Porträt: Volker Bouffier - Ein charmanter Haudegen

Ein aktueller Untersuchungsausschuss des Landtages befasst sich gerade mit der Frage, ob er bei der Auswahl eines Polizeipräsidenten einen Parteifreund durchgesetzt und dabei gegen das Recht verstoßen hat. Anzeichen dafür, dass der Ausschuss den Juristen aus Gießen sonderlich beunruhigt, sind nicht erkennbar.

Seine Ziele - vor allem die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung - verfolgt Bouffier unbeirrt. "Alle Gewalt geht vom Volke aus, nicht vom Volker", musste er sich deshalb einmal von dem Grünen- Abgeordneten Andreas Jürgens vorhalten lassen. Doch seine Politik verkauft Bouffier gerne auch mit einem Augenzwinkern: "Wir sind erstens tatkräftig, zweitens fröhlich und drittens gut aussehend", befand er einmal nach dem Vorwurf der Opposition, die Regierung sei übellaunig. Häme oder persönliche Angriffe gibt es bei ihm selbst in der heftigsten Debatte nicht. Während Koch mehr Analytiker ist, spricht Bouffier der hessischen Union eher aus dem Herzen.

Zu Bouffiers Lieblingsthemen gehören die Kommunalpolitik und Sport. Wer dem Minister zu kommunalpolitischen Themen befragt, muss Geduld mitbringen und sich auf sehr ausführliche Antworten gefasst machen. Beim Thema Sport - auch dafür ist er zuständig - gerät der verheiratete Vater von drei Kindern ins Schwärmen. In seiner Jugend spielte er erfolgreich Basketball. Sport bedeutet für ihn nicht zuletzt Förderung von Demokratie und Integration.

Allerdings musste Bouffier schon einige Affären aussitzen - oft, weil er Gesetze gelegentlich eher großzügig auslegte. In einer Scheidungssache beriet er als Anwalt 1999 erst einen Freund und dann dessen Frau und musste einen Strafbefehl wegen Parteiverrats akzeptieren. Oder: Bouffier und andere CDU-Politiker kauften zum Steuersparen Häuser in Sachsen von einer Firma, deren Geschäftsführer sich als Scientologe entpuppte.

Auf der Habenseite steht eine seit Bouffiers Amtsantritt sinkende Kriminalitäts- und steigende Aufklärungsrate. Bouffier führte in Hessen einen freiwilligen Polizeidienst ein. Er schlug Wissens- und Wertetests für Zuwanderer vor, die bundesweit Standard bei der Einwanderung wurden. Die unter seiner Verantwortung eingeführte automatische Kennzeichenerfassung von Fahrzeugen wurde allerdings 2008 vom Bundesverfassungsgericht gestoppt.

Bouffiers Lebenslauf: http://dpaq.de/CoByb


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