"Oh Dulcinea von Marburg"

KINDEROPER Zauberhaftes "Schlossgespenst" feiert Premiere bei Festspielen

Elsbeth geistert durchs Schloss, Don Quixote will ihr Herz erobern - Schlossführer, Kinderschar und Erwachsene begleiten die beiden durch die Oper, die lustig und äußerst unterhaltsam inszeniert ist. (Foto: Döhn)

Elsbeth ist eine Schöpfung von Eisenberg, und diese hat auch die Geschichte geschrieben, die in diesem Jahr passend zum Motto "Spanien" aufgeführt wird. Die Musik hat der Spanier Agustín Castilla-Ávila extra für die Marburger Inszenierung komponiert - und hat eine abwechslungsreiche Mischung aus stimmungsvollen Klangfarben und volksliedhaften Ohrwürmern geschaffen.

Wie schon im vergangenen Jahr schlüpft Schlossführer Manfred Brücker in die Rolle des Spukfinders, der die kleinen und großen Besucher auf die Spuren des Schlossgespenstes brachte. Und auf die des Ritters von der traurigen Gestalt, keinem anderem als dem berühmten Don Quixote. Der sitzt im Brunnenkeller unter dem Schloss, begleitet von Sancho Pansa, den der Komponist, der seine Musik auf der Gitarre selbst spielt, verkörpert.

Als Elsbeth - wie stets auf der Suche nach Bonbons - an ihm vorbeirauscht, erkennt er in ihr sogleich seine Marburger Dulcinea und ist heftig entflammt. Natürlich muss sofort ein Lied für sie komponiert werden, denn was braucht ein Mann, außer einem Lied und einer Hose?

Auf der Suche nach passender Bekleidung geht es ins Schloss hinein, und weil die Schwerter und Rüstungen im Schlossmuseum leider unerreichbar sind, muss er sich halt behelfen - Putzutensilien werden Waffen, ein Eimer könnte eventuell einen guten Helm abgeben. Don Quixote macht sich die Welt, wie sie ihm gefällt: Moderne Kunst wird ihm zum Drachen, der brave Spukfinder ist in seinen Augen der Landgraf. Doch trotz all seiner eingebildeten Heldentaten will Elsbeth erst einmal nichts von ihm wissen. Als Elsbeth schließlich auch in einer zerbrochenen CD eine schillernde Drachenschuppe erkennen kann, da wird ihr klar, dass ihr Ritter die Welt ganz anders sieht als alle anderen - viel schöner. Und da kommt die Minne auch zu ihr.

Die Geschichte ist einfach und klar erzählt und auch für Kinder nachvollziehbar, denen es gelegentlich schwerfallen könnte, den gesungenen Text zu verstehen. Die Spielereien des Don Quixote, die Bonbonsuche von Elsbeth sind aber auch ohne komplettes Textverständnis zu verstehen und sehr unterhaltsam. Aldo Tiziani ist ein großartiger Komödiant, der neben einer volltönenden und warmen Stimme auch das Talent zum Spaßmacher mitbringt. Die kapriziöse Elsbeth bringt mit ihrer Stimme die Luft im Schloss zum Flirren und stiehlt sich mit ihrer charmanten Art in die Herzen der Zuschauer - es macht einfach Spaß, ihr beim Spuktee mit Staub in Gesellschaft einer Spinne zuzusehen.

n Von heute bis zum Sonntag gibt es acht weitere Aufführungen

Die Musik ordnet jeder Figur ein musikalisches Motiv zu und hat trotz ihrer Komplexität hohen Wiedererkennungscharakter. Vor allem Don Quixotes Liebeslied zieht sich leitmotivisch durch das Stück, und am Ende singt das Publikum es mit, so dass es im Rittersaal wunderschön nachklingt. Eine zauberhafte Verbindung von Spiel, Musik und Ambiente.

n Weitere Aufführungen gibt es heute ab 15 Uhr und ab 16.30 Uhr. Am Samstag und am Sonntag gibt es Vorstellungen ab 11 Uhr, 15 Uhr und 16.30 Uhr. Treffpunkt ist der Schaukasten am Parkplatz neben dem Schloss.

n Karten gibt es unter www.adticket.de und bei der Tourist-Information, Pilgrimstein 26.


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