Porezag gräbt Rettungsbombe aus

Besucherbergwerk sichern: Förderverein will mit Kapsel und Kran zweiten Fluchtweg schaffen

Ihren Vorschlag haben die Ehrenamtlichen in Rücksprache mit Experten der Bergbehörde und vor allem mit Fachmann Helmut Stahl, dem ehemaligen Betriebsleiter der Fortuna, erarbeitet. Stahl kam als Beistand auch zur Pressekonferenz ins Zechenhaus. Dort sagte zudem Landtagsabgeordneter Matthias Büger (FDP) dem Förderverein die Unterstützung zu. Die laut Porezag ebenfalls eingeladene Kreisspitze war nicht anwesend.

„Der Termin war mit uns nicht abgestimmt“, so Wolfgang Schuster (SPD) gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass das Besucherbergwerk 2010 keine Fahrt in der Welt unter Tage mehr aufnimmt, ist für ihn beschlossene Sache. „Es kommt keiner rein. Sicherheit first, alles andere ist Emotion“, reagierte der Landrat auf den Vorstoß des Fördervereins. In vier Wochen liege das in Auftrag gegebene Gutachten zur Sicherheit der Grube vor, danach werde ein Masterplan mit notwendigen Schritten „ohne Zeitdruck“ erstellt. „Meine Bergaufsicht heißt nicht Förderverein, sondern Regierungspräsidium Gießen“, so Schuster. Beschlussgremien seien Kreisausschuss und Kreistag sowie die Betriebskommission der kreiseigenen Fortuna, in der auch Porezag und sein Vize Mitglied seien. „Ich brauche niemanden, der mir sagt, dass alte Menschen oder Kinder eine 110 Meter hohe Eisenleiter nicht hinaufsteigen können“, verwies Schuster auf den Grund für sein Handeln. Denn dies ist derzeit der zweite Weg aus der Grube.

„Es bleibt beim ,Glück auf’ hier, das sagen wir“, verbreitete Porezag bei der Pressekonferenz gestern dennoch Zuversicht. „Der angeblich todkranke Patient ist nicht krank, das kann mit einfachen Mitteln wieder gerichtet werden. Die Situation ist nicht schlechter als zuvor“, so der Fördervereinschef. „Der Besucherbergwerksbetrieb ist nicht gefährlicher als vor einem Jahr“, brachte der langjährige Grubenchef Stahl diese Position auf den Punkt. Er monierte zudem, dass der Kreis das Sicherheitsgutachten nach Essen vergeben habe, wo die Prüfer mit dem Kohleabbau auf ganz andere Themen wie Gasaustritte spezialisiert seien.

<2>Der Förderverein habe sich mit den Bedenken des Kreises trotzdem auseinander gesetzt. &#8222;Man könnte ja sagen, hier wird eine Kulisse aufgebaut, um später festzustellen, wir müssen schließen. Aber das machen wir nicht. Wir nehmen den Landrat beim Wort&#8220;, so Fördervereinsvize Rolf Georg, &#8222;und er hat nicht gesagt, die Fortuna ist uns zu teuer, sondern er hat auf die Sicherheit verwiesen.&#8220; Dass der zweite Fluchtweg jedoch gesetzlich gar nicht unbedingt notwendig ist, zitierte der Verein aus dem Bundesberggesetz. Das verlange zwar einen zweiten Ausgang, lasse Abweichungen jedoch in streng gefasstem Rahmen zu. Dieser sei mit &#8222;standfestem Gebirge&#8220; im Hauptschacht, der ausbetoniert ist, täglicher Kontrolle und alle zwei Monate einer Spezialprüfung im Besucherbergwerk gegeben. Weiter bestehe keine erhöhte Brandgefahr, weil die Elektrik bis auf ein unproblematisches Hauptkabel auf der Stollensohle vor der Öffnung des Besucherbergwerks 1987 erneuert wurde. Genau seit dieser Zeit fordere die Aufsichtsbehörde auch den laut Gesetz nicht zwingend erforderlichen zweiten begehbaren Fluchtweg. Neu ist laut Förderverein aber, dass sich der Kreis dies zu eigen macht.

<span style="font-weight: 700">Ausweg aufzeigen</span>

Damit möchten sich die Ehrenamtlichen jedoch nicht aufhalten. Ihnen geht es darum, die Fortuna zukunftsfähig zu machen und Besucher zum Grubengelände zu locken. Einen &#8222;Steinbruch der Ideen&#8220; habe dem Landkreis dafür das Institut Terra Incognita per Gutachten bereits geliefert. Dessen Geschäftsführer Christoph Schlott stand gestern ebenfalls an der Seite der Ehrenamtlichen. Wie berichtet sind sie derzeit dabei, ein Rohstoff-Haus mit Firmen der Region als Mitmachmuseum aufzubauen, um mit Besucherbergwerk sowie Feld- und Grubenbahnmuseum ein attraktives &#8222;Dreigestirn&#8220; zu formen. &#8222;Es geht bei der Fortuna nicht nur um ein Stück Industriegeschichte, sondern auch um die Tourismus- und Wirtschaftsförderung&#8220;, so Karsten Porezag.

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