettrukat hinzu. Erst wenn man auf dem operierten Knie sicher laufen könne, solle das andere Knie operiert werden. "Die Prothesen halten dann 15 bis 20 Jahre."

Eine 69-jährige aus Hüttenberg klagte über eine schmerzhafte Arthrose im rechten Fußgewölbe. Nun sei sie auf der Suche nach Therapiemöglichkeiten.

Auf Nachfrage gab sie an, bereits orthopädische Einlagen zu tragen. "Die nächsten Möglichkeiten sind eine Stimulation des Knorpels durch eine Magnetfeldtherapie, aber auch eine Stoßwellentherapie kann helfen."

Wenn dann nichts mehr helfe, könne man den Fußwurzelknochen versteifen. "Das bringt Schmerzfreiheit und führt trotzdem nicht zu Beweglichkeitsverlust." Auch ein "Schmieren" des Gelenks mit Hilfe von Hyaluronsäure könne Linderung schaffen. Der Mediziner erklärt: "Die Arthrose ist eine der häufigsten Erkrankungen im Knie. Dabei kommt es zu einer Schädigung des Gelenkknorpels."

Risikofaktoren seien Fehlstellungen des Knies - wie es bei X-Beinen oder O-Beinen der Fall ist -, Instabilität des Knies und besonders Übergewicht. "Jedes Gramm weniger auf der Waage tut den Gelenken gut", weiß Kettrukat. Um die Arthrose zu therapieren, gebe es viele Möglichkeiten: das Gelenk belastungsfrei bewegen, etwa beim Aquajogging, entzündungs- oder schmerzhemmende Medikamente, eine Regeneration der Knorpel durch Eigenblut oder auch eine Blutegeltherapie. "Die Egel spritzen Wirkstoffe ins Gelenk", erklärt der Orthopäde. Vor einer vorschnellen Operation warnt der Spezialist:"Das Einsetzen einer Knieprothese sollten das letzte Mittel sein!"


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