Protestzug will G9 für alle

DEMO 500 Eltern und Schüler zeigen Ministerin die "rote Karte"

Etwa 500 Menschen demonstrierten gestern in Marburg für G9. Musik machten dabei die Sechstklässler der Biedenkopfer Lahntalschule (Bild unten). (Fotos: Krause)

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An der Kundgebung beteiligten sich zudem der Stadtelternbeirat der Universitätsstadt sowie Eltern und Schüler aus Marburg. Gemeinsam zeigten die Demonstranten Hessens Kultusministerin Nicola Beer (FDP) die "rote Karte". Grund sei deren Blockade, dem Wunsch der Eltern nachzukommen, so die Initiatoren.

Den Schulen hat die Ministerin mit Änderung des hessischen Schulgesetzes freigestellt, ab dem kommenden Schuljahr für die neuen Fünftklässler nach G9 zu beschulen (und nicht ein Jahr verkürzt nach dem so genannten G8). Die jetzigen Kinder in der Unterstufe haben diese Möglichkeit nicht, obwohl - so die Initiatoren der Kundgebung - die Schulen signalisiert hätten, dass auch für diese die längere Schulzeit problemlos umsetzbar sei.

An der Lahntalschule hätten 92 Prozent der Eltern sich für ihre Kinder für die neunjährige Gymnasialzeit ausgesprochen. Der entsprechende Antrag sei beim Kultusministerium aber ungehört geblieben. Die G8-Regelung bedinge für die Kinder einen großen Zeitdruck, kritisierten die Eltern.

Der Zug der Demonstranten ging durch die Marburger Oberstadt zum Hanno-Drechsler-Platz, wo es eine Kundegebung gab. Dort spielten zunächst die Musikschüler der sechsten Klasse der Lahntalschule auf, die bereits zu Demonstrationsbeginn singend darauf aufmerksam gemacht hatten, dass G8 auch zu wenig Zeit zum Musizieren lasse.

Da hieß es dann unter anderem zur Melodie von "Sieben Tage lang": "Wann haben wir Freizeit, der Stress ist viel zu groß" oder statt "Marmor, Stein und Eisen bricht" hieß es: "Mehr Zeit für mich, um Kind zu sein, G9, G9! Mehr Zeit für Sport und für Musik."

Als Redner traten unter anderem Birgit Ebermann und Tamara Hoffmann vom Schulelternbeirat in Biedenkopf auf. Das Argument, das hessische Schulgesetz sehe keine Rückkehr zu G9 vor, könne man nicht gelten lassen. Denn: Gesetze könne man ändern. Sicher sei ein Bestandsschutz für Kinder, die mit G8 eingeschult worden seien, wichtig, aber der dürfe nicht zulasten der großen Mehrheit gehen.

"Raum für gesunde Entwicklung selbstbewusster Persönlichkeiten"

Im ländlichen Raum habe es bisher keine Wahlmöglichkeit zwischen acht und neun Jahren gegeben. Die Elterninitiative fordert den "Zugang zu einer hervorragenden Schulausbildung, sowie genügend Raum für die gesunde Entwicklung von selbstbewussten und leistungsstarken Persönlichkeiten". Die Landesregierung sollte nicht an überholten Entscheidungen festhalten. "Die gesunde Entwicklung unserer Kinder sollte allen Parteiinteressen vorangehen."

Nach weiteren Beiträgen - unter anderem von Bernd Mönnich vom Marburger Stadtelternbeirat und der SPD-Landtagskandidatin Angelika Löber - wurde der Zug fortgesetzt über Universitäts- und Biegenstraße zur ehemaligen Kinderklinik, wo er sich auflöste.


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